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Geldautomatenhersteller: Diebold übernimmt Wincor Nixdorf

Jetzt müssen nur noch die Aktionäre Ja sagen: Der deutsche Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf lässt sich vom US-Konkurrenten Diebold übernehmen. Zusätzliche Stellen sollen in Deutschland nicht wegfallen.

Flaggen vor Wincor Nixdorf-Stammsitz in Paderborn: Fusion soll kommen Zur Großansicht

Flaggen vor Wincor Nixdorf-Stammsitz in Paderborn: Fusion soll kommen

Der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf soll künftig Diebold Nixdorf heißen. Das deutsche Unternehmen und sein US-Konkurrent Diebold seien sich über die Eckdaten ihrer Fusion einig geworden, teilten beide Firmen mit. Nach monatelangen Verhandlungen lässt sich Wincor Nixdorf damit übernehmen.

Der Vorstand um Unternehmenschef Eckard Heidloff, der sich lange gegen einen Verkauf gesträubt hatte, sowie der Aufsichtsrat unterstützten das Angebot. Einen wesentlichen zusätzlichen Stellenabbau soll es in Deutschland nicht mehr geben, hieß es.

Nun müssen noch die Aktionäre von Wincor Nixdorf Chart zeigen dem Deal zustimmen. Diebold bietet insgesamt rund 1,8 Milliarden Euro in bar und eigenen Aktien. Die Anteilseigner sollen 38,98 Euro je Aktie in bar sowie 0,434 Diebold-Aktien erhalten. Das entspricht - gemessen am Schlusskurs vom Freitag - einem Wert von 54,31 Euro.

Die Aktie von Wincor Nixdorf kletterte am Montag zum Börsenstart um mehr als sechs Prozent nach oben. Die Diebold-Aktie Chart zeigen hatte am Freitag um 3,5 Prozent zugelegt, als die genauen Fusionspläne bekannt wurden. Die Übernahme kommt nur zustande, wenn Diebold mit der Offerte an mehr als 67,6 Prozent der Wincor-Aktien kommt. Zusammen mit den eigenen Aktien im Bestand von Wincor käme das US-Unternehmen dann auf eine Dreiviertel-Mehrheit.

Diebold ist die Nummer zwei der Geldautomatenbranche und hat rund 16.000 Beschäftigte, Wincor Nixdorf gilt als weltweite Nummer drei der Branche und hat rund 9200 Mitarbeiter. Ein bereits gestartetes Sanierungsprogramm sieht aber vor, dass rund 1100 Jobs gestrichen werden, davon 500 in Deutschland.

Unternehmen soll aus USA gesteuert werden

Durch die Übernahme ließen sich umgerechnet rund 150 Millionen Euro Kosten im Jahr sparen, erklärten Diebold und Wincor. Gemeinsam kommen die Unternehmen auf 4,8 Milliarden Euro Umsatz und könnten damit zum Weltmarktführer NCR aus den USA aufschließen. Der Firmensitz von Diebold Nixdorf wird im US-Bundesstaat Ohio sein, gesteuert werden soll der Konzern aus North Canton und Paderborn gemeinsam. Diebold-Chef Andy Mattes soll das Unternehmen weiter führen, Wincor-Boss Heidloff bleibt in der Rolle eines "President" an Bord. Wincor-Finanzvorstand Jürgen Wunram soll sich um die Integration kümmern.

Mit dem künftigen Namen Diebold Nixdorf bleibt der traditionsreiche Name von Computer-Pionier Heinz Nixdorf erhalten.

Die Unternehmen reagieren mit der Fusion auf dem Umbruch in der Geldautomaten-Branche. In Ländern wie den USA oder Schweden spielt Bargeld eine immer geringere Rolle, so dass sich die Hersteller nach anderen Erlösquellen, etwa als Software- und Dienstleistungsanbieter, umsehen müssen. Auch Wincor leidet unter Sparmaßnahmen der Banken und der Zurückhaltung von Händlern bei Investitionen. Im Geschäftsjahr 2014/15 blieben unterm Strich nur acht Millionen Euro Gewinn hängen. Im Vorjahr waren es noch 104 Millionen Euro. Die Dividende wurde 2015 gestrichen.

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Wieder mal
dr.young 23.11.2015
Eine weitere Perle, die in US Hände fällt. Wie soviele zuvor. Mit wertlosen Dollars bezahlt.
2. Interessanter Fakt
Leser161 23.11.2015
Siehe Text: in den USA wird weniger Bargeld verwendet, daher geraten Geldautomatenhersteller in die Krise. ABER: Pleite ist Wincor aus Deutschland, nicht Diebold aus den USA. Dies scheint mir ein Hinweis auf mangelnde Flexibilität deutscherseits zu sein. Hier muss Deutschland also wohl nachlegen. PS: Ein Lichtstrahl. "Die Steuerung findet aus den USA statt". Heisst die mangelnd flexiblen deutschen Steuerer müssen wenigsten die Verantwortung tragen :o)
3. Eine Perle?
in_hamburg_zuhause 23.11.2015
Wo zum Teufel soll den da die Perle sein, bei dem Unternehmen, welches nach wie vor nie die Hemdsärmligkeit eines provinziellen (Geldautomaten-) Blechbiegers losgeworden ist? Dieser Laden ist alles anderes als eine "Perle"! Und bedauerlicherweise müssen auch keine der deutschen Verantwortlichen irgendeine Verantwortung tragen. Der Rausschmiss betrifft nur die unteren Ebenen.... Die, die den Karren in den Dreck gefahren haben, bleiben am Ruder.
4. Wincor Nixdorf biegt schon lange kein Blech mehr
Circular 23.11.2015
Zitat von in_hamburg_zuhauseWo zum Teufel soll den da die Perle sein, bei dem Unternehmen, welches nach wie vor nie die Hemdsärmligkeit eines provinziellen (Geldautomaten-) Blechbiegers losgeworden ist? Dieser Laden ist alles anderes als eine "Perle"! Und bedauerlicherweise müssen auch keine der deutschen Verantwortlichen irgendeine Verantwortung tragen. Der Rausschmiss betrifft nur die unteren Ebenen.... Die, die den Karren in den Dreck gefahren haben, bleiben am Ruder.
Die Produktion der Hardware in Paderborn lag über viele Jahre bei Flextronics und ist imvergangenem Jahr in Periscope umbenannt worden.
5.
jjpreston 23.11.2015
Es warten goldene Zeiten: Der Hersteller nicht manipulationssicherer Wahlmaschinen übernimmt einen Hersteller nicht manipulationssicherer Geldautomaten...
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