Zerschlagung: WestLB baut 1500 Stellen ab

Die Ära der einst stolzen WestLB geht mit einem Millionenverlust und dem Abbau Tausender Jobs zu Ende: Bereits in diesem Jahr sollen 1500 Vollzeitarbeitsplätze wegfallen. Und die geordnete Abwicklung der Landesbank läuft auch nicht wie geplant.

WestLB-Hauptsitz in Düsseldorf: Niedergang der einst stolzen Landesbank Zur Großansicht

WestLB-Hauptsitz in Düsseldorf: Niedergang der einst stolzen Landesbank

Düsseldorf - Tausende Mitarbeiter der WestLB müssen sich infolge der Zerschlagung der Bank einen neuen Job suchen. Die Landesbank beginnt bereits mit dem Stellenabbau. Die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze soll im laufenden Jahr um 1500 auf knapp 2700 reduziert werden. Ende 2016 soll die restliche WestLB, die zu einer Servicegesellschaft wird, nur noch etwa 1000 Arbeitsplätze umfassen, sagte Bankchef Dietrich Voigtländer.

Beim Abbau der 1500 Stellen im laufenden Jahr sei die Übernahme des Sparkassen-Geschäftes durch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zu berücksichtigen. Diese Übernahme sei mit 400 Vollzeitarbeitsplätzen verbunden, sagte Voigtländer. Außerdem hofft der WestLB-Vorstand, dass durch Verkäufe von Bankaktivitäten noch Arbeitsplätze gesichert werden können. Daneben soll es freiwillige Aufhebungsvereinbarungen geben.

Für das laufende Jahr hat der Vorstand betriebsbedingte Kündigungen zwar ausgeschlossen. Für die Folgejahre schließt er dieses Mittel als allerletzte Möglichkeit aber nicht aus.

Die WestLB steht unmittelbar vor ihrer Zerschlagung. Ihre Reste sollen nach der Abwicklung unter dem neuen Namen Portigon Financial Services laufen. Die Begründung für die Namenswahl klang angesichts des drastischen Stellenabbaus zynisch: Der Name symbolisiere einen Ort der Sicherheit, einen sicheren Hafen, kündigte Voigtländer an.

Die Gesellschaft - die bisher den Arbeitstitel SPM-Bank trug - solle künftig komplexe Wertpapier- und Derivate-Portfolios für Kunden aus der Finanzindustrie betreuen, sagte Voigtländer. Sie wickelt heute schon die Schrottpapiere der Bank ab.

48 Millionen Euro Verlust zum Abschied

Die letzten Geschäftszahlen der WestLB fielen schlecht aus. Denn die Kosten des Personalabbaus und Verluste durch Griechenland-Anleihen haben der Landesbank auch in ihrem letzten vollen Geschäftsjahr rote Zahlen beschert. Insgesamt machte die WestLB 2011 unter dem Strich einen Verlust von 48 Millionen Euro. Allein die Sonderbelastungen aus der laufenden Restrukturierung der Bank summierten sich den Angaben zufolge auf 440 Millionen Euro. Hinzu kamen noch Verluste in Höhe von 244 Millionen Euro durch griechische Anleihen aus dem Bestand der Tochtergesellschaft Westimmo.

Die WestLB gehörte zu den größten Landesbanken. Wegen risikoreicher Geschäfte geriet die Bank 2008 bereits vor dem Fall von Lehman Brothers ins Trudeln und musste mit mehreren Milliarden Euro gerettet werden. Da die EU-Kommission zu dem Schluss kam, dass mehr Hilfen geflossen waren als ursprünglich geplant, muss das Institut auf Druck aus Brüssel bis Ende Juni sein Neugeschäft einstellen. Lediglich das Verbundgeschäft mit Sparkassen und öffentlichen Kunden sowie das mittelständische Firmenkundengeschäft mit insgesamt 400 Mitarbeitern sollen dann unter dem Dach der Helaba weitergeführt werden. Alle anderen Aktivitäten, die bis dahin nicht verkauft werden können, sollen in Portigon Financial Services, überführt werden.

Neuwahl in NRW schafft neue Probleme

Doch auch wenige Monate vor dem geplanten Aus läuft die geordnete Abwicklung der Bank nicht wie geplant. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia sagte der "Süddeutschen Zeitung", Vertreter des Landes und der WestLB fürchteten wegen der vorgezogenen Neuwahl in Nordrhein-Westfalen, nicht alle Auflagen der EU fristgemäß erfüllen zu können. "Es war vereinbart, dass das Land Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit dem Transfer von Vermögen der WestLB eine Milliarde Euro an die SPM-Bank zahlt, und zwar bis 30. Juni 2012", sagte er.

Laut der Zeitung ist aber nun unklar, ob dieser Termin wegen der Neuwahl und anschließender Regierungsbildung eingehalten werden kann. "Ich hoffe sehr, dass die neue Regierung als eine der ersten Amtshandlungen das Gesetz beschließt, das die Zahlung ermöglicht", sagte Almunia. "Wenn das nicht klappt, müssen wir uns in Brüssel wieder damit beschäftigen."

mmq/dpa/dapd

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