Aufträge in Deutschland rückläufig Hunderte Stellen in Windenergiesparte fallen weg

Windanlagenhersteller Enercon richtet sich internationaler aus: Hierzulande fallen bei Zulieferern deshalb über 800 Jobs weg. Als Grund benennt das Unternehmen fehlende Aufträge in Deutschland.

Windenergiepark im Landkreis Oder-Spree
DPA

Windenergiepark im Landkreis Oder-Spree


Der Windanlagenhersteller Enercon rechnet bundesweit mit einem Abbau von 835 Stellen bei seinen Zulieferern. Das Unternehmen im ostfriesischen Aurich reduziert hierzulande Aufträge, da die Onshore-Windindustrie am Heimatmarkt massiv unter Druck stehe, teilte Enercon mit. Betroffen seien Zulieferer in

  • Emden (190 Mitarbeiter)
  • Magdeburg (130)
  • Westerstede (150)
  • Haren (235)
  • und Aurich (130)

Die Aufbauzahlen seien rückläufig, die Aufträge gingen stark zurück, hieß es in der Mitteilung weiter. Enercon werde sich daher vom vierten Quartal 2018 konsequent auf internationale Märkte ausrichten.

Neue Zielmärkte sind Mexiko, Vietnam und Südafrika

Enercon hat nach weiteren Angaben außerhalb Deutschlands bereits mehr als 14.000 Windenergieanlagen installiert und sieht Länder wie Mexiko, Vietnam und Südafrika als neue Zielmärkte. Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig verwies auf Marktprognosen, nach denen sich die Nachfrage nach erneuerbaren Energien in den kommenden 20 Jahren weltweit nahezu verdoppeln werde.

Die Gewerkschaft IG Metall zeigte sich überrascht und reagierte mit scharfer Kritik auf den Stellenabbau. Das sei ein harter Schlag für den Nordwesten, wo allein 700 Stellen wegfielen, sagte ein Sprecher in Emden. Die IG Metall Küste warnte Enercon vor einem Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten.

Fakten zur Windenergie
In Deutschland drehen sich rund 22.660 Windräder - die meisten davon in Niedersachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Die installierte Gesamtleistung liegt bei 30.000 Megawatt, das entspricht der Leistung von mehr als 20 Atomkraftwerken. Windräder produzierten im ersten Halbjahr 2012 rund neun Prozent des deutschen Stroms. Allerdings ist Windstrom nicht ständig verfügbar.

Grüne sehen Energiepolitik der Bundesregierung in der Schuld

Statt Entlassungen und Standortschließungen sei ein koordiniertes Vorgehen des Unternehmens mit Betriebsräten und Gewerkschaften nötig. Bezirksleiter Meinhard Geiken machte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mitverantwortlich, da dieser mit seiner Politik weitere Investitionen, Standorte und Arbeitsplätze in der Windenergiebranche gefährde.

Die Grünen im Bundestag sehen den Verlust von Hunderten Arbeitsplätzen als dramatisches Ergebnis einer falschen Energiepolitik der Bundesregierung. Die Union müsse ihren Widerstand gegen im Koalitionsvertrag versprochene Zusatzausschreibungen für Wind- und Solarenergie aufgeben, sagte die energiepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Julia Verlinden.

Würden Atom- und Kohlekraftwerke früher abgeschaltet, verstopfe dieser Strom nicht länger die Netze, kritisierte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Anja Piel.

ans/dpa



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aurichter 02.08.2018
1. Typisch Enercon
Über Jahrzehnte mit Gründung von eigenen Tochterfirmen und somit Lohndumping alles aus den Mitarbeitern heraus gepresst. Jetzt zieht man Heuschrecken gleich eben weiter, wo dann die zukünftigen Beschäftigten noch extremer abgezogen werden können. Bitter für die Menschen in der Region, die in der schwächen Region schon immer mit der Pistole auf der Brust Beschäftigungsverhältnisse eingehen - wenn wir mal von VW in Emden absehen - und der Kampf um Arbeitsplätze wieder zusätzlich verschärft wird. So beliebt war Enercon nun gerade nicht, ausser bei denen, die durch Grundstücksverkäufe in dem Mischgebiet Gewerbe/Wohngebiet sich sprichwörtlich eine goldene Nase geholt haben. Dem mehrfachen Milliardär Woltzen wird es sonderlich stören, dass dort viele Familien demnächst Einkommenslos in die Zukunft schauen. Gepimpert in der Stadt Aurich und vom Landkreis und jetzt Zelte abbrechen und neue Sklaven suchen in Vietnam, Malaysia oder sonstwo in Asien oder Afrika. Es gibt genügend Menschen, die diese Entwicklung um Enercon vorausgesagt haben und seit etlichen Jahren mit dem Unternehmen auf Kriegsfuss stehen.
diplommaurer 02.08.2018
2. Beim Solarstrom ist das grüne Jobwunder schon am Ende
Auch die Windräder leben nur aufgrund der EEG-Subventionen, die wir alle und auch die meisten Unternehmen zahlen müssen. Das sind jedes Jahr gigantische Milliardenbeträge. Jetzt will man die Subventionen für künftige Anlagen reduzieren und schon machen die Grünen ihre Lobbyarbeit, natürlich nur für die Rettung der Welt.
neutron76 02.08.2018
3. Onshore ist ausgereizt
Bei Onshore zieht leider die Bevölkerung nicht mehr mit, auch nicht die Wähler der Grünen! Pumpspeicherwerke, die Windstrom speichern könnten, will auch niemand, also werden weniger Anlagen gebaut. Neue Gesetze bringen auch nichts, wenn vor Ort die Anwohner auf die Barrikaden gehen.
tatsache2011 03.08.2018
4. hohe gesellschaftliche Zustimmung
Zitat von neutron76Bei Onshore zieht leider die Bevölkerung nicht mehr mit, auch nicht die Wähler der Grünen! Pumpspeicherwerke, die Windstrom speichern könnten, will auch niemand, also werden weniger Anlagen gebaut. Neue Gesetze bringen auch nichts, wenn vor Ort die Anwohner auf die Barrikaden gehen.
[Zitat] "Die höhere Zustimmungsrate dort, wo bereits Erneuerbare-Energien-Anlagen, v. a. Windräder, existieren, wurde mittlerweile auch in einer Reihe wissenschaftlicher Studien beobachtet. ... Eine repräsentative Forsa-Umfrage ... belegte ... die hohe gesellschaftliche Zustimmung zu regenerativer Energiegewinnung ... Demnach wünschen sich insbesondere die Menschen in Süddeutschland mehr Erneuerbare-Energien-Anlagen in ihrer Region, vor allem auch Windkraftanlagen in der eigenen Nachbarschaft. ... Bundesweit halten 95 % der Deutschen den Ausbau erneuerbarer Energien für wichtig oder sehr wichtig." siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare_Energien#Akzeptanz
schwarzeliste 03.08.2018
5. Jobs
Die gleichen Leute, für die dieser Jobverlust ein Skandal ist, haben kein Problem damit, chinesischen Linienbusse zu kaufen und dadurch Jobs bei einheimischen Busherstellern zu gefährden. Für mich alles sehr unglaubwürdig
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