Endliche Ölreserven Apokalypse irgendwann

Wie lange reicht das Öl? In Wien trafen sich Weltuntergangspropheten, um über das nahende Ende der Vorräte zu spekulieren. Doch die Wirklichkeit ist deutlich komplizierter als die Theorien der "Peakniks".

Aus Wien berichtet Alexander Jung

Ölpumpen in Aserbaidschan: Je höher der Preis, desto höher der Aufwand
REUTERS

Ölpumpen in Aserbaidschan: Je höher der Preis, desto höher der Aufwand


Auf dem Programm steht der Weltuntergang, doch Dennis Meadows langweilt das Thema. Der amerikanische Wissenschaftler ist gewissermaßen Fachmann in Fragen der Apokalypse, seit er vor 40 Jahren im legendären Bericht an den Club of Rome vor den Grenzen des Wachstums warnte und die Erschöpfung der Rohstoffe prophezeite. Nun sitzt der 69-Jährige im Wiener Palais Niederösterreich und blättert in der Tagungsbroschüre herum. Es kommt ihm alles so bekannt vor.

Versammelt hat sich die Association for the Study of Peak Oil & Gas (Aspo), eine internationale Vereinigung von Wissenschaftlern, die beseelt sind von dem Gedanken, die weltweite Ölförderung werde schon bald einen Scheitelpunkt ("Peak") erreichen - mit katastrophalen Folgen für die Menschheit. Verbraucht sie mehr Öl, als sie fördert, seien brutale Verteilungskämpfe unvermeidlich: Börsencrashs, Depression, Chaos.

"Peak Oil ist nahe", lautete also die Schreckensvision beim Jahrestreffen in dieser Woche, die Aspo-Präsidenten Kjell Aleklett wie ein Zeuge Jehovas verbreitete. Wieder einmal. Dieselbe Botschaft habe er schon auf der Aspo-Konferenz vor sechs Jahren gehört, sagt Meadows genervt. In der Tat haben die "Peakniks", wie die Skeptiker genannt werden, schon etliche Male den Förderhöhepunkt vorausgeahnt. In früheren Szenarien datierten sie ihn auf das Jahr 1998. Später hieß es, 2005 sei es so weit. Einer legte den Peak sogar auf den Tag genau fest, auf den 24. November 2005. Dann wieder wurde 2010 ins Auge gefasst, spätestens.

Mit scheinbar wissenschaftlicher Präzision bestimmen die Peak-Oil-Theoretiker einen Zeitpunkt, von dem an es bergab gehen soll - und werden stets von der Realität widerlegt. In der Praxis nämlich ist das weltweite Ölangebot seither noch praktisch jedes Jahr gewachsen, bislang ist zur Überraschung vieler nie ein echter Engpass aufgetreten.

Gegenwärtig pumpt Saudi-Arabien so viel Öl aus dem Wüstensand wie noch nie. In den USA quellen die Lager über. Derzeit werde eher zu viel als zu wenig gefördert, konstatieren die Rohstoffexperten der Commerzbank. Ihre Kollegen von der Citigroup gehen noch weiter: Sie verkünden schon den "Tod der Peak-Oil-Hypothese".

Eine These aus den Fünfzigern

Das Konzept stammt aus den fünfziger Jahren, ein US-Geologe namens Marion King Hubbert hat es formuliert. Demnach entspricht der Verlauf der Ölförderung stets einer Glockenkurve: Erst steige sie an bis auf ein Plateau, dann fällt sie wieder ab, so unerbittlich wie vorhersehbar. Das Problem: Die Wirklichkeit ist komplizierter.

Zum Beispiel nimmt der Preis, der für das Fass Öl zu erzielen ist, einen entscheidenden Einfluss auf die Fördermenge. Je höher die Notierung, desto eher lohnt sich der Aufwand, auch in entlegenen Regionen nach dem Rohstoff zu suchen, in der Tiefsee zum Beispiel oder in der Arktis. Und schon wächst das Ölangebot.

Neue Technologien kommen zum Einsatz, die die Fördermenge auf ein Niveau hieven, das bis dahin unvorstellbar war. Ingenieure setzen das sogenannte Fracking, das bislang nur für die Gasproduktion genutzt wurde, nun auch zur besseren Ausbeutung von Ölquellen ein: Unter Hochdruck wird eine Flüssigkeit eingepresst, sie erzeugt Risse tief im Gestein, dadurch wird zusätzliches Öl freigesetzt.

Dank dieses Verfahrens sind die USA zur weltweit schnellstwachsenden Ölförderregion avanciert. Im Bundesstaat North Dakota hat sich die Produktion innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelt.

Solche Entwicklungen beeindrucken Aspo-Präsident Aleklett freilich wenig. Er hält Fracking für überschätzt, für einen Hype, der sich bald wieder legen werde. Überhaupt sei doch die Vorhersage eingetreten und Peak Oil im Jahr 2006 erreicht worden, zumindest was das Volumen aus herkömmlichen Fördermethoden angehe, das heißt: ohne das Öl aus kanadischen Teersanden zum Beispiel oder eben das Fracking-Öl aus North Dakota.

Diese Erklärung mutet seltsam an, da in der Geschichte der Ölförderung Verfahren, die zunächst als unkonventionell galten, in der Regel sehr schnell gebräuchlich wurden. So war in den siebziger Jahren eine Förderung in mehr als 300 Metern Meerestiefe kaum vorstellbar, heute ist sie Routine.

Der Veteran Meadows jedenfalls hat genug von der Debatte, wann denn nun genau der Höhepunkt erreicht werde. Entscheidend und unstrittig sei doch, dass die Ölvorräte endlich sind und abnehmen. Deshalb hält er es für wichtiger, Strategien zu entwickeln, wie eine Welt mit immer weniger fossilem Brennstoff aussehen kann.

Meadows spricht aus leidvoller Erfahrung. Vor 40 Jahren habe sich der Club of Rome auch bloß darauf beschränkt zu rufen: "Das Unheil ist nahe", erinnert sich der Wissenschaftler. Ergebnis: "Heute ist der Club of Rome irrelevant."

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Seite 1
reuanmuc 01.06.2012
1.
Zitat von sysopDPAWie lange reicht das Öl? In Wien trafen sich Weltuntergangspropheten, um über das nahende Ende der Vorräte zu spekulieren. Doch die Wirklichkeit ist deutlich komplizierter als die Theorien der "Peakniks". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836559,00.html
Es ist ganz einfach: Peakoil ist, wenn der Ölpreis immer weiter steigt. In den letzten Tagen ist er kräftig gefallen, was den Förderern gar nicht gefällt und manchen in Schwierigkeiten bringen kann. Das ist aber von kurzer Dauer. Die langfristige Tendenz ist steigend. Wichtiger als die Fördermengen sind die Förderkosten, auch im Verhältnis zu möglichen Alternativen.
Heinz-und-Kunz 01.06.2012
2. Peak-Dummheit
Diverse 'Peaks' hat man in den 70'ner für das Jahr 2000 vorhergesagt, was sich im Jahr 2012 als Fehleinschätzung herausgestellt hat. Die Energiereserven sind eher größer geworden(Erdgas). Lasst sie reden, aber hört nicht auf sie!
spiritof81 01.06.2012
3.
Zitat von sysopDPAWie lange reicht das Öl? In Wien trafen sich Weltuntergangspropheten, um über das nahende Ende der Vorräte zu spekulieren. Doch die Wirklichkeit ist deutlich komplizierter als die Theorien der "Peakniks". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836559,00.html
Diese Behauptung ist, wie soviele, die mit "Fracking" in Verbindung stehen, Unsinn. Hydraulic Fracturing wird schon seit Jahrzehnten auch in Erdöllagerstätten zur Optimierung der Förderung eingesetzt. Z.B. seit 1957 bei unseren Nachbarn in Österreich: http://oilshow.org/2003/paper/29.pdf Auch in Russland wird es sowohl in Öl- als auch in Gaslagerstätten seit Jahren eingesetzt: SPE 114876 - Evolution of Hydraulic Fracturing in Russia (Russian) - Halliburton (http://www.halliburton.com/ps/default.aspx?pageid=3763&navid=2080) In den Fokus ist das Verfahren, dass auch bei uns schon seit über 50 Jahen Anwendung findet, erst durch den reißerischen "Dokumentarfilm" "Gasland" geraten, dessen Macher mittleerweile eingestehen musste, dass er bezüglich der brennenden Wasserhähne verschwiegen hatte, dass diese schon vor der Gasförderung aufgrund natürlicher Methanzutritte entzündbar waren: Gasland director Josh Fox admits hiding facts from film audience (http://www.cst.net/geoscience/oil-business/127-gasland-director-josh-fox-admits-hiding-facts-from-film) Weiterhin gab es in Texas diesbezüglich auch eine Verurteilung wegen Betruges: Owner Of Contaminated Water Well In Parker County Texas Loses In Court-Burning Water Video Ruled A Scam - Drilling Ahead (http://www.drillingahead.com/page/owner-of-contaminated-water-well-in-parker-county-texas-loses-in-?xgs=1&xg_source=msg_share_page) Sicherlich gibt es durch den Gasboom in den USA auch Umweltprobleme, nur gibt es keinen Beweis sondern nur Mutmaßungen, dass Hydraulic Fracturing dafür verantwortlich ist, was leider von den meisten Medien und von den einheimischen BI ignoriert wird.
dunnhaupt 01.06.2012
4. USA sind der schnellstwachsende Ölproduzent
Quasi über Nacht wurden die USA vom weltgrößtem Ölimporteur zur Ölexportnation. Die Pipeline, die einst importiertes Öl vom Atlantik nach Chicago brachte, funktioniert heute in umgekehrter Richtung. Der Ölpreis innerhalb USA ist stark gefallen, doch Exportpreise bleiben weltweit dieselben. Von Peakoil keine Rede.
spiritof81 01.06.2012
5.
Zitat von dunnhauptQuasi über Nacht wurden die USA vom weltgrößtem Ölimporteur zur Ölexportnation. Die Pipeline, die einst importiertes Öl vom Atlantik nach Chicago brachte, funktioniert heute in umgekehrter Richtung. Der Ölpreis innerhalb USA ist stark gefallen, doch Exportpreise bleiben weltweit dieselben. Von Peakoil keine Rede.
Haben Sie dafür eine Quelle? Also, dass sie sich von Gasimporten unabhängig gemacht haben, stimmt. Aber dass das auf Öl zutreffen soll, wäre mir neu.
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