Washington/New York - Die US-Börsenaufsicht SEC räumt auf: Nach Goldman Sachs muss nun auch die US-Großbank JPMorgan Chase für zweifelhafte Geschäfte mit Hypothekenpapieren büßen. JPMorgan zahlt insgesamt rund 210 Millionen Dollar an Strafe und Wiedergutmachung. Damit kommt die Bank wesentlich günstiger und geräuschloser davon als ihr Wall-Street-Nachbar Goldman Sachs, der vor einem Jahr nach einem spektakulären Verfahren 550 Millionen Dollar zahlen musste.
JPMorgan habe Investoren in die Irre geführt, "gerade als der Häusermarkt anfing zu fallen", erklärte die Börsenaufsicht SEC. JPMorgan zahlt in einem Vergleich knapp 154 Millionen Dollar, um die Ermittlungen ad acta zu legen. Der größte Teil des Geldes kommt den geschädigten Anlegern zugute. In einem weiteren Schritt überweist die Bank Investoren eines ebenfalls gescheiterten Hypothekenpapiers freiwillig etwa 56 Millionen Dollar, wie JPMorgan erklärte. Eine Schuld räumte die Bank bei beiden Geschäften indes ausdrücklich nicht ein.
Der Fall JPMorgan erinnert an das Verfahren gegen Goldman Sachs. Die SEC wirft JPMorgan vor, Investoren eines Hypothekenpapiers darüber getäuscht zu haben, dass ein Hedgefonds bei der Zusammenstellung des heiklen Finanzkonstrukts mitgewirkt und anschließend auf dessen Scheitern gewettet habe. Das sogenannte CDO habe zehn Monate später, als der US-Häusermarkt eingebrochen war, fast seinen kompletten Wert verloren, erklärte die SEC.
Auch Deutsche Bank im Visier
Die US-Justiz und die Regulierungsbehörden verschärfen derzeit ihre Gangart gegenüber den Banken, die bislang kaum für ihre Verfehlungen in der Finanzkrise zur Rechenschaft gezogen wurden. Zuletzt hatte der Bankenregulierer NCUA Klage gegen JPMorgan Chase und die Royal Bank of Scotland eingereicht, weil mehrere US-Genossenschaftsbanken nach dem Kauf von fragwürdigen Hypothekenpapieren zusammengebrochen waren. Der Regulierer verlangt von den beiden Instituten insgesamt mehr als 800 Millionen Dollar.
Auch die Deutsche Bank kämpft gleich an mehreren Fronten mit den US-Behörden: Staatsanwälte der Bundesstaaten New York und Delaware prüfen, ob die Bank ihre Hypothekengeschäfte sauber dokumentiert hat, Ankläger in Los Angeles bezichtigen sie rüder Methoden bei Zwangsräumungen. Ein Untersuchungsausschuss des Senats hatte dem Geldhaus in einem viel beachteten Bericht zudem vorgeworfen, mit seinem Verhalten die Finanzkrise befeuert zu haben
stk/dpa
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