Wetten auf Kursverfall: Zocker attackieren Commerzbank-Aktie

Das Spielcasino ist eröffnet: Spekulanten gehen laut einem Zeitungsbericht Wetten in Milliardenhöhe auf einen Kursverfall der Commerzbank-Aktie ein - mit Hilfe von Leerverkäufen. Ihr Plan könnte aufgehen.

Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main: 17 Prozent aller Aktien leer verkauft Zur Großansicht
dapd

Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main: 17 Prozent aller Aktien leer verkauft

Hamburg - Der Zeitpunkt für die Attacke auf die Commerzbank Chart zeigen ist geschickt gewählt: Kurz vor der geplanten Kapitalerhöhung des staatlich gestützten Geldhauses haben Spekulanten milliardenschwere Wetten auf einen Kursverfall der Bankaktie aufgebaut, schreibt die "Financial Times Deutschland". Sie beruft sich auf Berechnungen des Londoner Finanzdatendienstleisters Dataexplorer.

Das Prinzip von Leerverkäufen ist denkbar einfach: Dabei dreht sich alles um einen sinkenden Aktienkurs. Bei solchen Geschäften leihen sich Anleger Aktien und verkaufen diese dann weiter. Geht ihre Rechnung auf und der Kurs sinkt, können sie die Papiere später zu einem günstigeren Preis zurückkaufen und dann wieder zurückgeben. Die Differenz streichen sie als Gewinn ein.

Derzeit seien rund 17 Prozent aller Commerzbank-Aktien leer verkauft - viermal mehr als noch Anfang Februar, heißt es in dem Bericht. Dies entspreche Papieren im Wert von 1,2 Milliarden Euro sowie rund 70 Prozent aller überhaupt für Wertpapierleihe und Leerverkauf verfügbaren Commerzbank-Aktien. Allerdings stehen nun kaum noch Aktien zur Leihe zur Verfügung - zudem müssen die Spekulanten die Papiere künftig auch wieder zurückkaufen, was die Aktie stützen könnte. Die Commerzbank lehnte laut "FTD" eine Stellungnahme ab.

Aktienbesitz wird verwässert

Das Kalkül der Leerverkäufer könnte aufgehen: Die seit Monaten erwartete und am Mittwoch bekanntgegebene Kapitalerhöhung der Commerzbank wird den Anteilsbesitz der Aktionäre verwässern - was den Kurs deutlich unter Druck setzen könnte. Alleine am Donnerstag gab die Commerzbank-Aktie fast fünf Prozent nach und war schwächster Wert im Leitindex Dax Chart zeigen.

Die zweitgrößte deutsche Bank hatte am Mittwoch eine Kapitalerhöhung über elf Milliarden Euro angekündigt, um einen Großteil ihrer Schulden beim Staat abzubauen. Die Aktienzahl werde durch die Maßnahmen der Commerzbank verdrei- bis verfünffacht, rechnet Dieter Hein, Bankenexperte beim Analysehaus Fairesearch vor. "Vom gleichen Kuchen wollen also viel mehr Aktionäre etwas abhaben."

yes/dpa-AFX

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insgesamt 230 Beiträge
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1. Sollten
rmuekno 08.04.2011
Leerverkäufe nach der Finanzkrise nicht verboten werden. P.S. Wer bitte leiht mir ein neues Auto, das ich dann weiterverkaufe und garantiert in 5 Jahren zum Schrottpreis zurückkaufe. Bitte macht mich zu Millionär.
2. Großkapital schießt sich auf Länder ein
jaar41 08.04.2011
Wie kann es die Politik zulassen, dass sich das Großkapital einzelne Länder vornimmt und sie in die "Insolvenz" treibt. Was haben wir nur für Gesetzgeber?
3. ...
kalle557 08.04.2011
vielleicht ist es auch nur ein selbstreinigungsprozess in der wirtschaft? gesunde und effizient geführte unternehmen kommen erst gar nicht soweit, oder können zumindest bestimmte belastungen des marktes aushalten....
4. Wie lustig.
radiofan 08.04.2011
Zitat von sysopDas Spielcasino ist eröffnet: Spekulanten wetten laut einem Zeitungsbericht auf einen Kursverfall der Commerzbank-Aktie und setzen Milliarden mit Hilfe von Leerverkäufen ein. Ihr*Plan könnte aufgehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,755775,00.html
Das ist ja eine überraschende Nachricht. Da gibt es am Marktgeschehen tatsächlich Akteure, die mit Leerverkäufen Kurse von anderen Marktteilnehmern oder Währungen beeinflussen. Das ist ja mal etwas völlig neues. Jetzt fehlt nur noch, dass die Commerzbank den Staat bittet, solche "unlauteren Machenschaffen" zu reglementieren und die Posse ist perfekt. Der Leser stelle sich jetzt einmal vor, dass Spekulanten und unreglementierte Marktteilnehmer den Kurs der CoBa derart massiv drücken, dass die angekündigte Kapitalerhöhung nicht zu erwarteten Preisen durchführbar ist. Spannende Geschichte, da die CoBa nur ein Zeitfenster bis Mai für die Kapitalerhöhung hat, danach wird es laut Vertrag mit SoFin schwieriger. Gruß, radiofan
5. ich dachte...
fritz_64 08.04.2011
leerverkäufe währen mittlerweile verboten worden...oder sollen verboten werden...oder wir haben mal darüber nachgedacht sie zu verbieten...oder...oder...also auf zur nächsten runde, bin gespannt wann die commerzbank wieder beim bund vorstellig wird, von wegen das wird jetzt doch nichts mit der rückzahlung, im gegenteil wir bräuchten da noch mal so und so viel...
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