Wettbewerbsbericht Deutschland ist Innovationsweltmeister

Die Deutschen jammern über Groko, Reformstau und eine mangelhafte digitale Infrastruktur. Doch das Weltwirtschaftsforum hält das Land für wettbewerbsfähiger als alle anderen in Europa. Besonders eine Note überrascht.

Roboter Josie Pepper am Flughafen in München
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Roboter Josie Pepper am Flughafen in München

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Kein Land der Welt ist so innovativ wie Deutschland. Zu diesem Schluss kommt das Weltwirtschaftsforum (WEF) in seiner jährlichen Studie zur Wettbewerbsfähigkeit. Gemessen an zehn verschiedenen Kriterien biete das Land die besten Voraussetzungen, um innovative Prozesse von der Idee bis zur Vermarktung zu bewältigen. Nur etwas schlechter schneiden in dem Punkt die USA und die Schweiz ab.

Das Ergebnis steht in Kontrast zu der hierzulande verbreiteten Kritik, die Deutschen seien zwar große Erfinder, verstünden es aber nicht, ihre Ideen in erfolgreiche Produkte und Firmen umzusetzen. Auch der Mangel an Risikokapital und der langsame Ausbau mit schnellen Datenleitungen (5G) wird oft beklagt.

Das WEF lobt jedoch beispielsweise starke Forschungsinstitute, erfolgreiche Cluster - auf bestimmte Technologien spezialisierte Netzwerke von Firmen und Forschungseinrichtungen - sowie die gute Zusammenarbeit verschiedener "stakeholder", also beispielsweise die betriebliche Mitbestimmung. Führend ist Deutschland außer bei der Innovationskraft nach Einschätzung des WEF mit Blick auf die volkswirtschaftliche Stabilität. Das ist vor allem der niedrigen Inflation und den soliden Staatsfinanzen zu verdanken.

Insgesamt liegt Deutschland im Wettbewerbsranking auf Platz drei, hinter den USA und Singapur. Das Weltwirtschaftsforum sieht Amerika trotz der protektionistischen Handelspolitik und Mängeln im Sozialsystem ganz vorne. Kein anderes Land sei unternehmerisch so dynamisch und verfüge über so ein leistungsfähiges Finanzsystem. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt China liegt weit abgeschlagen auf Platz 28. Ganz hinten finden sich vor allem afrikanische Staaten.

Das WEF untersucht für die Rangliste 140 Industriestaaten, Schwellen- und Entwicklungsländer anhand von 98 Indikatoren, die sie zu zwölf für die Wettbewerbsfähigkeit ausschlaggebenden Faktoren bündelt. In diesem Jahr hatte das WEF die Methodik geändert, um besser abzubilden, wie die Länder für den digitalen Wandel gewappnet sind. "Die vierte industrielle Revolution verändert die Wettbewerbslandschaft dramatisch", heißt es in dem Bericht.

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Viele Faktoren, die in diesem neuen Umfeld entscheidend seien, hätten in der Vergangenheit keine Rolle für politische Entscheidungen gespielt, etwa Ideenfindung, unternehmerische Kultur, gesellschaftliche Offenheit und Beweglichkeit.

"Ich erwarte eine neue Spaltung der Welt in Länder, die diesen innovativen Wandel verstehen, und solchen, die ihn nicht verstehen", sagte Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums. Das WEF plädiere für offene Märkte, zugleich müssten jedoch mögliche Verlierer der Globalisierung geschützt werden. Umverteilung und soziale Sicherungssysteme stünden nicht im Widerspruch zu höherer Wettbewerbsfähigkeit.

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H.M 17.10.2018
1.
Das ist ja schon ne klasse Sache und die Regierung und Wirtschaft wird das rauf und runter jodeln, aber im alltäglichen Leben ist es doch leider einfach Digitalisierungs-Wüste Deutschland. Daran muss etwas getan werden (und wird ja auch schon)... aber es geschieht alles so langsam.... ?
willibaldus 17.10.2018
2.
Interessant. ich hatte eher Nachteile bei Risikokapital und Unternehmerische Begleitung von Startups erwartet. Die Kompetenzzentren und breite HighQuality im Mittelstand hatte ich als Plus schon erwartet.
Zoroaster1981 17.10.2018
3.
Ich habe mir mal das Dokument des WEF angesehen. Das ist natürlich alles Äpfel mit Birnen. Zudem kann man Stadtstaaten nicht mit ganzen Ländern vergleichen und in großen Ländern gibt es auch starke Gefälle bzw. Zentren mit abweichender Wettbewerbsfähigkeit. Von daher ist die Aussagekraft einer Zusammenfassung sehr gering. Interessanter wird es, wenn man sich die Details ansieht: Bspw. den Punkt "cost of starting a business". Da sind wir auf Rang 41. Noch schlimmer "time to start a business" mit Rang 66. So, und bei den offensichtlichen Auflagen, die zu so einer Bewertung wohl führen, tröstet es einen Neuunternehmer wohl wenig, wenn wir in "Insolvency regulatory framework" den ersten Platz belegen und dessen spätere Insolvenzabwicklung damit wenigstens gut verläuft.
varphi 17.10.2018
4. Ist D denn auch führend
Bei relevanten Innovation (IT, E-Mobilität)? Wie es mit der Verbreitung von Innovation aus? Einen teuren Protoypen der wie den BMW i3 kann jeder vorstellen. Hier stehen wie aber schlechter da als zb Japan. Bei den wesentlichen, sichtbaren Innovationen sehe ich uns nämlich nicht vorne. Vielleicht sehr stark eher vom Mittelstand getrieben.
dasfred 17.10.2018
5. Klingt ja eigentlich recht beruhigend
Aber wie immer, bei solchen Nachrichten, sind die Ergebnisse natürlich interessengeleitet. Jeder, der etwas verkaufen will, stellt sich die Zahlen und Bezugsgrößen nach seinen Bedürfnissen zusammen. Auch wenn Deutschland super innovativ ist, was davon kommt in Hamburg Billstedt, Berlin Neukölln, München Hasenbergl oder Duisburg Marxloh an? Wo Geld war, ist immer noch was dazu gekommen und der Rest bleibt angehängt. Auch, und gerade, weil zu Innovationen die entsprechende Bildung nötig ist und diese findet eben nicht überall in Deutschland statt. Die gehobenen Stände sehen weiter einer rosigen Zukunft entgegen, der Rest überlebt irgendwie. Wichtiger wäre es für Deutschland und eine stabile Demokratie, dass wir nicht nur Elfenbein Türme der Wissenschaft und Cluster bilden, sondern uns bemühen, alle, je nach Fähigkeiten und Fertigkeiten mit einzubeziehen. Diese müssen schon in jüngsten Jahren flächendeckend entwickelt werden, nicht nur dort, wo engagierte Bildungsbürger dahinter stehen.
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