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Wettbewerbsverfahren: EU knöpft sich Google vor

Google bekommt Ärger mit Europas Wettbewerbswächtern: Die EU-Kommission leitet ein Verfahren gegen den Internetkonzern ein. Sie wird untersuchen, ob der IT-Riese seine marktbeherrschende Stellung missbraucht hat - und bekommt dafür Einblick in dessen geheimen Such-Algorithmus.

Google-Logo: Ärger wegen Suchmaschinen-Rankings Zur Großansicht
dapd

Google-Logo: Ärger wegen Suchmaschinen-Rankings

Brüssel - Die EU-Kommission leitet ein Wettbewerbsverfahren gegen Google ein. Die EU-Wettbewerbshüter werden untersuchen, ob der Konzern seine marktbeherrschende Stellung bei der Online-Suche missbraucht haben könnte, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Google habe, womöglich vorsätzlich, die Seiten anderer Suchdienste bei Google-Suchen zu weit unten angezeigt.

Sollten die Wettbewerbshüter Belege für diesen Vorwurf finden, droht Google ein hohes Bußgeld. Bei Verstößen gegen das Kartellrecht kann die EU einem Unternehmen eine Geldbuße aufbrummen, die bis zu zehn Prozent seines weltweiten Jahresumsatzes beträgt. Schätzungen zufolge könnte Google im laufenden Jahr bis zu 26 Milliarden Dollar umsetzen.

Google kündigte in einer ersten Stellungnahme an, mit der EU-Kommission kooperieren zu wollen, um etwaige Bedenken auszuräumen. Brisant: Um ihrer Arbeit nachgehen zu können, bekommen die Wettbewerbswächter Einblick Googles geheimen Such-Algorithmus, der bestimmt, welche Web-Seite bei einer Suche als wie relevant eingestuft wird.

Der Konzern wird der Kommission nach eigenen Angaben erläutern, wie der Google-Suche funktioniert. Das Unternehmen betonte, dass der Algorithmus ständig verbessert werde. "Allein 2009 haben wir 585 Änderungen am Algorithmus vorgenommen", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE.

Benachteiligung bei Suchergebnissen?

Drei Konkurrenzunternehmen - die Rechtssuchmaschine Ejustice.fr sowie die Preisvergleichsportale Foundem und Ciao (Microsoft) - hatten Anfang Februar bei der EU-Kommission Beschwerde gegen die Geschäftspraktiken des Suchmaschinen-Riesen eingereicht. Ihr Hauptvorwurf: Der Konzern benachteilige Wettbewerber bei der Anzeige von Suchergebnissen.

Als möglichen Beleg dafür hat das britische Unternehmen umfangreiches Datenmaterial an die EU-Kommission geschickt (siehe Fotostrecke). Aus diesem gehe unter anderem hervor, dass der Konzern bei Produktanfragen die eigenen Services an prominenter Stelle unter die Suchergebnisse mische und damit Konkurrenten den Platz raube, sagte Foundem seinerzeit SPIEGEL ONLINE.

Fotostrecke

11  Bilder
Foundem-Vorwürfe: Manipuliert Google seine Suchmaschine?
Ein anderer Wettbewerber, der Online-Kartendienste MapQuest, musste den Vorwürfen zufolge Einbußen bei Seitenaufrufen hinnehmen, nachdem er in den Suchergebnissen plötzlich hinter Googles eigenem Kartendienst Google Maps auftauchte - selbst dann, wenn Nutzer nach Begriffen wie "mapquest driving directions" gesucht hätten.

Foundem wirft Google zudem vor, die Preise für sogenannte Textanzeigen zeitweise in die Höhe getrieben zu haben. Google zeigt neben Suchergebnissen Werbung in Form von Kurztexten an. Unternehmen können ihre eigene Textanzeige für die Verkoppelung mit einem bestimmten Suchwort vorschlagen und ein Mindestgebot dafür abgeben, was sie für die Verknüpfung zu zahlen bereit sind.

EU-Kommission für hartes Durchgreifen bekannt

In den USA läuft ein ähnliches Verfahren gegen Google. Dort prüft die Generalstaatsanwaltschaft des US-Staates Texas, ob Google bestimmte Web-Seiten bei der Darstellung von Suchergebnissen benachteiligt. Zu den Beschwerdeführern zählen die Unternehmen TradeComet, myTriggers - und, wie in Europa, Foundem.

Foundem-Chefin Shivaun Raff teilte am Dienstagmittag mit, es gebe eine "wachsende Kluft zwischen der öffentlichen Wahrnehmung, Googles Suchergebnisse seien nachvollziehbar und unparteiisch, und der Realität, dass nichts von beidem der Fall ist". "Es wäre definitiv zum Vorteil aller Internetnutzer, wenn Google seine Ranking-Praktiken transparenter machen würde", sagt Raff SPIEGEL ONLINE.

Die EU-Kommission ist für ihr hartes Durchgreifen gegen IT-Riesen bekannt, sie hat mehrfach bewiesen, dass sie das Know-how und die Ressourcen hat, auch Mammutverfahren gegen Konzerne zu gewinnen, deren Jahresumsatz die Wirtschaftsleistung mancher Staaten übersteigt.

Da war der Chip-Riese Intel, dem die EU eine Rekordstrafe von 1,06 Milliarden Euro aufbrummte. Und da war Microsoft, der Software-Gigant, gegen den die EU mehrfach Multimillionenstrafen verhängte - und der sich zuletzt verpflichten musste, in seinem Betriebssystem Windows künftig neben dem Internet Explorer auch Konkurrenz-Browser anzubieten. Im März ging ein entsprechendes Software-Update online.

ssu

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1. Fail
melkor23 30.11.2010
Zitat von sysopGoogle bekommt Ärger mit Europas Wettbewerbswächtern: Die EU-Kommission leitet ein Missbrauchsverfahren gegen den Internet-Konzern*ein. Sie will untersuchen, ob der IT-Riese seine marktbeherrschende Stellung bei der Online-Suche missbraucht hat. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731984,00.html
Wow. Wir dürfen sicherlich wie bei Microsoft ca. 10 Jahre später, also 2020 mit Ende des Verfahrens rechnen. Ergebnis: Google muss auf seiner Startseite andere Suchmaschinen vorschlagen *lol*.
2. Der liebe Gott "sieht alles"
GinaBe 30.11.2010
Ja, es wird halt gelästert und gelistet, jetzt, als Antwort auf all die tragischen Ereignisse durch wikileaks gar ein Google- Mißbrauchsverfahren zusammengeschustert und geschneidert. Das ist ja herzerfrischend. Bitte gebt`s uns Einsicht in das Kartellrecht! Ins Menschenrecht am besten auch. Ob die Würde des menschen in seiner Unversehrtheit nicht längst wegrationalisiert wird. Der freie Markt besitzt alle rechte, solange der Markt nur wächst und die Wirtschaft blüht, wachsende Landschaften versprochen werden, die dadurch entstehen, daß das Unterholz weggerodet wird. Was bleibt, ist einen blühende Monokultur, wobei viele kleine kulturen leider zum Aussterben verurteilt sind, was aber lapidar der Evolution und ihren Naturgesetzen überverantwortet werden kann.
3.
Walter Sobchak 30.11.2010
Uhmm wie bitte? Werden wir alle schon gezwungen bei google zu suchen? Oder kann ich auch zu bing gehen? Anders siehts beim deutschen Strommonopol aus. Da kann ich nur bei den 4 grossen sein oder bei einer deren "sauberen" Tochterfirmen.
4. EU = Mist
Thombor 30.11.2010
Zitat von sysopGoogle bekommt Ärger mit Europas Wettbewerbswächtern: Die EU-Kommission leitet ein Missbrauchsverfahren gegen den Internet-Konzern*ein. Sie will untersuchen, ob der IT-Riese seine marktbeherrschende Stellung bei der Online-Suche missbraucht hat. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731984,00.html
Da kann man nur den Kopf schütteln. Niemand ist gezwungen, die KOSTENLOSEN Dienstleistungen von Google zu nutzen. Es gibt genügend andere (schlechtere) Suchmaschinen. Die EU ist wirklich nur nutze, um Geld von Deutschland an überbezahlte EU-Beamte und verschwenderische Länder umzuverteilen - und zu sonst gar nichts. Diese nichtsnützigen EU-Beamten sollte man mal ordentlich ... verpixeln.
5. wow!
meinungshaber 30.11.2010
Das könnte SEHR spannend werden - vor allem weil im Rahmen eines Verfahrens so einiges über das Geschäftsgebaren der Datenkrake ans Tageslicht kommen könnte. Ganz ohne Google-Bashing: Es ist gut und wichtig, dass sich die Kommission mit einem Dienst befasst, der zweifelsohne massiven Einfluss auf Entscheidungsprozesse in ALLEN Ebenen hat.
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Fotostrecke
Web-Konzern: Alles, was Sie über Google wissen müssen

Marktanteile der Tech-Riesen
Suchmaschinen (Desktop)
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Suchmaschinen (Mobil)
Google 88,35%
Yahoo 6,63%
Baidu 3,34%
Bing 1,08%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Desktop)
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Mobil)
Safari (Apple) 54,03%
Opera Mini 21,42%
Android Browser 12,74%
Symbian 6,89%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Desktop)
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Mobil)
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Webnutzer
Angebot Unique Visitors (Mio.) Ø-Stunden
Webnutzer gesamt 366,8 26,75
Google 333,4 3.,14
Microsoft 270,8 3,22
Facebook 240,0 5,43
Wikimedia 161,3 0,22
Yahoo 141,0 1,23
eBay 107,6 0,99
Amazon 91,4 0,27
Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix

Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.

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