Hamburg - Frankreich und Deutschland machen offenbar einen neuen Anlauf, ihren Militärschiffbau zusammenzulegen. Die Konzerne ThyssenKrupp
und DCNS sowie die Regierungen in Berlin und Paris wollten nach der Sommerpause Gespräche aufnehmen, schreibt die "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Die Franzosen drängten auf eine Zusammenarbeit nach dem Vorbild des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS
. Paris wirbt seit Jahren für die Zusammenlegung des Marine-Schiffbaus.
Erste Kontakte habe der französische Botschafter mit ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme eingefädelt, sagten Insider der "FTD". Auch das Management der Werftenkonzerne beider Länder sei bereits eingebunden, ebenso die Bundesregierung. Der Prozess stehe aber noch am Anfang, hieß es. Weder ThyssenKrupp noch die Bundesministerien für Wirtschaft und Verteidigung wollten sich in der Zeitung offiziell dazu äußern. Europas Rüstungswerften stehen unter wachsendem wirtschaftlichen Druck, weil die Aufträge der nationalen Marinen sie immer weniger auslasten.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy habe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mehrfach darauf angesprochen, schreibt die Zeitung. Die Deutschen lehnten eine solche Allianz aber lange ab - was mit schlechten Erfahrungen wegen französischer Einflussversuche bei Airbus und dessen Mutterkonzern EADS begründet werde. Bevorzugt wurde ein Bündnis mit Abu Dhabi Mar. Doch die Verhandlungen über den weitgehenden Verkauf der Werftentochter Blohm + Voss von ThyssenKrupp an die Araber scheiterte kürzlich. Teil der Verkaufspläne war ein Gemeinschaftsunternehmen für den militärischen Teil von Blohm + Voss gewesen.
Damit wäre der Weg für die Franzosen wieder frei. Diese könnten laut der Zeitung nun die Führung in einem Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Überwasserkriegsschiffen wie Fregatten erhalten. Im Gegenzug bekämen die Deutschen das Sagen in einer U-Boot-Gemeinschaftsfirma. Ein Test für die Kooperation könnte das jüngst vereinbarte deutsch-französische Bündnis bei der Entwicklung von Torpedos sein.
Allerdings beurteile die deutsche Seite die Erfolgschancen der neuen Gespräche wegen der früheren Erfahrungen weiterhin kritisch, schreibt das Blatt. Zudem müssten sich die deutsche und die französische Marine auf ein einheitliches Schiffsdesign einigen, hieß es. Hier gebe es jedoch große Vorbehalte.
Der Luftfahrtkonzern EADS meldete derweil am Montag einen weiteren Zukauf: Mit Vizada, einem Anbieter im kommerziellen Satelliten-Kommunikationsgeschäft, will der Konzern seine Raumfahrtsparte Astrium stärken. Der Kaufpreis von 960 Millionen US-Dollar werde aus bestehenden Mitteln finanziert, teilte EADS mit. Vizada biete über alle Satelliten-Netzbetreiber Mobilfunk- und Festnetzverbindungen an. Das Unternehmen habe 700 Mitarbeiter und peile im laufenden Jahr einen Umsatz von rund 660 Millionen US-Dollar und einen operativen Gewinn von 95 Millionen Dollar an. Die Übernahme muss noch von den Behörden genehmigt werden.
dab/dpa-AFX
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Werften | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH