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Wertpapiere: Luxemburgs Notenbank beichtet Panne

Von Matthias Brendel

Nutzen Banken den Umweg über Luxemburg, um fragwürdige Sicherheiten bei der EZB zu hinterlegen? Das Brisante: Die Luxemburger Notenbank bewertet Tausende Papiere, die in Frankfurt am Main gegen frisches Geld eingetauscht werden können. Die Verantwortlichen im Großherzogtum räumen nun Fehler ein.

Hamburg - Die Luxemburger Notenbank hat bei der Bewertung von portugiesischen Bankpapieren Fehler eingeräumt, nachdem sie diese zuvor lange bestritten hatte. Gegen solche Sicherheiten bekommen die Banken Frischgeld von der Europäischen Zentralbank (EZB). Für die Zukunft seien solche Fehler jedoch auszuschließen: "In den Fällen, in denen es Optimierungsbedarf bei den Abläufen gab, haben wir die erforderlichen Schritte auf den Weg gebracht", erklärte die Banque centrale du Luxembourg (BCL) in einer Stellungnahme SPIEGEL ONLINE.

Hintergrund waren SPIEGEL-Informationen von Ende September. Unter der Überschrift "Schlupfloch Luxemburg" hatte der SPIEGEL berichtet, dass es "die Notenbank dieses Euro-Landes ... mit der Bewertung der eingereichten Sicherheiten offenbar nicht so genau" nehme. Insgesamt 63 fragwürdige portugiesische Papiere im Nominalwert von zwei Milliarden Euro seien von den Luxemburgern als notenbankfähige Sicherheiten zugelassen worden, sie hätten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen frisches Geld eingetauscht werden können. 51 dieser Anleihen im Wert von insgesamt einer Milliarde Euro stammten dabei aus einem Emissionsprogramm der portugiesischen Banco Santander Totta, die übrigen von anderen portugiesischen Geldinstituten.

Die Notenbank hatte darauf in einer Presseerklärung mitgeteilt: "Die Behauptung des 'SPIEGEL', die BCL nehme es mit der Bewertung von eingereichten Sicherheiten nicht genau, ist falsch. Die in dem Artikel erwähnten 63 Wertpapiere portugiesischer Banken sind im völligen Einklang mit den Regeln des Euro-Systems als 'sicherheitenfähig' eingestuft worden. Dies ist auch ausdrücklich von der EZB bestätigt worden."

Tatsächlich hatte die EZB jedoch mitgeteilt, für die betroffenen Papiere der Banco Santander Totta "sei eine Reklassifizierung bis jetzt nicht auszuschließen". Die übrigen elf Papiere im Wert einer weiteren Milliarde Euro waren zu diesem Zeitpunkt von der Liste EZB-fähiger Sicherheiten gelöscht, eine weitere stillschweigend im Wert herabgestuft worden.

Karteileiche im Wert von fünf Millionen Euro

Der Zeitung "Luxemburger Wort" hatte die Notenbank auf Nachfrage mitgeteilt, dass "es vereinzelt zu Verzögerungen bei der Aktualisierung der Wertpapierlisten gekommen ist". Inzwischen würden "die entsprechenden Daten aber auf Tagesbasis bezogen, um die Qualität der Listen notenbankfähiger Wertpapiere weiter zu erhöhen".

Wenn diese Information stimmt, hätten die Luxemburger jahrelang gegen das EZB-Regelwerk verstoßen, das eine Aktualisierung der Sicherheiten auf Tagesbasis vorschreibt.

Auch waren etliche der Sicherheiten von der BCL nicht über kurze Zeit, sondern monatelang fälschlich als EZB-fähig geführt worden, eine Karteileiche im Wert von fünf Millionen Euro sogar über zweieinhalb Jahre.

Das Brisante daran: Die kleine Luxemburger Notenbank ist nach eigenen Angaben für die Bewertung von 9000 der insgesamt rund 29.000 Bankpapiere zuständig, die bei der EZB gegen frisches Geld eingetauscht werden können und die Banken darum auch untereinander für Geldgeschäfte verwenden. Nur die deutsche Bundesbank bewertet mit rund 11.500 Bankpapieren noch mehr EZB-fähige Sicherheiten.

Datenanbieter räumt Fehler ein

Beide Notenbanken sowie die irische Zentralbank verlassen sich bei der Einstufung der Bankpapiere auf einen externen Datenanbieter, WM Datenservice mit Sitz in Frankfurt am Main. WM Datenservice gehört über eine Beteiligungsgesellschaft zu 50 Prozent zwölf Banken, darunter Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, das Bankhaus B. Metzler und die Credit Suisse First Boston.

Der Datenanbieter musste bereits im Frühjahr einräumen, eine Reihe von Papieren der Hypo-Real-Estate-Tochter depfa plc über viele Monate zu hoch bewertet zu haben, worauf diese von der Bundesbank, der BCL sowie der irischen Zentralbank in der Bewertung herabgestuft werden mussten. Als Grund für die fehlerhafte Bewertung nannte WM Datenservice damals "die neue, fachlich überraschende und uns nicht kommunizierte Praxis von Rating-Agenturen, für gleiche Sachverhalte unterschiedliche Rating-Informationen zu veröffentlichen".

Eine ähnliche Begründung gibt es nun wieder, allerdings von Seiten der BCL: "Wenn es zu Verzögerungen bei den Aktualisierungen kam, muss das nicht zwangsläufig am Datenanbieter gelegen haben, sondern kann im Prinzip auf eine Verzögerung bei einer Rating-Agentur zurückzuführen sein", erklärt die Luxemburger Notenbank und lässt wissen: "Für uns ist entscheidend, dass derartige Verzögerungen nicht mehr eintreten."

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1. o.K.
copperfish 25.12.2011
Zitat von sysopNutzen Banken den Umweg über Luxemburg, um fragwürdige Sicherheiten bei der*EZB zu hinterlegen? Das Brisante: Die Luxemburger Notenbank bewertet Tausende Papiere, die in Frankfurt gegen frisches Geld eingetauscht werden können. Die Verantwortlichen im Großherzogtum räumen nun Fehler ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,799986,00.html
Das ist offensichtlich "organisierte Kriminalität". Aber wer wird dafür auch nur angeklagt, geschweige denn verurteilt werden? Ich wette niemand. Und die EZB-Verluste übernimmt wieder mal der tumbe Steuerzahler.
2.
kdshp 25.12.2011
Zitat von sysopNutzen Banken den Umweg über Luxemburg, um fragwürdige Sicherheiten bei der*EZB zu hinterlegen? Das Brisante: Die Luxemburger Notenbank bewertet Tausende Papiere, die in Frankfurt gegen frisches Geld eingetauscht werden können. Die Verantwortlichen im Großherzogtum räumen nun Fehler ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,799986,00.html
Hallo, war was anderes zu erwarten?!
3. Organisierte Kriminalität
sugar1 25.12.2011
Zitat von copperfishDas ist offensichtlich "organisierte Kriminalität". Aber wer wird dafür auch nur angeklagt, geschweige denn verurteilt werden? Ich wette niemand. Und die EZB-Verluste übernimmt wieder mal der tumbe Steuerzahler.
Natürlich wird da keiner verklagt, warum auch? Die Oberen Trichet, van Rompay und wie die Gauner auch alle heissen sorgen so für die "geheimnissvolle" Kapitalflucht. Ja, wer hat wohl all die Milliarden^^.?
4. Das Foto ist ja schon mal falsch
ecoco@zeechen.lu 25.12.2011
Zitat von sysopNutzen Banken den Umweg über Luxemburg, um fragwürdige Sicherheiten bei der*EZB zu hinterlegen? Das Brisante: Die Luxemburger Notenbank bewertet Tausende Papiere, die in Frankfurt gegen frisches Geld eingetauscht werden können. Die Verantwortlichen im Großherzogtum räumen nun Fehler ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,799986,00.html
Bei der auf dem Bild gezeigten Bank handelt es sich um die "Banque de Luxembourg", eine Privatbank. Und nicht, wie in der Bilderzeile angegeben, um die Zentralbank: "Banque Centrale de Luxembourg". Jetzt können wir nur hoffen, dass der Rest des Artikels nicht genau so schlampig recherchiert wurde ... Aus journalistischer Sicht ist das hier ja schon mal ein Schuss in den Ofen, selbst wenn der Inhalt des Artikels stimmen sollte oder könnte.
5. Warum
kafka01 25.12.2011
Zitat von copperfishDas ist offensichtlich "organisierte Kriminalität". Aber wer wird dafür auch nur angeklagt, geschweige denn verurteilt werden? Ich wette niemand. Und die EZB-Verluste übernimmt wieder mal der tumbe Steuerzahler.
setzen wir nicht einfach alle Banker auf die Straße und bieten kriminellen Organisationen wie der Mafia an, unser Banksystem zu leiten. Die können das bestimmt genauso gut und hätten nichts gegen das risikofreie Return on Investment vergleichen zu ihren bisherigen Aktivitäten. Damit würden wir zumindest ein Problem lösen - denn Drogenhandel, Menschenschmuggel und Prostitution hätten sie dann nicht mehr nötig - dafür hätten sie ja schließlich Banking!
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Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Schuldenkrise

Wie Rating-Agenturen arbeiten
Die Agenturen
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements. Die weltweit einflussreichsten Rating-Agenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch .
Bedeutung des Ratings
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.
Die Einstufung
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt beispielsweise bei Standard & Poor's und Fitch mit der Bestnote AAA (Englisch: "Triple A"). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch "Ramsch" (englisch: "Junk") genannt wird. Die Skala reicht bis D - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.
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Die drei Rating-Riesen
Standard & Poor's
Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's . Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service , die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch Ratings
1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings . Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.

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