Übernahme von Instagram: Wie Facebook zwei Männer zu Multimillionären macht

Facebook blättert eine Milliarde Dollar hin, um die Fotoplattform Instagram zu kaufen - und macht ihre zwei Gründer über Nacht zu Multimillionären. Mark Zuckerberg wollte das Start-up schon früher kaufen. Doch obwohl das Unternehmen kaum Umsatz macht, blitzte er zunächst ab.

Hype um Start-up: Die glücklichen Jungs von Instagram Fotos
Getty Images/TechCrunch

Hamburg - Kevin Systrom muss sich seiner Sache ganz sicher gewesen sein. Denn er gab Justin Bieber einen Korb. Das Teenie-Idol hatte Fotos über Instagram gepostet - innerhalb von Stunden folgten ihm Tausende Fans bei dem Fotodienst. Für Instagram-Mitgründer Systrom war Bieber die perfekte Marketing-Maschine, noch dazu kostenlos. Das registrierte auch das Management des Sängers. Biebers Agent rief Systrom an und verlangte Geld, damit der Teenie-Star Instagram weiter nutzt, berichtete das Technologie-Blog TechCrunch. Doch der Chef des Start-up lehnte ab. Geschadet hat das der Firma und ihren Gründern nicht.

Denn jetzt hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg Instagram zum Internet-Juwel erkoren und die Firma für eine Milliarde Dollar gekauft. Der 28-jährige Systrom dürfte damit um 400 Millionen Dollar reicher sein, berichtet das Technologie-Magazin "Wired". Er hält 40 Prozent an dem Fotodienst. Für seinen 26-jährigen Geschäftspartner Mike Krieger bleiben demnach bei einem Anteil von zehn Prozent 100 Millionen Dollar. Auch Geldgeber und das restliche Instagram-Team profitieren. Rund ein Dutzend Mitarbeiter können - je nach Betriebszugehörigkeit - rund hundert Millionen Dollar unter sich aufteilen, hieß es.

In Blogs werden Systrom und Krieger für ihre Kreativität und Ausdauer gefeiert. "Es war ein wilder Ritt für die beiden", schrieb Kim-Mai Cutler auf TechCrunch. "Glückwunsch, Jungs. Ihr hattet verdammt Glück, aber ihr habt es verdient."

Innerhalb von zwölf Stunden eine Million neue User

Dabei scheint die Idee der beiden Gewinner des Hypes um Internet-Start-ups nicht besonders revolutionär: Mit der Instagram-App können Nutzer ihre mit dem Smartphone aufgenommenen Fotos mit Filtern und Effekten bearbeiten und dann mit anderen in sozialen Netzwerken teilen. Besonders beliebt bei Nutzern ist der nostalgische Polaroid-Effekt.

Instagram ging erst im Herbst 2010 online, hat jedoch inzwischen bereits 30 Millionen Nutzer. In der vergangenen Woche brachte die Firma ihre App für Android-Geräte heraus - innerhalb der ersten zwölf Stunden hatte Instagram eine Million neue User.

Trotz der Begeisterung der Netzgemeinde fragen sich Kritiker, warum eine Fotodienst-Klitsche mit gerade mal einem Dutzend Mitarbeitern, fehlendem Geschäftsmodell und ohne nennenswerten Umsatz eine Milliarde Dollar wert sein soll. "Wachstum genießt als Selbstzweck höchste Priorität. Bei Facebook genauso wie bei Instagram", schrieb der Branchendienst "Meedia". "Letztlich gibt es keine bestechende Logik hinter solch einer Wahnsinns-Akquisition wie Instagram. Ein Dutzend junger Typen mit einem coolen Web-Service und null Umsatz sind plötzlich eine Milliarde Dollar wert, weil die Finanzmärkte der Meinung sind, Facebook selbst sei 100 Milliarden wert."

Doch aus Sicht von Zuckerberg dürfte der Deal nicht ganz so absurd anmuten. Denn Instagram hätte zum Rivalen für Facebook oder von Konkurrenten wie Twitter oder Google geschluckt werden können. Ein Branchenkenner berichtete, bei Instagram habe es bereits Überlegungen gegeben, den Dienst in ein soziales Netzwerk auszuweiten.

Für den mobilen Gebrauch entwickelt

Zudem geht Facebook mit dem Kauf eines seiner größten Probleme an. Immer mehr User gehen von unterwegs mit Smartphones ins Netz. Doch die Facebook-App gilt vielen Nutzern für den schnellen Eintrag als zu kompliziert. Instagram dagegen wurde allein für den mobilen Gebrauch entwickelt. "Es ist einfacher, seinen Facebook-Account unterwegs mit einem Schnappschuss frisch zu machen als Text einzugeben", sagte die Analystin Rebecca Lieb der "New York Times" ("NYT").

Auch die Instagram-Gründer Systrom und Krieger kamen erst über einen Umweg zu ihrer zündenden Idee. Der bekennende Whisky-Fan Systrom gründete zunächst Burbn Inc., einen ortsbezogenen Dienst. Als er merkte, dass die User vor allem den Foto-Upload nutzten, spezialisierte er die Anwendung und nannte sie Instagram.

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Foto-Apps: Instagram und die Konkurrenz
Sein Kompagnon Krieger hatte zuvor bei der Social-Media-Firma Meebo gearbeitet. Bereits an der Uni zeigte er eine Leidenschaft für Fotodienste. Krieger arbeitete an einem Projekt mit, bei dem User Bilder von sonnigen Orten ins Netz stellen sollten, um Leute an regnerischen Orten damit aufzuheitern.

In grau gestrichenen und mit Ikea-Lampen ausgeleuchteten Räumen habe die Instagram-Crew ihre Schreibtische zusammengerückt und an der App gebastelt, schrieb die "New York Times". In diesen Büros tüftelten bereits die Gründer von Twitter. Es ist nicht die einzige Verbindung zwischen den beiden Online-Unternehmen. Systrom arbeitete bereits bei der Twitter-Vorgängerfirma Odeo.

Starker Wunsch nach Eigenständigkeit

Dort bekam Systrom Lust auf die Start-up-Branche. Auch bei Google arbeitete der Stanford-Absolvent zwei Jahre. Sein Faible für Fotos pflegte er schon an der Uni, wo er mit Photobox einen Dienst zum Versenden von großen Bilddateien entwickelte. Schon damals wurde Zuckerberg auf Systrom aufmerksam und bot ihm einen Job an - doch dieser lehnte ab.

Bereits Anfang vergangenen Jahres soll Zuckerberg einen Kauf von Instagram erwogen haben, berichteten Facebook-Mitarbeiter damals. Doch Systrom wollte eigenständig bleiben. Und auch nun, nach dem Kauf durch Facebook, beteuerte er: "Es ist klar, dass Instagram nicht verschwinden wird. Wir werden bei der Weiterentwicklung mit Facebook zusammenarbeiten und das Netzwerk ausbauen."

Für Systrom geht es nun darum, die Instagram-User davon zu überzeugen, dass nicht nur er von dem Facebook-Deal profitiert. Denn manche Fans des Fotodienstes sehen die Übernahme enorm kritisch. "Ich mochte Instagram, als es nur um Fotos und Filter ging und nicht um das Datensammeln für Facebook", zitierte die "NYT" einen User. Ein anderer reagierte noch radikaler und verkündete: "Ich habe gerade aufgehört, Instagram zu nutzen."

mmq

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1.
chramb 10.04.2012
Zitat von sysopFacebook blättert eine Milliarde Dollar hin, um die Fotoplattform Instagram zu kaufen - und macht ihre zwei Gründer über Nacht zu Multi-Millionären. Mark Zuckerberg wollte das Start-up schon früher kaufen. Doch obwohl das Unternehmen kaum Umsatz macht, blitzte er zunächst ab. Übernahme von Instagram: Wie*Facebook zwei*Männer zu Multi-Millionären macht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,826601,00.html)
So eine Meldung macht es einem irgendwie nicht leichter auszustehen und morgens seinen Hintern zur Arbeit zu schleppen. Ich meine chapeau für die beiden Gründer. Aber trotzdem läuft doch was falsch irgendwie.
2.
Pupsie 10.04.2012
Zitat von sysopFacebook blättert eine Milliarde Dollar hin, um die Fotoplattform Instagram zu kaufen - und macht ihre zwei Gründer über Nacht zu Multi-Millionären. Mark Zuckerberg wollte das Start-up schon früher kaufen. Doch obwohl das Unternehmen kaum Umsatz macht, blitzte er zunächst ab. Übernahme von Instagram: Wie*Facebook zwei*Männer zu Multi-Millionären macht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,826601,00.html)
Gut gemacht, Jungs! Das Ganze klingt unheimlich stark nach der Geschichte von "Walden Schmidt" aus "Two and a half men". 1 Mrd. Dollar für eine Durchschnittsplattform, die in näherer Zukunft höchstwahrscheinlich eh nicht mehr in den Köpfen der Leute ist, sind kein schlechter Deal - ganz im Gegenteil. Warum Zuckerberg eine ganze Mrd. bietet? Der Typ kann doch, dank seiner Mega-Zombiearmee von Gesichtsbuchnutzern, in ganz anderen Dimensionen denken. Die Milliarde holt er locker flockig wieder rein. Alles in Allem ist es schon ziemlich krank, wenn man bedenkt, dass in großen Teilen der Erde nur noch Armut und Leid herrscht, but wayne..... was interressiert´s einen Zuckerberg, Schmidt oder Winterkorn. Sie leben halt nicht in dieser Welt.
3. Die nächste Bitte
maka2 10.04.2012
Letztendlich ist dieser ganze social media hype doch nichts anderes als eine weitere gigantische Spekulationsblase. Gerechnet wird ja gar nicht damit, was die Unternemen eigentlich für Wert haben, sondern was für Werte sie irgendwann in der Zukunft vielleicht einmal haben könnten. Oder eher noch, zu was für Preisen man Anteile in der Zukunft verkaufen könnte, wenn man davon ausgehen würde, dass sie in einer noch ferneren Zukunft einmal für einen Wert haben könnten. Man muss dafür ja noch nicht einmal die Form der Social Media Dienste in Frage stellen. Möglich, dass Leute Facebook in 20 Jahren noch nutzen werden in größerer Zahl als heute, aber auch möglich, dass in 2 Jahren kein Schwein mehr weiß was Facebook einmal war. Aber selbst in erstem Fall wird es irgendwann jemanden klar werden, dass die Firme nicht 100 Milliarden Dollar wert ist sondern nur 100 Tausend. Aber das ist den Gegenwärtigen Investoren ja egal, da sie davon ausgehen, dass sie dann längst alle ihre Anteile wieder verkauft haben werden. Das ist die Dot-Com-Bubble 2.0.
4. Vorschlag:
hupfhupf 10.04.2012
Zitat von PupsieGut gemacht, Jungs! Das Ganze klingt unheimlich stark nach der Geschichte von "Walden Schmidt" aus "Two and a half men". 1 Mrd. Dollar für eine Durchschnittsplattform, die in näherer Zukunft höchstwahrscheinlich eh nicht mehr in den Köpfen der Leute ist, sind kein schlechter Deal - ganz im Gegenteil. Warum Zuckerberg eine ganze Mrd. bietet? Der Typ kann doch, dank seiner Mega-Zombiearmee von Gesichtsbuchnutzern, in ganz anderen Dimensionen denken. Die Milliarde holt er locker flockig wieder rein. Alles in Allem ist es schon ziemlich krank, wenn man bedenkt, dass in großen Teilen der Erde nur noch Armut und Leid herrscht, but wayne..... was interressiert´s einen Zuckerberg, Schmidt oder Winterkorn. Sie leben halt nicht in dieser Welt.
Gruenden Sie eine Firma, tun Sie alles, damit sie bekannt wird und verkaufen sie dann. Das so erworbene Geld werde Sie selbstverstaendlich zur Bekaempfung von Armut und Leid einsetzen. Schon mal vielen Dank fuer Ihren wertvollen Beitrag!
5. Krank
doc.nemo 10.04.2012
Zitat von sysopFacebook blättert eine Milliarde Dollar hin, um die Fotoplattform Instagram zu kaufen - Übernahme von Instagram: Wie*Facebook zwei*Männer zu Multimillionären macht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,826601,00.html)
Solche Summen sind einfach nur krank!
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