Folgen des Dauerregens Deutschlands Watergate

Was für ein Wetter! Es regnet, es ist kalt, die Sonne lässt sich kaum blicken. Das ist nicht nur nervig, sondern hat auch wirtschaftliche Folgen. Welche Branchen leiden unter dem Niederschlag? Eine Übersicht.

Von Martin Motzkau

DPA

Hamburg - Wer in diesen Tagen einen Blick aus dem Fenster wirft, sieht immer wieder das gleiche traurige Bild: Der Himmel ist grau und bedeckt, es regnet mal länger, mal kürzerund die Sonne lässt sich nur selten blicken. Sommerliche Temperaturen? Fehlanzeige!

Es ist einer der regenreichsten Mai-Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Laut vorläufigen Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes fielen in diesem Monat bundesweit durchschnittlich 127 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Die Sonnenscheindauer lag mit 131 Stunden um ein Drittel unter dem üblichen Mai-Durchschnitt. Auch in den kommenden Tagen muss mit Regen gerechnet werden.

Der Deutsche Wetterdienst sprach am Donnerstag eine Unwetterwarnung für Teile Sachsens aus, die den Angaben zufolge im Verlauf des Abends vermutlich auf weitere Gebiete ausgedehnt werden muss. Dabei könnten binnen 24 Stunden unwetterartige Regenmengen von 50 bis 70 Litern je Quadratmeter fallen. Die Regenfälle sollten sich später demnach weiter nach Süddeutschland ausdehnen.

Die trüben Aussichten haben auch wirtschaftliche Folgen, heißt es immer wieder. Doch für wen eigentlich? Auf die Konjunktur insgesamt dürfte das Wetter keine großen Auswirkungen haben. Doch einzelne Branchen leiden durchaus. Eine kleine Übersicht über die wirtschaftlichen Opfer des Dauerregens:

  • Für Landwirte bedeuten viel Regen und niedrige Temperaturen eine spätere Ernte und eine geringere Ausbeute. Die Preise für Spargel, Erdbeeren und Kartoffeln dürften dadurch steigen. Auch die Matjessaison musste verschoben werden. Die Heringe sind noch nicht fett genug, um als Matjes verkauft zu werden.
  • Auch unter Gastronomen sorgt das schlechte Wetter für Unmut. In den Biergärten bleiben die Holzbänke leer. "Bei zehn Grad will sich niemand draußen hinsetzen", sagte ein Serviceleiter der Vulkan Brauerei in Mending bei Koblenz. Gastwirte in Rheinland-Pfalz befürchten gar existenzgefährdende Umsatzverluste, sagte der Landespräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Gereon Haumann.
  • Auch diverse Veranstalter müssen Umsatzeinbußen hinnehmen. In den Freibädern bleiben die Badegäste aus. Im Trierer Freibad Nord kamen im Mai nur halb so viele Besucher wie im Vorjahr zuvor. Das Freibad in Hauenstein in der Südwestpfalz hat sogar vorübergehend wieder geschlossen, um Betriebskosten einzusparen. An verregneten Wochenenden seien Besucherrückgänge von bis zu 50 Prozent im Vergleich zum üblichen Andrang möglich, sagte eine Sprecherin des Tierparks Hagenbeck in Hamburg.

Regenmenge und Sonnenstunden im Mai 2013
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Regenmenge und Sonnenstunden im Mai 2013

Das trübe Wetter verdirbt aber nicht allen das Geschäft. Der Regen lockt mehr Besucher in die Museen. "Wenn es regnet, dann muss ich viel Kuchen kaufen", sagt Wolfgang Teske, Inhaber des Miniaturlands im ostfriesischen Leer. Ihn dürfte es freuen, wenn der Sommer noch ein bisschen auf sich warten lässt.

Welche Branchen unter dem schlechten Wetter leiden, welche profitieren - ein Überblick in Bildern.

Mit Material von dpa und AFP



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insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
RudiLeuchtenbrink 30.05.2013
1. Klimawandel ?
Zitat von sysopDPAAuf das Wetter ist derzeit Verlass: Es regnet, es ist kalt, und die Sonne lässt sich kaum blicken. Das hat auch wirtschaftliche Folgen. Doch welche Branchen leiden eigentlich unter dem Niederschlag? Eine Übersicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wetter-wirtschaftliche-opfer-des-dauerregens-a-902757.html
Sachsen und Brandenburg werden wegen der Trockenheit versteppen, habe ich vor einigen Jahren gelesen. Ich baute mir damals einen Brunnen, den ich nur einmal benötigt habe.
bohrendeworte 30.05.2013
2. Global Dimming
Das Phänomen heißt Global Dimming und ist die Folge der überall rauchenden Schornsteine. Wachstum um jeden Preis. Der Preis wird sehr hoch sein.
thorusch 30.05.2013
3. Wie kalt...
Zitat von sysopDPAAuf das Wetter ist derzeit Verlass: Es regnet, es ist kalt, und die Sonne lässt sich kaum blicken. Das hat auch wirtschaftliche Folgen. Doch welche Branchen leiden eigentlich unter dem Niederschlag? Eine Übersicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wetter-wirtschaftliche-opfer-des-dauerregens-a-902757.html
...es wohl ohne die globale Erwärmung wäre?
Olaf53 30.05.2013
4. Der Golfstrom macht den Unterschied aus
Weil das Eis in der Arktis schmilzt, wird der Golfstrom abgekühlt. Deshalb wird es bei uns - trotz globaler Erwärmung - nicht etwa wärmer, sondern kälter. Das hatte ich schon seit langer Zeit befürchtet.
MM444 30.05.2013
5. Meerwasser verdünnt?
Zitat: "Auch die Matjessaison musste verschoben werden. Die Heringe sind noch nicht fett genug, um als Matjes verkauft zu werden." Bitte wie? Hat der Regen das Meer verwässert oder wird der Matjes von der Sonne fett? Bitte um Erleuchtung!
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