Chef der Lokführer-Gewerkschaft Weselsky beklagt "Pogrom-Stimmung gegen die GDL"

Claus Weselsky sorgt erneut mit einem drastischen Vergleich für Aufsehen. Der Chef der Lokführergewerkschaft beklagt im "Kölner Express", dass "von interessierter Seite eine Pogrom-Stimmung gegen die GDL" erzeugt werde.

GDL-Chef Weselsky: "Unterhalb der Gürtellinie"
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GDL-Chef Weselsky: "Unterhalb der Gürtellinie"


Berlin/Hamburg - Claus Weselsky ist ein Poltergeist. Ob er mit politisch unkorrekten Äußerungen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und ihrer Sache schaden könnte, scheint ihn wenig zu sorgen. In einem Interview mit dem "Kölner Express" vergreift sich der GDL-Chef jedenfalls zum wiederholten Male im Ton.

Zu Berichterstattungen zu seinem Privatleben sagte Weselsky laut "Kölner Express": "Es geht gar nicht um mich, aber in der Öffentlichkeit wurde gezielt von interessierter Seite eine Pogrom-Stimmung gegen die GDL und ihre Mitglieder erzeugt."

Den Umgang mancher Medien mit seinen persönlichen Informationen will Weselsky dennoch nicht unkommentiert lassen: "Die Veröffentlichung von Fotos meiner Privatwohnung, die unglaublichen persönlichen Verunglimpfungen durch einige Medien zeigen doch, dass es schon längst nicht mehr um die Sache geht, sondern nur um Angriffe unterhalb der Gürtellinie", befindet Weselsky. "Das bin ich nicht bereit hinzunehmen." Weil er seine Privatsphäre bedroht sah, hatte Weselsky Anfang November sogar die Polizei verständigt.

Bereits im August hatte Weselsky mit seinem lauten Gepolter für Empörung gesorgt. Auf einem Aktionstag seiner Organisation hatte er gesagt: "Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus." Daraufhin hagelte es Kritik, Weselsky wurde der Diskriminierung von behinderten Menschen bezichtigt und sah sich genötigt, sich öffentlich zu entschuldigen. Was er mit seinem Wortspiel habe ausdrücken wollen, erläuterte er so: "Wenn sich zwei schwache Gewerkschaften zusammenschließen, wird noch lange keine starke Interessenvertretung daraus."

Auch die Geschichtsklitterung in Weselskys Zitat zur "Pogromstimmung gegen die GDL" verlangt nun nach einer Stellungnahme. Der Arbeitskampf der Gewerkschaft gerät durch das Aufsehen, das ihr Chef mit seinen unbedachten Worten erzeugt, jedenfalls gehörig in den Hintergrund.

Bahn will mit GDL und EVG parallel verhandeln

In dem festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn hat der Konzern derweil parallele Verhandlungen mit den konkurrierenden Gewerkschaften GDL und EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) vorgeschlagen. Die Lokführergewerkschaft bestätigte den Eingang der Einladung. Sie werde nun vom Vorstand geprüft, voraussichtlich am Mittwoch werde es eine Reaktion darauf geben, sagte eine Sprecherin. Die EVG zeigte sich zur Teilnahme an dem Gespräch bereit. Sie knüpfte daran allerdings die Bedingung, das Thema müsse ein einheitlicher Tarifvertrag sein.

Die GDL will für ihre Mitglieder beim gesamten Zugpersonal verhandeln, nicht nur für die Lokführer unter ihnen. Über diesen Punkt waren die Verhandlungen der Bahn mit der GDL bislang nie hinausgekommen.

bos/dpa/AFP

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