Machtwechsel beim Industrieriesen: Wie krank ist Siemens?

Von den manager-magazin.de-Redakteuren Nils-Viktor Sorge und Wilfried Eckl-Dorna

Joe Kaeser übernimmt den Chefposten bei einem tief verunsicherten Konzern: Pleiten und Pannen haben den Ruf von Siemens zuletzt arg ramponiert. Doch wie krank ist das Unternehmen wirklich? Ein Vergleich der wichtigsten Geschäftsfelder mit der Konkurrenz.

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Siemens-Turbine: Der Auftragseingang ist zuletzt eingebrochen

1. Konventionelle Kraftwerke: Leichte Unruhe im Stammgeschäft

Der Bau von Gaskraftwerken und Turbinen ist das Brot-und-Butter-Geschäft von Siemens Chart zeigen. Der Konzern ist technologisch führend und erlöst in dem Geschäftsfeld jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag. In keinem anderen großen Bereich erwirtschaften die Münchener eine derart hohe Marge. Zuletzt lag sie bei 15,1 Prozent.

Ganz so rund wie gewohnt lief es zuletzt indes nicht. Der Auftragseingang ist eingebrochen, Umsatz und Gewinn waren rückläufig. Konkurrenten wie Alstom Chart zeigen machten es kaum besser, der wichtigste Wettbewerber General Electric Chart zeigen holte auf dem Gebiet aber mehr Gewinn heraus: Die Marge lag zuletzt bei 19 Prozent.

Die Amerikaner profitieren auf dem Heimatmarkt am stärksten von der gestiegenen Nachfrage nach Gaskraftwerken. Diese haben der Schiefergasboom und verschärfte Umweltvorschriften für Kohlekraftwerke ausgelöst.

In Europa, wo Siemens stark ist, ist die Nachfrage nach den Anlagen dagegen schwach: Gas als Brennstoff ist viel teurer als in den USA, zudem ist der Börsenstrompreis gerade sehr niedrig. Auch in China ist es Siemens bisher nicht gelungen, nennenswerte Marktanteile zu gewinnen. Die Staatsführung setzt stark auf Gas, um langfristig die dreckigen Kohlekraftwerke zu ersetzen. Für Siemens soll nun ein chinesisches Gemeinschaftsunternehmen die Türen öffnen - dahinter verbirgt sich ein gewaltiges Gewinnpotenzial.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Siemens
eigene_meinung 31.07.2013
war mal eine tolle Firma mit hervorragend ausgebildeten, erfahrenen und motivierten Ingenieuren. Viele Erfindungen, die heute selbstverständlich sind, wurden bei Siemens gemacht. Leider haben geldgierige Manager die Firma nach und nach kaputtgespart. Spitzenkräfte fielen Massenentlassungen bei Siemens und bei von Siemens abgestoßenen Firmen(teilen) zum Opfer. Noch ist eine gute Basis an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern vorhanden (wenn auch nicht mehr die frühere Quantität und Qualität). Die Firma ist noch zu retten, wenn die Leitung sich endlich wieder auf die Stärken von Siemens besinnt.
2. Siemens
mikaiser 01.08.2013
Ich kann dem Foristen eigene_meinung aus Post #1 voll zustimmen. Siemens hat noch gute und motivierte Leute, es kann wieder aufwärts gehen. Leider ist aber unter Löscher auch viel Unheil angerichtet worden. Ganze Bereiche wie z.B. SIS (die internen Computerprofis) wurden verkauft, wobei alle halbwegs guten und beweglichen Mitarbeiter sicherheitshalber zur Konkurrenz gewechselt sind. Nun muss Siemens (vertraglich gebunden) dieselbe Dienstleistung bei der Käufer-Firma extern beschaffen. Im Klartext: Wer nicht rechtzeitig von Bord kam, arbeitet jetzt als Externer weiter auf seinem alten Siemens-Arbeitsplatz, hat aber midestens eine Organisationsebene mehr zwischen sich und Siemens. Ob das wohl der Motivation gut tut? War das nicht vorhersehbar? Auch die leider üblichen Auswüchse des Controlling zusammen mit der durch die Bestechungsaffäre notwendig gewordenen Verschärfung der Compliance-Richtlinien haben zu nicht effizienten Strukturen und Abläufen geführt. Ich wünsche Siemens alles Gute und Josef Käser eine glückliche Hand beim vorsichtigen Korrigieren der Fehlentscheidungen!
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