Unternehmen Weltsparen US-Investoren stecken 100 Millionen Euro in deutsches Finanz-Start-up

Die Berliner Firma Weltsparen könnte das nächste deutsche Milliarden-Start-up werden. Amerikanische Geldgeber haben 100 Millionen Euro in das Finanzunternehmen gepumpt - obwohl es bisher noch nicht mal Gewinn macht.

Weltsparen-Gründer Tamaz Georgdaze
Weltsparen

Weltsparen-Gründer Tamaz Georgdaze

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Tamaz Georgadze war gerade mal 35, als es ihm bei McKinsey zu langweilig wurde. Da hatte der gebürtige Georgier, der in seiner Heimat mit zwölf das Abitur und mit 15 das erste Diplom in der Tasche hatte, bereits zehn Jahre in der Firma gearbeitet. Deshalb entschied sich der Berliner für einen Neustart und gründete Anfang 2014 die Firma Weltsparen: eine Tech-Plattform, über die Anleger in mittlerweile 31 europäischen Ländern Geld vor allem auf Spar- und Tagesgeldkonten anlegen können.

Seitdem ist Weltsparen stetig gewachsen - und hat jetzt bei amerikanischen Risikokapitalfonds und dem Bezahldienstleister Paypal 100 Millionen Euro eingesammelt, um die weitere Expansion zu finanzieren.

Gewinn macht Weltsparen noch nicht, erst einmal will Georgadze die Firma groß machen. "Unser Ziel ist es, die Zahl der Kunden und des vermittelten Anlagevermögens in den nächsten zwei Jahren zu verdoppeln", sagt Georgadze. Bisher hat Weltsparen gerade einmal 160.000 Kunden, die zehn Milliarden Euro über die Plattform angelegt haben.

Aber die Geldgeber - darunter ein Fonds von Joshua Kushner, Bruder des Trump-Schwiegersohns Jared Kushner - trauen Weltsparen offenbar zu, zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten der etablierten Banken zu werden.

Die Finanzierungsrunde für die Berliner ist ein weiterer Hinweis dafür, dass deutsche Start-ups aus der Finanzbranche - anders als die hiesigen Banken - bei Investoren derzeit hoch im Kurs stehen. Vergangenes Jahr steckten Venture-Capital-Fonds erstmals mehr als eine Milliarde Dollar in deutsche Fintechs, ermittelte die Beratungsfirma Barkow Consulting. Und im Januar sammelte die Berliner Smartphone-Bank N26 allein 300 Millionen Dollar ein. Sie soll nun etwa 2,7 Milliarden Dollar wert sein und damit ein sogenanntes Einhorn, wie Start-ups mit einem Wert von mehr als einer Milliarde Dollar in der Szene genannt werden.

Weltsparen dürfte nach der Finanzierungsrunde etwa 8oo bis 850 Millionen Euro wert sein, wenn man ähnliche Maßstäbe heranzieht wie bei N26. Doch Georgadze hält von solchen Rechenspielen nichts. Was eine Firma wert sei, zeige sich erst, wenn es an die Börse gehe, das habe Weltsparen aber frühestens in vier bis fünf Jahren vor.

Erst mal muss Weltsparen beweisen, dass das Geschäftsmodell tatsächlich funktioniert, auch bei Gegenwind. "Wir sehen uns als digitale Vermögensverwaltung für Normalverdiener", sagt Georgadze. Angefangen hat die Firma damit, dass sie Kunden in Deutschland Zugang zu Tagesgeld- und Festgeldkonten in anderen Ländern vermittelte, wo es höhere Zinsen gibt als hier. Dafür nehmen die Sparer allerdings auch ein höheres Risiko in Kauf, wenn sie über die Weltsparen-Plattform Geld bei Banken mit mäßiger Kreditwürdigkeit anlegen. Da die Zinsen innerhalb der Eurozone in den vergangenen Jahren jedoch sehr niedrig waren und in den unterschiedlichen Ländern nicht weit auseinanderlagen, war das Konzept nur mäßig attraktiv.

Auch deshalb bietet Weltsparen mittlerweile zusätzlich Indexfonds an - sogenannte ETFs - über die Anleger am Aktienmarkt investieren können. Bald sollen weitere Anlageprodukte hinzukommen.

Außerdem will Weltsparen sich geografisch weiter ausbreiten. "Wir wollen unser Angebot als Nächstes auf den italienischen und den irischen Markt ausweiten", sagt Georgadze, "damit hätten wir etwa 70 bis 80 Prozent der Eurozone abgedeckt." Es gebe auch Überlegungen, außerhalb Europas zu expandieren, etwa in den USA, doch konkrete Pläne dafür hat Weltsparen noch nicht.



insgesamt 46 Beiträge
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fatherted98 06.02.2019
1. von diesem....
..Unternehmen und seinen Angeboten würde ich die Finger lassen. Schon genug Finanzmarktanbieter sind mit den Geldern der Anleger einfach so vom Markt verschwunden.....und man erinnere sich was für ein Akt es war bei der Euro Krise seine angelegten Kröten von den Europäischen Banken (Island) wieder zu bekommen....trotz vollmundiger Garantien (damals glaube ich in Höhe von 20.000 Euro).....da kann man im Ernstfall dann vor einer Klingel mit Briefkasten mit hunderten anderen stehen und versuchen irgend wen zu erreichen....viel Spaß.
jiasouma 06.02.2019
2.
Einen ETF-Sparplan kann jedermann problemlos bei seiner Hausbank einrichten, auch via eBanking. Warum sollte man dazu Weltsparen benötigen? Geht aus dem Artikel leider nicht hervor. Wer einen DAX ETF bedient hat 2018 übrigens 18 Prozent Minus gemacht, ist also auch nicht das Gelbe vom Ei. Besser das Geld in einzelne ausgewählte Aktien anlegen anstatt in einem Index die Underperformer mitzuschleppen.
diplpig 06.02.2019
3. Gute Erfahrungen gemacht ...
Dank der eurpäischen Einlagensicherung ist das Risiko von Otto-Normal-Sparer, der fünfstellige Beträge anlegt überschaubar. Das Verfahren bei ausländischen Banken zu etwas besseren Zinskonditionen anzulegen (1,25% statt 0,25% bei der Hausbank) ist denkbar einfach. Meine Barreserven lagern als Festgeld bzw. auf dem Tagesgeldkonto bei Weltsparen, damit das Geld etwas weniger schnell durch die Inflation aufgefressen wird. Heute kann ja jeder ganz einfach in Aktien anlegen, jetzt kann man auch bei ausländischen Banken Geld anlegen.
frankasten 06.02.2019
4. Geld unter Matratze beste Rendite!
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acitapple 06.02.2019
5.
Zitat von jiasoumaEinen ETF-Sparplan kann jedermann problemlos bei seiner Hausbank einrichten, auch via eBanking. Warum sollte man dazu Weltsparen benötigen? Geht aus dem Artikel leider nicht hervor. Wer einen DAX ETF bedient hat 2018 übrigens 18 Prozent Minus gemacht, ist also auch nicht das Gelbe vom Ei. Besser das Geld in einzelne ausgewählte Aktien anlegen anstatt in einem Index die Underperformer mitzuschleppen.
Jenen Kunden geht es nicht um Anlagen in Fonds, sondern in Tages- und Festgeldern. Verschiede Investmentprofile. Welche Aktien haben denn das Jahr so erfolgreich abgeschlossen und wer wußte davon im Voraus ?
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