Werra-Versalzung durch Bergbau K+S baut Abwasser-Pipeline zur Oberweser

Seit Jahren steht K+S wegen der Versalzung der Werra in der Kritik - nun hat sich der Kali-Hersteller mit dem Land Hessen auf eine Lösung geeinigt: Eine Pipeline soll die Abwässer zur Oberweser leiten.

K+S-Abraumberg bei Werra (im Jahr 2006): Salzbelastung verringern
DPA

K+S-Abraumberg bei Werra (im Jahr 2006): Salzbelastung verringern


Frankfurt am Main - Der Düngemittelkonzern K+S hat sich mit dem Land Hessen auf den Umgang mit seinen salzigen Abwässern geeinigt. Das Unternehmen sagte den Bau einer rund 140 Kilometer langen Pipeline zu, durch die ab 2021 Abwässer vom nordhessischen Bergbaurevier bis in die Oberweser gepumpt werden sollen. So soll eine zu starke Salzbelastung des Flusses Werra verhindert werden. Langfristig sollen die Salzwasser-Einleitungen in Werra und Weser bis zum Jahr 2075 schrittweise beendet werden.

Zusätzlich zu der Pipeline errichtet der Dax-Konzern eine weitere Reinigungsanlage. Insgesamt kosten K+S die Maßnahmen rund 400 Millionen Euro, teilten das Unternehmen und die hessische Landesregierung mit. Zuvor hatte sich eine Pipeline bis zur Nordsee als nicht praktikabel erwiesen.

"Ich glaube, dass es eine gute Gesamtlösung ist", sagte Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Auch K+S-Chef Norbert Steiner lobte die Einigung, obwohl er sich zuvor stets gegen eine Pipeline ausgesprochen hatte.

Allerdings hatten die Grünen, die seit diesem Jahr gemeinsam mit der CDU in Hessen regieren, im Koalitionsvertrag angekündigt, die enorme Belastung des Grundwassers und der Werra dauerhaft beenden zu wollen. Experten zufolge hätte K+S im äußersten Fall die Produktion einstellen müssen, falls die Landesregierung hart geblieben wäre. Auch die EU verlangt in ihrer Wasserrahmenrichtlinie, dass alle europäischen Gewässer bis 2015 in "gutem Zustand" sein müssen - im Fall der Werra müssten die Einleitungen durch K+S drastisch sinken.

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Umweltschutz: Düngemittelhersteller versalzt Flüsse
Doch auch die Landesregierung machte Zugeständnisse. So darf K+S noch bis 2021 Abwässer in den Boden pumpen. Die bisherige Genehmigung läuft bis November 2015. Auch in die Werra wird K+S weiter Salzwasser einleiten, allerdings weniger als bisher. In Werra und Weser werde so wieder Süßwasserqualität hergestellt, sagte die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne).

Kritik kam von der Linken. "Eine weitere Versenkung bis 2021 bedeutet die weitere Versalzung des Werra-Tals und eine massive Beeinträchtigung des Grundwassers der gesamten Region", sagte Umweltpolitiker Tilo Kummer.

Die Werra durchfließt auch den Südwesten Thüringens. Dessen Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) unterstützte die Vereinbarung grundsätzlich. Kritisch sehe er jedoch die Verlängerung der Versenkung bis Ende 2021. Zudem erwarte er, dass der Vier-Stufen-Plan mit der Flussgebietsgemeinschaft Weser abgestimmt werde.

Bisher hatte das zuständige Regierungspräsidium Kassel K+S stets erlaubt, salzige Abwässer zu versenken und in die Werra einzuleiten. Dabei befand sich die Behörde in einem Interessenkonflikt. Denn das Unternehmen beschäftigt in seinem Werk Werra mehr als 4000 Menschen, weitere 3000 Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region hängen nach Firmenangaben von dem Standort ab.

fdi/Reuters/dpa

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wahe 29.09.2014
1. dann
geht es halt erst in der Oberweser mit der Versalzung los, wem ist damit geholfen ? Der Weser sicherlich nicht! Echte Hilfe wäre die Pipeline bis in die Nordsee !Tja, für die Konzerne darf es halt nicht zu viel kosten, für den Steuerzahler ist es egal was es kostet, für die Politiker erst recht nicht, die sind ja rentenmäßig über den Steuerzahler abgesichert und für nichts verantwortlich, was Schadensersatzansprüche und strafrechtliche Ansprüche beträfe.
dunkelpeter 29.09.2014
2. Wo endet die Pipeline?
Direkt unterhalb von Bad Karlshafen? Bad Karlshafen ist Hessisch, darunter (z.B. Hessisch Oldendorf) interessiert ja keinen in Hessen mehr. Ich erinnere mich noch an meine Jugend (vor der Wende), wie salzig die Weser damals war und wie häufig sie kurz vor dem Umkippen war. Das war damals zum Guten Teil das Salz aus der DDR, ...
ollimorp 29.09.2014
3. 2 Dinge stören mich
1. was ist in den Abwässern noch enthalten? 2. welcher Narr winkt einen Stufenplan bis 2075 durch? Allein dass man sich durch diese Jahreszahl von jeglicher Verantwortung drücken kann, stimmt mich misstrauisch. Ich glaube ich kann mir Punkt 1 somit wohl selbst beantworten
jullek 30.09.2014
4.
Warum kann man nicht drei bis vier Tankzugkolonnen am Tag zur Nordsee schicken oder mit Hilfe der Binnenseeschiffart das Salzwasser zur Nordsee transportieren. Ein bisschen Salzwasser kann man ja einleiten aber der Großteil sollte über anderem Wege abtransportiert werden.
railen 30.09.2014
5. K+S Brunnenvergifter und Grüne Hand in Hand
Da bleibt mir das Frühstücksbrot im Halse stecken! Da finanziert die hessische Landesregierung jahrelang den "Runden Tisch" zur Versalzungsproblematik, um dann alle Beschlüsse von dort mal eben über den Haufen zu fegen. Eine Grüne (!) Umweltministerin paktiert mit einer AG, die nicht mal versucht hat, die existierenden Gutachten zur rückstandsfreien Produktion anzudenken. Ergebnis: weitere 60 Jahre Gifteinleitung in Werra und Weser genehmigt - Glückwunsch Frau Umweltministerin Priska Hinz (pressestelle@umwelt.hessen.de) Ein Skandal !
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