WhatsApp-Gründer Koum Der Mann, der jetzt Kasse macht

Er wuchs in ärmlichsten Verhältnissen in einem ukrainischen Dorf auf, kam als Teenager in die USA. Jetzt gehört WhatsApp-Mitgründer Jan Koum auf einen Schlag zu den Reichen und Mächtigen: Der Deal mit Facebook macht ihn zum Milliardär.

WhatsApp-Gründer Koum: Keine Kompromisse bei Grundprinzipien
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WhatsApp-Gründer Koum: Keine Kompromisse bei Grundprinzipien

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Menlo Park - Er ist 37 Jahre alt und er verkörpert den amerikanischen Traum wie derzeit kein anderer. Mit dem Verkauf seines Nachrichtendienstes an Facebook ist WhatsApp-Mitgründer Jan Koum im Olymp der Reichen und Mächtigen angekommen. Als Verwaltungsrat wird er nun die Geschicke von Facebook mitbestimmen und die Entwicklung von WhatsApp weiter vorantreiben. "Wir wollen auf jedem einzelnen Smartphone sein und wir wollen das wichtigste Kommunikationssystem in der Welt werden", sagte er der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Internetkonferenz DLD in München im Januar.

Die märchenhafte Karriere war keineswegs vorgezeichnet. Koum wuchs in ärmsten Verhältnissen in einem Dorf in der Ukraine auf und kam Anfang der neunziger Jahre als Teenager mit seiner Mutter in die USA. Dort waren sie zunächst auf Sozialhilfe angewiesen. Er besuchte die Moutain View High School und anschließend die Universität in San Jose.

Was seine Person betrifft, gibt sich Koum extrem zurückhaltend. Auf seinem Profil beim Sozialen Netzwerk LinkedIn beschreibt er sich als QA-Tester und Senior Tweet Manager - und schiebt seinen Geschäftspartner Brian Acton ins Rampenlicht.

Rebell gegen Konventionen der Branche

Seine Herkunft hat Koum nicht vergessen: Für die Unterzeichnung des Verkaufs an Facebook habe er das verlassene Behördengebäude ausgesucht, in dem er einst für Lebensmittelmarken anstand, schrieb das Magazin "Forbes". Koums Anteil an WhatsApp mache ihn jetzt 6,8 Milliarden Dollar schwer, hieß es. Er verhalf damit gleichzeitig auch anderen zu großem Vermögen. Auf Twitter kolportieren Eingeweihte, dass die Kapitalgesellschaft Sequoia mit dem Deal mehr als drei Milliarden Dollar verdient habe.

Dass sich künftig einiges in seinem Leben ändern wird, davon darf man getrost ausgehen. Gespannt werden Beobachter verfolgen, ob Koum es schafft, seinen Prinzipien treu zu bleiben. Dazu gehören zum Beispiel die klaren Grenzen, die er für den Umgang mit Nutzerdaten immer wieder betont hat. "Wir interessieren uns nicht für Informationen über unsere Nutzer", erklärte er noch im Januar. Stattdessen reiche die überaus moderate Gebühr von einem Dollar im Jahr für den Betrieb.

Jetzt schlüpft WhatsApp aber ausgerechnet bei einem Unternehmen unter, das davon lebt, die Werbung an sein ausgiebiges Wissen über die 1,2 Milliarden Mitglieder anzupassen: Facebook. Wenn man sich zuvor als Rebell gegen die Konventionen der Internetindustrie gab, bringt das einigen Erklärungsbedarf. Auf die Frage, ob WhatsApp zu Kompromissen mit chinesischen Behörden bereit wäre, um auch dort auf den Markt zu kommen, antwortete er schlicht: "Wir machen keine Kompromisse."

Die Sache mit dem Geldverdienen

Für die WhatsApp-Nutzer werde sich nichts ändern, versprach Koum so auch rasch in einem Blog-Eintrag, nachdem der 19 Milliarden Dollar schwere Deal bekanntgegeben wurde. Nach wie vor würden keine Werbeanzeigen die Kommunikation mit Freunden stören. Es hätte keine Partnerschaft mit Facebook gegeben, wenn dies WhatsApp Kompromisse bei Grundprinzipien abverlangt hätte.

Zunächst ist man geneigt, seinen Versprechungen zu glauben. Schließlich hat Koum seine Jugend in einem System verbracht, in dem die Privatsphäre des Einzelnen wenig zählt. Die Erlebnisse seiner Jugendzeit hätten ihn und WhatsApp entscheidend geprägt, sagte Koum. Die Überwachung im Sowjet-Regime habe seinen Sinn für Datenschutz geschärft. WhatsApp schalte keine Werbung und müsse deshalb auch keine Nutzerdaten auswerten.

Doch das Ringen um Prinzipientreue dürfte auf Dauer nicht leicht werden. Da ist schon der hohe Preis vor, den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg für WhatsApp hingelegt hat. Immerhin ist WhatsApp so teuer "wie 19 Instagrams, 76 Washington Posts, oder 271 Boston Globes", wie der Harvard-Professor Joshua Benton in einem Tweet schrieb. Auch wenn die beiden Unternehmer versicherten, WhatsApp werde eigenständig bleiben, gab Zuckerberg doch klar zu verstehen, dass die Sache mit dem Geldverdienen noch besser werden müsse. Man werde schauen, wie man WhatsApp zu einem wirklich großartigen Geschäft machen könne, sagte er.

Schließlich würde es bei einem Dollar pro Jahr lange dauern, den haushohen Kaufpreis wieder herauszuholen, selbst wenn WhatsApp bald wie erwartet auf eine Milliarde Nutzer anwächst.

Mit Material von dpa

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insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
fort-perfect 20.02.2014
1. Wer es glaubt
Zitat von sysopDPAEr wuchs in ärmsten Verhältnissen in einem ukrainischen Dorf auf, kam als Teenager in die USA. Jetzt gehört WhatsApp-Mitgründer Jan Koum auf einen Schlag zu den Reichen und Mächtigen: Der Deal mit Facebook macht ihn zum Milliardär. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/whatsapp-gruender-koum-verdient-milliarden-mit-facebook-deal-a-954567.html
Zuckerberg hat schon ganz andere über den Tisch gezogen, der wird keine X-Milliarden auf den Tisch gelegt haben, wenn er damit seinen Werbeetat nicht nachhaltig aufstocken könnte....
Kiste 20.02.2014
2. optional
Es wäre doch nett, wenn SPON uns Neuland-Besitzern mal erklärt, was Whatsapp ist und warum das besser ist als SMS?
onkendonk 20.02.2014
3. Nun, er hat schon viel versprochen...
Im Endeffekt zählt die Kohle im Silico Valley, sonst nix. Nonkonformist? Ganz im Gegenteil...
eddi snowman 20.02.2014
4. ...so spielt das Leben...
in ukrainischen Dörfern. Der eine wird Miliardär, der andere wird "weltbekannt", als nackter Jüngling auf in "in D nicht strafrechtlich relevantem Material "...
PeterPan95 20.02.2014
5. optional
Traurig aber wahr: "Reich" und "mächtig" gehen tatsächlich Hand in Hand.
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