Teure Kundenpflege der WestLB Spaßreisen für Sparkassenchefs

Eine Tochter der mittlerweile abgewickelten Landesbank WestLB soll Beamte, Sparkassenchefs und Funktionäre von Stadtwerken zu teuren Reisen eingeladen haben. Wie das "Handelsblatt" berichtet, gab die Bank für die sogenannten Kundenevents rund eine halbe Million Euro aus.

US-Stadt Dallas: Spaßreisen für Sparkassenchefs und Beamte
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US-Stadt Dallas: Spaßreisen für Sparkassenchefs und Beamte


Düsseldorf - Eigentlich ist die WestLB seit Juni dieses Jahres Geschichte. Jetzt aber sind pikante Geschichten aus der Landesbank aufgetaucht. Wie das "Handelsblatt" berichtet, hat die einst drittgrößte Bank Deutschlands eine ganze Reihe von wichtigen Personen aus Politik und Wirtschaft zu teuren Reisen eingeladen. Rund eine halbe Million Euro soll ein Tochterunternehmen der Bank in den Jahren 2002 bis 2005 für als "Kundenevents" bezeichnete Spaßtrips ausgegeben haben.

Die Reisen führten unter anderem zu Sportveranstaltungen, etwa nach Dallas zu einem Qualifikationsspiel für den Football Super Bowl (Kostenpunkt pro Person: 5600 Euro) oder nach Madrid zu einem Fußballspiel (1900 Euro). Diese Ausflüge gehörten "noch zu den harmloseren Beispielen", schreibt das "Handelsblatt" unter Berufung auf mit der Sache vertrauten Personen. Als die Veranstaltungen bei einer Betriebsprüfung im Jahr 2010 auffielen, kamen interne Gutachter zu dem Ergebnis, dass möglicherweise "Aufwendungen im Zusammenhang mit Korruptionsstraftaten geleistet" wurden.

Die Gutachter erkennen "nach intensiver Durchsicht der Akten ein sehr hohes Risiko", dass möglicherweise Vorteilsgewährungen an Würdenträger vorliegen, schreibt das Blatt. Sie weisen darauf hin, dass ein solches Verhalten strafbar sei. Die WestLB-Tochter war laut "Handelsblatt" damals dafür da, Geld von 500 institutionellen Kunden wie Stadtwerken, Sparkassen, Bürgermeistern und Regierungsbehörden gewinnbringend anzulegen. Offenbar wurden die Kunden mit ebenjenen Reisen und Events umgarnt.

Im Jahr 2006 war die Bank of New York Mellon bei der betroffenen Landesbanktochter eingestiegen. Und Mellon setzte dem Treiben offenbar ein Ende. Dem "Handelsblatt" zufolge störte sich die Konzernbetriebsprüferin daran, dass die Banktochter die Spaßreisen als Betriebsausgaben vom Gewinn abzog. Eine Anwaltskanzlei wurde beauftragt, die Vorfälle strafrechtlich zu prüfen.

Wie die Zeitung weiter schreibt, seien die Anwälte zu dem Ergebnis gekommen, dass es verboten sei, Betriebsausgaben geltend zu machen, wenn "Aufwendungen im Zusammenhang mit Korruptionsstraftaten geleistet wurden". Sie rieten stattdessen, die Reisen als "Geschenk" zu klassifizieren. Dann seien sie zwar immer noch nicht voll von der Steuer absetzbar, aber der Bank drohten wenigstens keine Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Die US-Bank BNY Mellon wollte sich zu den "damaligen Vorgängen" bei der WestLB-Tochter auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern.

nck



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Airkraft 23.11.2012
1. Spaßreisen?
Auch nach Budapest?
Glienicker 23.11.2012
2. optional
.... da sage keiner, man solle Banken verstaatlichen. Die WestLB war letztlich im öffentlichen Besitz und hat genau so wie andere Verbotenes und Zweifelhaftes gemacht.
jetlag chinaski 23.11.2012
3. würdenträger?
ich bin linksträger, würdenträger.... dass ich nicht lache....
spon-facebook-10000085205 23.11.2012
4. wußten die Aufsichtsratsmitglieder von den Events?
schliesslich schreibt das Handelsblatt, dass damals Steinbrück im Aufsichtsrat war ... siehe auch die Kurruptionsfälle bei VW ... SPD Aufsichtsräte
siebke 23.11.2012
5. Neu??
"Korruption" ist doch nichts Neues.......immer seine VIP-Kunden gut behandeln......sehen wir doch schon seit Jahren!!
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