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Alle fürchten Netflix

Vom DVD-Verleih zum Branchenschreck: Wie Netflix den US-Medienmarkt aufmischt - und sich die etablierten Konzerne retten wollen. Die Übersicht.

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Mittwoch, 13.06.2018   15:06 Uhr

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Die US-Medienbranche steckt in einem tief greifenden Umbruch. Die Fusion von AT&T mit Time Warner und die angestrebte Übernahme der Entertainmentsparte des Medienkonzerns 21st Century Fox durch Walt Disney sind Abwehrschlachten gegen ein Unternehmen, das vor rund 20 Jahren als Videoverleih per Post gegründet wurde und inzwischen die gesamte Medienlandschaft umkrempelt: Netflix.

Doch wie kommt es, dass die gesamte Unterhaltungsbranche sich vor einem Newcomer fürchtet, der bis vor wenigen Jahren noch als potenzieller Übernahmekandidat galt? Immer wieder gibt es Gerüchte, dass beispielsweise Apple den Streaminganbieter übernehmen könnte.

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Für die Wettbewerber aus der Unterhaltungsindustrie ist Netflix inzwischen wohl eine Nummer zu groß: Im Mai war das Unternehmen mit einem Marktwert von 153 Milliarden Dollar an der Börse kurzzeitig mehr wert als Disney. Netflix hat im ersten Quartal 2018 mit 125 Millionen Nutzern einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar erzielt.

Die Zahl der Abonnenten wuchs auf inzwischen rund 120 Millionen zahlende Kunden weltweit. Allein in diesem Jahr sollen acht Milliarden Dollar in Fernsehserien und Filme investiert werden. Neben exklusiven Inhalten hat Netflix auch viele Spielfilme und Serien anderer Studios im Programm.

Aus mit Maus

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So hält Netflix seit 2016 auch das US-Exklusivrecht für Disney-Produktionen, zu denen unter anderem Titel von Lucasfilm sowie Marvel- und Pixar-Produktionen gehören. Die Inhalte des Micky-Maus-Konzerns gehören zu den beliebten Angeboten von Netflix. Aber nicht mehr lange: Im August 2017 kündigte Disney an, die Partnerschaft mit dem Wettbewerber im kommenden Jahr zu beenden. Der Grund: Im Herbst 2019 will Disney einen eigenen Streamingdienst starten.

Es sind solche Zahlen, die den unaufhaltsamen Aufstieg von Netflix verdeutlichen und zuletzt auch Disney nervös machte. Neben Disney steht die gesamte Medienbranche in den USA vor einem Umbau. Ein Überblick:

Jagd auf Fox

Wegen der zunehmenden Konkurrenz durch Netflix und Amazon will sich auch der Telekomkonzern AT&T mit Inhalten für die neuen Herausforderungen rüsten. Im Oktober 2016 wurde bekannt, dass der Konzern das Medienunternehmen Time Warner übernehmen will.

Sender wie HBO und CNN sowie das Filmstudio Warner Bros sollen AT&T die Inhalte für seine Netze liefern. Jetzt wurde die Fusion, die zunächst vom US-Justizministerium blockiert wurde, ohne Auflagen genehmigt. Die erwartete Freigabe wiederum hat auch Comcast dazu erwogen, noch einmal seine Chancen bei Fox auszuloten und Disney bei dem Deal noch auszustechen.

Diamonds in the Sky

Rupert Murdochs 21st Century Fox will die Filmsparte 20th Century Fox mit den Filmstudios, sowie Spartensender wie FX und National Geographic verkaufen. Ein weiteres Asset, auf das sowohl Comcast als auch Disney scharf sind, ist der 39-prozentige Anteil von Fox an der Sky-Gruppe.

Comcast hatte zunächst ebenfalls Interesse an den Fox-Anteilen. Der Konzern hatte sich allerdings zurückgezogen, weil das Fox-Management kartellrechtliche Bedenken fürchtete. Jetzt, wo der AT&T-Time-Warner-Deal durchgewinkt ist, wird erwartet, dass Comcast erneut ein verlockendes Angebot für die Fox-Assets vorlegt. Der Konzern dürfte das Urteil als Signal werten, dass von Seiten der Kartellbehörden weniger Widerstand zu erwarten ist. Im Gegensatz zu Disney, das die Übernahme mit Aktien bezahlen will, bereitet Comcast ein Barangebot vor.

Zu den umkämpften Anteilen gehören auch die restlichen Anteile am britischen Pay-TV-Sender Sky. Die Regierung in London hat erst kürzlich den Weg für den Bieterwettbewerb freigemacht. Sowohl Murdochs 21st Century Fox als auch Comcast können nun für 61 Prozent an Sky bieten. Sollte Fox den Zuschlag bekommen, müsste allerdings der Nachrichtensender Sky News ausgegliedert werden.

Fox könnte Sky direkt weiter an Disney durchreichen und würde damit seine Anteile für den Konzern noch wertvoller machen. Sollte Comcast allerdings den Zuschlag bekommen, wäre das Gesamtpaket für Disney weniger attraktiv.

Hulu

Die Bieter sind an einer weiteren Beteiligung interessiert, der Videoplattform Hulu. Sie liegt zwar mit zuletzt 20 Millionen US-Abonnenten hinter Netflix zurück, das rund 55 Millionen Kunden in den USA zählt. Dennoch wuchs Hulu zuletzt im Heimatmarkt schneller als der Konkurrent.

Der Anteil von Fox an der Plattform ist hoch begehrt. Bei Hulu handelt es sich um ein Joint Venture, an dem Disney über die Tochter ABC 30 Prozent hält. Fox kontrolliert ebenfalls 30 Prozent - genau wie Comcast über NBC. Die restlichen zehn Prozent hält Time Warner.

Hulu lag Ende 2017 mit 17 Millionen zahlenden Kunden weit hinter Netflix zurück, wird aber vorwiegend in den USA genutzt. Wer sich schließlich bei den Fox-Anteilen durchsetzt, bekommt damit also auch die Mehrheit an dem Streaminganbieter - für Disney ein gutes Standbein, um sein eigenes Angebot auszubauen und im Herbst mit einer großen Plattform zuzuschlagen.

Amazon Prime

Auf dem Markt ist neben Netflix noch ein weiterer potenter Konzern vertreten: Amazon. Der Internetkonzern bündelt seinen Videodienst mit dem Prime-Angebot und gibt keine separaten Nutzerzahlen preis. Amazon Prime hat Angaben von Unternehmenschef Jeff Bezos zufolge inzwischen weltweit mehr als 100 Millionen zahlende Nutzer.

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Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge streamen davon allein in den USA 26 Millionen Nutzer Angebote von Amazon. Auch der Internetkonzern will seine Eigenproduktionen ausbauen. Doch gegen Disneys gebündelte Blockbuster-Macht könnt der Konzern es schwer haben. Zumal Disney auch preislich unter den elf Dollar bleiben will, die Netflix für sein Abo nimmt. Der Prime-Video-Service von Amazon kostet neun Dollar im Monat.

Zusammengefasst: Die US-Medienbranche steht vor mehreren großen Übernahmen. Damit wollen sich die etablierten Konzerne fit machen für den Wettbewerb mit dem Streamingdienst Netflix. Der ist in nur zwanzig Jahren vom DVD-Verleih mit Eigenproduktionen zum ernsten Konkurrenten von Disney geworden - und hat kurzzeitig sogar dessen Marktwert überholt.

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