William Broeksmit Vertrauter von Deutsche-Bank-Chef Jain gestorben

Die Deutsche Bank trauert um einen Top-Manager: William Broeksmit wurde offenbar tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden. Eine Berufung des Vertrauten von Bankchef Jain in den Vorstand war 2012 am Widerstand der Finanzaufsicht gescheitert.

Deutsche-Bank-Gebäude in London: Mitarbeiter trauern um Manager Broeksmit
Deutsche Bank

Deutsche-Bank-Gebäude in London: Mitarbeiter trauern um Manager Broeksmit


Frankfurt am Main - Die Deutsche-Bank-Mitarbeiter erfuhren es per E-Mail: Der Mann, der vor knapp zwei Jahren noch ihr Vorstand werden sollte, ist nun tot. Der US-Amerikaner William Broeksmit sei am Sonntag im Alter von 58 Jahren in seiner Londoner Wohnung gestorben, schrieben die Konzernchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Zu den Hintergründen des überraschenden Todes äußerten sie sich nicht. Die Londoner Polizei bestätigte, dass sie zu einem Haus im Stadtteil South Kensington gerufen wurde, wo ein 58-Jähriger tot aufgefunden worden sei. Sie schloss Fremdverschulden aus.

Jain und Fitschen würdigten Broeksmit in der Mail als "engen Freund und Kollegen, von dessen Intellekt und Klugheit viele profitiert haben". Vor allem Jain dürfte der Fall nahegehen, Broeksmit gehörte zu seinen engsten Weggefährten in der Bank. Die beiden kannten sich seit ihrer gemeinsamen Zeit bei der US-Bank Merrill Lynch. Dort hatten sie Anfang der neunziger Jahre unter ihrem legendären Mentor Edson Mitchell das harte, aber auch sehr einträgliche Investmentgeschäft gelernt. Als Mitchell 1995 zur Deutschen Bank wechselte, um dort das Investmentbanking aufzubauen, nahm er Jain mit, kurz darauf folgte auch Broeksmit.

2001 verließ Broeksmit die Deutsche Bank, 2008 kehrte er zurück. Als Jain im Jahr 2012 zusammen mit Fitschen an die Konzernspitze rücken sollte, wollte er Broeksmit zum Risikovorstand machen. Doch die deutsche Finanzaufsicht BaFin stoppte das Vorhaben. Kurz vor der offiziellen Verkündung musste Jain seinen Kandidaten zurückziehen, stattdessen wurde der Schotte Stuart Lewis neuer Risikochef.

Die Hintergründe der damaligen BaFin-Blockade sind noch immer unklar. Zunächst war kolportiert worden, Broeksmit fehle die Führungserfahrung. Später machten in der Branche allerdings Gerüchte die Runde, wonach Broeksmits Rolle in einem lange zurückliegenden Skandal bei Merrill Lynch den Ausschlag gegeben habe.

Broeksmits Karriere war jedenfalls ruiniert. Im Februar 2013 - also ein Jahr nach der Ablehnung - ging er in den sehr frühen Ruhestand. Ein weiteres Jahr später starb Broeksmit.

stk/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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anleihenspezialist 28.01.2014
1. The International
"Der Mann, der vor knapp zwei Jahren noch ihr Vorstand werden sollte, ist nun tot. Der US-Amerikaner William Broeksmit sei am Sonntag im Alter von 58 Jahren in seiner Londoner Wohnung gestorben, schrieben die Konzernchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Zu den Hintergründen des überraschenden Todes äußerten sie sich nicht." hm....
vogel0815 28.01.2014
2.
Zitat von anleihenspezialist"Der Mann, der vor knapp zwei Jahren noch ihr Vorstand werden sollte, ist nun tot. Der US-Amerikaner William Broeksmit sei am Sonntag im Alter von 58 Jahren in seiner Londoner Wohnung gestorben, schrieben die Konzernchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Zu den Hintergründen des überraschenden Todes äußerten sie sich nicht." hm....
Ja, das klingt alles recht mysteriös. ...
wellenschlagen 28.01.2014
3. mein Beitrag
für meine Anschlussfinanzierung habe ich DB verlassen, - war teuer Notarkosten, Grundbuchamt-Kosten, viel Mühen - wollte nicht mehr mit solch einem Konzern in einem Boot sitzen
nhorwath 28.01.2014
4. Es ist schon eigenartig
wie man sich auf einmal so bedeckt hält, in diesem eigenartigen Todesfall, in allen Nachrichten. Hat das vielleicht noch andere Folgen. In den 30iger Jahren stürzten sich die Spekulanten reihenweise aus den Fenstern weil sie unglaublich viel Geld verzockt haben. Die Folgen waren ebenso verhängnisvoll für die Bevölkerung. Hoffentlich hat die böse Ahnung von damals nicht noch eine Schwester hier in der Gegenwart.
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