Platz fünf im weltweiten Vergleich Deutschland fällt bei Wettbewerbsfähigkeit zurück

Die USA machen einen Sprung nach vorne, Deutschland rutscht ab: Das Weltwirtschaftsforum hat sein Ranking zu den wettbewerbsfähigsten Staaten veröffentlicht. Bei der Bundesrepublik gibt es vor allem Bedenken zum Arbeitsmarkt.

Deutsche und spanischer Azubi bei Bosch: Mehr Ausländer auf Arbeitsmarkt integrieren
DPA

Deutsche und spanischer Azubi bei Bosch: Mehr Ausländer auf Arbeitsmarkt integrieren


Genf - Noch vor einem Jahr hatte sich Deutschland um zwei Plätze vorgearbeitet, doch nun ist die Bundesrepublik im Ranking zur Wettbewerbsfähigkeit wieder zurückgefallen. Sie landet auf Platz fünf der Liste des Weltwirtschaftsforums (WEF). Als das konkurrenzfähigste Land der Welt weist die Studie - bereits zum sechsten Mal hintereinander - die Schweiz aus, gefolgt von Singapur. Die USA verbesserten sich um zwei Plätze auf Rang drei. Finnland verlor eine Position und landete als wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Eurozone auf Rang vier.

Die leichte Abstufung Deutschlands hängt dem WEF zufolge vor allem mit Sorgen um den Arbeitsmarkt zusammen. Deutschland müsse sich mehr bemühen, Ausländer und Frauen dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren, um der Alterung der Gesellschaft zu begegnen, hieß es. Zudem müsse beobachtet werden, inwiefern die Einführung des Mindestlohns die Flexibilität des Arbeitsmarkts beeinflussen werde, sagte die WEF-Deutschlandexpertin Caroline Galvan.

Auch dem Spitzenreiter Schweiz wurden Probleme auf dem Jobmarkt bescheinigt. Eine Gefahr für den Standort sehen die Autoren in wachsenden Schwierigkeiten der Schweizer Unternehmen, qualifiziertes Personal zu finden.

In den USA sehen die Autoren der Studie Verbesserungen auf breiter Front. So verweisen sie auf die höhere Innovationsfähigkeit der Unternehmen, das hohe Niveau der Hochschulen und den flexiblen Arbeitsmarkt.

Europäische Krisenländer holen auf

Auch in den Krisenländern Europas geht es nach Einschätzung des WEF aufwärts. Portugal arbeitete sich mit seinem ambitionierten Reformprogramm um 15 Positionen auf Rang 36 hoch. Griechenland, das allerdings bis in den Bereich armer Entwicklungsländer abgerutscht war, konnte immerhin um zehn Plätze auf Rang 81 klettern. Trotz der Fortschritte gebe es aber in beiden Ländern immer noch erhebliche Probleme, warnte der WEF.

Die Ökonomen mahnten, die Umsetzung struktureller Reformen sei entscheidend, um eine neue Krise der Weltwirtschaft zu vermeiden. "Die Grenze der Wettbewerbsfähigkeit in Europa wird künftig nicht mehr zwischen Nord und Süd verlaufen, sondern zwischen denen, die nötige Reformen umsetzen, und denen, die das nicht tun", sagte der Mitautor der Studie, Beñat Bilbao-Osorio.

China verbesserte sich im Ranking um einen Platz und wurde auf Rang 28 verzeichnet. Andere Schwellenländer, unter ihnen die Türkei, Südafrika und Brasilien, fielen dagegen zurück.

Die Experten des Weltwirtschaftsforums warnten auch vor den Folgen des Ukraine-Konflikts. "Mögliche weitere Sanktionen gegen Russland würden wegen der Größe und Bedeutung der russischen Volkswirtschaft nicht nur Auswirkungen auf die russische Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch für die Wirtschaftspartner Russlands haben", sagte WEF-Experte Bilbao-Osorio.

Die Experten des Weltwirtschaftsforums untersuchten ein Dutzend Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft bestimmen. Dazu gehören die Qualität der Institutionen, Infrastruktur, Gesundheitssystem, Bildungswesen, Marktgröße und das makroökonomische Umfeld. Außerdem wurden Wirtschaftslenker nach Effizienz und Transparenz der Regierung befragt.

Wettbewerbsfähigkeit 2014/15

Rang Land
Punktwert (1-7)
Rang im Vorjahr
1 Schweiz 5.70 1
2 Singapur 5.65 2
3 USA 5.54 5
4 Finnland 5.50 3
5 Deutschland 5.49 4
6 Japan 5.47 9
7 Hong Kong SAR 5.46 7
8 Niederlande 5.45 8
9 Großbritannien 5.41 10
10 Schweden 5.41 6
... ... ... ...
135 Burkina Faso 3.21 140
136 Osttimor 3.17 138
137 Haiti 3.14 143
138 Sierra Leone 3.10 144
139 Burundi 3.09 146
140 Angola 3.04 142
141 Mauretanien 3.00 141
142 Jemen 2.96 145
143 Tschad 2.85 148
144 Guinea 2.79 147

Quelle: Global Competitiveness Index / World Economic Forum
2013/14 - 148 bewertete Staaten
2014/15 - 144 bewertete Staaten

mmq/dpa/Reuters



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insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
donrealo 03.09.2014
1. Politisch motivierte Propaganda
sonst nichts. Erinnert ein weinig an das (ebenfalls politisch gesteuerte) Ranking durch die 3 großen US Rankingagenturen. Wodurch bitteschön sollen sich unsere Besatzer um 2 Stufen verbessert haben. Die können doch außer Sub-Prime Finanzderivate und Kriegsspielzeugs keinerlei Exportartikel produzieren. Siehe Außenhandelsdefizit, die USA haben das zahlenmäßig höchste auf diesem Planeten
berndasbrot 03.09.2014
2. Die Lösung ist doch wie immer ganz einfach...
.....wir müssen alle noch länger und härter arbeiten, bei geringerer Bezahlung und höheren Abgaben. Gleichzeitig müssen die öffentlichen Ausgaben (Strassen, Schwimmbäder, Polizei) noch weiter runtergefahren werden. Das Renteneintrittsalter rauf auf 72, flächendeckend Tempo 80 auf der Autobahn, alle elektrischen Geräte über 100W verbieten und 5 veggie days pro Woche, zwangsweiser Besuche von Ganztags-Kita und Ganztags-Schule mit brainwashing, verpflichtende Einführung des Binnen-i und eine Frauenquote von mind. 50% in allen Positionen. So, Rundumschlag beendet, jetzt gehts mir besser ;-) Auf, an die Arbeit.
klaus meucht 03.09.2014
3. Keine Aussagekraft
Lasst diese Rankings einfach weg. Es gewinnt der Staat der der Ideologie der Autoren am besten entspricht. Andere Autoren, und das Ergebnis würde anders ausschauen. Welche Kriterien wie stark in das Ergebnis einfliessen ist reine Ideologie. Ausserdem ist es nicht die Aufgabe der Staaten die anderen Staaten niederzukonkurrieren. Wir haben z.B den Wettbewerb gegen Griechenland und Spanien gewonnen. Dafür gibt es aber keine Goldmedaille sondern Rettungsschirme. Wir müssen anderen Staaten Geld geben, damit sie unsere Produkte kaufen. Im Stillen freut es mich aber dass ein Hochlohnland wie die Schweiz führt. Auch wenn es keine Aussagekraft hat.
echobravo 03.09.2014
4. Wettbewerb
Oh jetzt aber schnell! Leiharbeit und Werkverträge schnell flexibilisieren, um das zarte Pflänzchen "Aufschwung" nicht zu zerbrechen!
aktivist1000 03.09.2014
5. Banken
USA hat reihenweise Visionäre und junge Gründer und Manager, die ihre Ideen auch umsetzen: Platz 1. Schweiz und Singapur glänzen besonders durch Bankenviertel. D ist so mittendrin, toller gehobener Mittelstand, aber schlechte Infrastruktur: der Zustand von Bahn, Strassen, Telekommunikation, Bildung- und Gesundheitssystem
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