Schlimmer als Lehman Brothers Topökonom warnt vor nächster Finanzkrise

Als Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sagte er einst die Finanzkrise voraus. Jetzt befürchtet William White einen größeren Crash als nach der Pleite von Lehman Brothers vor zehn Jahren.

William White (Archiv)
Bloomberg via Getty Images

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Trotz seiner inzwischen 75 Jahre und der Vorliebe für großkarierte Oberhemden im Holzfällerlook hat William White, ehedem Chefökonom der BIZ im schweizerischen Basel, nichts von seiner weltweiten Reputation verloren. Der Kanadier gilt nach wie vor als treffsicheres Krisen-Orakel. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 37/2018
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Rund um den Globus hält er Vorträge zur Lage an den Kapitalmärkten und zieht die Zuhörer in seinen Bann. 2008 hatte White die BIZ, eine Art Zentralbank aller Zentralbanken und einflussreiche Denkfabrik, verlassen - nur wenige Monate später, im Herbst desselben Jahres, wurde mit der Lehman-Pleite und der größten Rezession seit den Dreißigerjahren seine Prophezeiung wahr.

Besser sei seitdem kaum etwas geworden, sagte White jetzt dem SPIEGEL. "Die Probleme, die der Lehman-Krise zugrunde lagen, sind nie bewältigt worden. Im Gegenteil, sie haben sich noch verschärft."

Zwar sei Dank der staatlichen Konjunkturprogramme und der Stundung von Krediten die Rezession nach der Lehman-Pleite schnell überwunden worden. Aber die damaligen Notmaßnahmen hätten verhindert, dass Firmen wettbewerbsfähiger - oder vom Markt verschwinden würden. Mehr noch als früher seien die großen Banken heute viel zu groß, um fallen gelassen werden zu können wie einst Lehman. "Das Krisenmanagement hatte unbeabsichtigte Konsequenzen", sagte White. "Die Schulden sind höher als je zuvor, vor allem in den Schwellenländern und China."

Tatsächlich sind vor allem in vielen asiatischen Ländern die Unternehmen enorm verschuldet, besonders in US-Dollar. Das Problem: Die amerikanische Notenbank Federal Reserve erhöht seit geraumer Zeit in kleinen Schritten die Leitzinsen. Das aber führt dazu, dass der Wert des Dollars steigt, und lokale Währungen sinken. Für die Unternehmen in den betroffenen Ländern wird es damit teurer, alte Dollar-Schulden durch neue zu ersetzen. Auch in der Türkei ist das eine der Ursachen der momentanen Krise.

Entscheidend sei, so White weiter, dass die Zentralbanken endlich den Krisenmodus verließen und eine antizyklische Geldpolitik betrieben - also angesichts der weltweit gut laufenden Konjunktur die Zinsen erhöhten. Denn: "Schon die Antwort auf den Börsencrash von 1987 war: Wir drucken Geld. Und so ging es weiter. Nach jeder Krise sind die Zinsen niedriger und die Schulden höher. Wir stoßen also an eine Grenze."

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insgesamt 161 Beiträge
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eulenspiegel2k17 07.09.2018
1. Mit Sicherheit ...
... hat der Mann Recht. Aber was kümmert es die neoliberalen Volkswirtschaften. Brot und Spiele. Das wollen die Menschen heute rund um den Globus.
currywurst_hans 07.09.2018
2. Nach der Kriese ist vor der Kriese.
Im Westen nix Neues.
Darwins Affe 07.09.2018
3. Neoliberal?
Zitat von eulenspiegel2k17... hat der Mann Recht. Aber was kümmert es die neoliberalen Volkswirtschaften. Brot und Spiele. Das wollen die Menschen heute rund um den Globus.
Was hat exzessive Schuldenpolitik mit neoliberalen Volkswirtschaften zu tun? Die Schuldenpolitik wird komischerweise vom merkantilistischen Japan und kommunistischen China angeführt.
krautrockfreak 07.09.2018
4. Wenn die ganze Welt über ihre Verhältnisse lebt, ist doch klar, wie
das enden wird?! Am Ende kriegt man immer die Rechnung präsentiert. Allein 10% der Deutschen sind überschuldet! Wie mag das erst in den anderen Ländern aussehen.... Wie immer wird das Volk die Zeche zahlen. Die Reichen haben ihre Schäfchen im Trockenen (Immobilien, Gold etc.).
lupo62 07.09.2018
5. Neues aus der Glaskugel
Volkswirtschaft und Meteologie haben eins gemeinsam: Eine verlässliche Voraussage über längere Zeit ist nicht möglich. Zu viele Faktoren, zu viele teilweise gegenläufige Interaktionen. Und bei der Volkswirtschaft kommt noch der phychologische Faktor und der pure Zufall (z.B. Naturkatastrophen) dazu. Wir können die Wote des großen Witschaftsweisen deshalb als dass nehmen, was sie sind: Kann sein, kann nicht sein. Abwarten, dann sind wir klüger.
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