Dickes Auftragsplus Deutscher Schiffbau boomt - trotz weltweitem Werftensterben

Ein Drittel aller Werften weltweit ist pleite, mehr als hundert arbeiten an ihrem letzten Schiff - doch ausgerechnet bei Europas lange kriselnden Schiffbauern werden die Auftragsbücher immer dicker.

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Der Schiffbau liegt weltweit am Boden - doch ausgerechnet in Europa verzeichnen die großen Werften gegenwärtig mehr Aufträge als sie gleichzeitig abarbeiten. Sie bauen also ein Auftragspolster auf. Besonders gilt das für die Werften in Deutschland, wie aus einer Analyse des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg hervorgeht.

Demnach sind seit 2009 weltweit fast zwei Drittel aller Werften von der Bildfläche verschwunden. Übrig geblieben sind lediglich 358 Schiffbaubetriebe, von denen rund 30 Prozent an ihrem letzten Schiff arbeiten. "Es ist zu erwarten, dass auch in den kommenden Monaten weitere dieser Werften schließen müssen", schreibt der VSM.

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Es mangelt - global gesehen - an Aufträgen. Ihr Volumen wird in der Einheit "gewichtete Bruttotonnen" gemessen, kurz CGT. In den ersten neun Monaten 2017 kamen mit 13,5 Millionen CGT nur wenige Aufträge herein. Fertig gestellt und abgeliefert wurden hingegen mehr als doppelt so hohe Kapazitäten. Mit anderen Worten: Die Auftragsbücher werden weltweit immer dünner. Vor der seit 2008 andauernden Krise hatten die Werften mehr als doppelt so viele Aufträge im Bestand.

Europa profitiert vom Kreuzfahrtboom

Diese Krise der Werften ist eine verspätete Folge der Krise in der Schifffahrt, die weiterhin von gravierenden Überkapazitäten in vielen Bereichen geplagt wird. Fracht- und Charterraten sowie die Preise für gebrauchte Schiffe liegen auf niedrigem Niveau. Bei den Reedereien hat eine Konzentrationswelle eingesetzt, die auf die Nachfrage drückt. Die Reeder brauchen kaum noch neue Schiffe - allenfalls größere und effizientere Frachter, um noch mehr Container noch günstiger transportieren zu können. Die französische Reederei CMA CGM hat gerade in China neun Riesenfrachter bestellt, die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betrieben werden.

Die gute Nachricht für Deutschland und Europa: Abseits vom Frachtschiffbau boomt der Kreuzfahrtsektor. "Mit immer neuen Attraktionen bleibt die Kreuzfahrtindustrie Publikumsmagnet und stellt immer neue Passagierrekorde auf", heißt es beim Verband. Allein in diesem Jahr kommen 26 Kreuzfahrtschiffe neu in den Markt.

Davon profitieren europäische und deutsche Werften, die sich auf diesen Markt spezialisiert haben. Seit 2011 wächst der Wert des europäischen Auftragsbuchs und erreichte Ende Juni dieses Jahres mehr als 57 Milliarden Dollar (derzeit rund 48 Milliarden Euro), davon ungefähr ein Drittel bei deutschen Werften. Mehr als 40 Prozent aller globalen Schiffbau-Aufträge gehen nach Europa.

China nimmt die Konkurrenz in den Blick

Diese Erfolge des europäischen Schiffbaus wecken Begehrlichkeiten. China will einen Marktanteil von 40 Prozent im Hightech-Schiffbau erreichen und hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit der staatlichen italienischen Großwerft Fincantieri zum Bau von Kreuzfahrtschiffen gegründet, was die deutschen Schiffbauer sehr kritisch sehen.

"Es gibt keinen Grund, sich zurückzulehnen", sagt VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken. "Der Wettbewerbsdruck steigt unablässig." Um den gegenwärtigen Erfolg fortzusetzen, sei eine Stärkung des maritimen Industriestandorts Deutschland dringend nötig. Die Bundesregierung kenne das Problem. Nach der im Frühjahr beschlossenen maritimen Agenda 2025 würden eine Reihe weiterer Themen diskutiert und bearbeitet, doch seien die Fortschritte eher zäh. Durch die schleppende Regierungsbildung in Berlin werde die notwendige Dynamik zusätzlich ausgebremst.

beb/dpa-AFX

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