Windige Hypotheken-Deals US-Justiz startet neue Jagd auf Geldgiganten

Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America - die US-Geldelite muss wieder zittern. Zeitungsberichten zufolge beginnt New Yorks Justiz eine neue Großoffensive gegen Amerikas mächtige Finanzindustrie. Ermittler prüfen milliardenschwere Wertpapiergeschäfte der Institute.

Bank of America: Neue Ermittlungen gegen US-Großbanken
AP

Bank of America: Neue Ermittlungen gegen US-Großbanken


New York - Finanzkrise? War da was? Amerikanische Großbanken wie Goldman Sachs scheffeln längst wieder Milliarden. Doch jetzt könnte die Vergangenheit die Finanzkonzerne einholen: Wie "New York Times" und "Wall Street Journal" übereinstimmend berichten, ermittelt die New Yorker Staatsanwaltschaft gegen mehrere Geldhäuser.

Im Fadenkreuz der Fahnder befinden sich demnach die ganz Großen. Unter anderem: Bank of America Chart zeigen, Morgan Stanley Chart zeigen und eben Goldman Sachs Chart zeigen.

Mitarbeiter des Büros von Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman hätten um Treffen mit Vertretern der drei großen Banken gebeten. Laut "New York Times" hatten die Ermittler die Institute auch aufgefordert, Informationen und Dokumente über Hypothekengeschäfte zu schicken, die sie während des Kreditbooms abgewickelt hatten.

Die Ermittler verlangten demnach Informationen über die Umschichtung von fragwürdigen Hypotheken in Wertpapiere. Zu Hochzeiten der Finanzkrise hatten die US-Banken Tausende Hypotheken, darunter faule Kredite, zu Paketen gebündelt - und diese Pakete an Investoren weiterverkauft. Als der Immobilienmarkt zusammenbrach verloren viele Anleger in der Folge große Summen.

"Schlangengrube voller Gier"

Die neu eingeleiteten Untersuchungen sind offenbar breit angelegt. Dies ergebe sich aus den angeforderten Informationen, die ein weites Spektrum der Praxis der Kreditbündelungen abdeckten, berichtet die "New York Times". Welchen Teil des Banken-Geschäftsgebarens Schneiderman unter die Lupe nehmen will, sei noch nicht abzusehen.

Ein Sprecher Schneidermans lehnte einen Kommentar ab - mit Hinweis auf das frühe Stadium der Untersuchung. Auch die genannten Banken wollten zu den Berichten nicht Stellung nehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass New Yorker Ermittler großen US-Banken zu Leibe rücken. Erst kürzlich stellte ein Ausschuss des US-Senats in einem Bericht mehrere US-Banken wegen fragwürdiger Hypothekengeschäfte an den Pranger. Goldman Sachs ist in den Augen der Autoren ein Nutznießer der Finanzkrise. Die Bank habe Kunden getäuscht und die Märkte manipuliert, hieß es. "Bei unseren Untersuchungen sind wir auf eine Schlangengrube voller Gier, Interessenkonflikte und Missetaten gestoßen", heißt es in dem Bericht.

Auch die Deutsche Bank kommt darin schlecht weg. Die Berichterstatter werfen dem Frankfurter Geldhaus vor, mit seinem Verhalten die Finanzkrise befeuert zu haben, indem es wissentlich problematische Hypotheken zu verbrieften Schuldpapieren gebündelt und an Investoren verkauft habe.

Peanuts für Goldman Sachs

Auch Schneidermans Vorgänger Andrew Cuomo und Eliot Spitzer ermittelten aggressiv gegen fragwürdige Praktiken der US-Institute. Teils kam es zu Verurteilungen - die von Verbraucherschützern jedoch kritisiert wurden.

Goldman Sachs etwa musste im Sommer 2010 eine Strafe zahlen, um die Klage der US-Finanzaufsicht SEC wegen Betrugs abzuwenden. Goldman hatte Kunden verhängnisvolle Papiere just angedreht, als der Immobilienmarkt zusammenzubrechen begann. Bei den Titeln handelte es sich um das Hypothekenderivat Abacus 2007-AC1. Besonders missfiel den Wächtern der SEC dabei die Rolle des Hedgefonds-Managers John Paulson. Er hatte an dem Produkt erst mitgearbeitet und es Kunden empfohlen - und später privat Milliarden gegen ebenjenen Markt gewettet, den Abacus 2007-AC1 abdeckte.

Die Geldbuße der SEC gegen Goldman belief sich auf rund 550 Millionen Dollar. Es ist die höchste Strafe, die die Kontrollbehörde jemals verhängt hat. Für Goldman Sachs allerdings sind das Peanuts. Die Summe entsprach damals etwa dem Gewinn von 14 Tagen.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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Seite 1
47/11 17.05.2011
1. Finanzgiganten
Na sowas,wer hätte gedacht, dass die Milliarden nicht sauber und ehrlich verdient wären . Nur Lieschen Müller glaubt noch, dass man reich werden kann, wenn man sich nur eben mehr bemüht .Alle großen Vermögen sind durch Spekulation ( zu Lasten dritter ) und Betrug entstanden .Die Banken sind das Vehikel für die faulen Geschäfte . Daher müssen alle Banken verstaatlicht werden und der Oberaufsicht der Bürger gestellt werden . Die Banken müssen sich auf ihr Kerngeschäft - die Versorgung der heimischen Wirtschaft und der Bürger mit Geld - zurückziehen, die Politik, wqill sie auc h nur einen Funken Respekt zurückgewinnen, muss dazu die Rahmenbedingungen schaffen .
fatherted98 17.05.2011
2. Immerhin....
...bei uns erschöpfen sich die Ermittlungen in Untersuchungsausschüssen und die armen Aufsichtsratsmitglieder konnten ja eh nix dafür, weil überarbeitet und keine Ahnung...tja... Ob wohl aus den Durchsuchugnen bei diversen Landesbanken irgendwann mal etwas raus kommt? Da glaub ich nicht dran.
wahlossi_80 17.05.2011
3. Richtig so.
Der Bankensektor agiert inzwischen rücksichtslos und anscheinend ohne irgendweche moralischen Skrupel. Der Derivatehandel mit faulen Papieren sollte als Betrug mit hohen Freiheitsstrafen der Bankmanager bestraft werden. Wenn nicht endlich mal jemand gegen den Bankensektor vorgeht, können wir uns bald von unseren Demokratien verabschieden, dann stecken die Banken uns einfach in die TSche (sofern sie das nicht schon längst getan haben). Mir persönlich ist es eine Horrorvorstellung, eines Tages von einem Bankenkartell regiert zu werden.
megaptera 17.05.2011
4. Eine bigotte Gesellschaft
USA brauchen dringend Geld, jetzt wird Tabularasa gemacht - ohne Rücksicht auf Verluste. Vor knapp 12 Jahren haben sich speziell die angeslsächsischen Länder gegen den Vorschlag lafontaines, eine stärkere Regelung der Finanzmärkte durchzusetzen, gewehrt. Kann mich noch an den Aufmacher in der SUN erinnern: "Der gefährlichste Mann Europas". Solange die leute so wählen und die Staaten solche Einkommensunterschiede auch noch subventionieren, müssen sich die Bürger nicht wundern. Sind viele menschen eigentlich so masochistisch und obrigkeitsgläubig wie allgemein postuliert wird?
Celestine Trueheart 17.05.2011
5. .
Zitat von sysopGoldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America - die US-Geldelite muss wieder zittern.*Zeitungsberichten zufolge beginnt New Yorks Justiz eine neue Großoffensive gegen Amerikas mächtige Finanzindustrie.*Ermittler prüfen milliardenschwere Wertpapiergeschäfte der Institute. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,762950,00.html
Dieser Artikel widerlegt den hier im Forum oft gemachten Vorwurf, die US-Justiz würde nur gegen ausländische Unternehmen und Finanzinstitute vorgehen, Beispiel die Deutsche Bank, und die eigenen schonen.
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