Windkraftbranche unter Druck Fressen oder gefressen werden

Die deutsche Solarbranche ist schon stark angeschlagen, jetzt geraten auch die Hersteller von Windkraftanlagen zusehends unter Druck. Chinesische Konkurrenten holen auf. Jetzt geht es darum, durch Übernahmen oder Partnerschaften schnell zu wachsen - oder unterzugehen.

Windräder in China: Branchenboom in Asien, Rückgang in Europa und Nordamerika
AP

Windräder in China: Branchenboom in Asien, Rückgang in Europa und Nordamerika


München - Der Boom war heftig, aber kurz. In den Jahren 2005 bis 2009 installierten die Hersteller weltweit Windkraftanlagen mit einer Leistung von fast 27 Gigawatt - eine Steigerungsrate von jährlich 35 Prozent. Doch jetzt droht der Absturz: Die Branche leidet unter Überkapazitäten und einem enormen Preisdruck. Die Firmen haben nur eine Chance: Sie müssen so schnell wie möglich wachsen - und das geht nur, indem sie andere Firmen übernehmen. Sonst werden sie selbst gefressen - so die Schlussfolgerung einer Studie der Beratungsfirma Oliver Wyman.

Die Windkraftbranche hat ähnliche Sorgen wie die Hersteller von Solaranlagen: Während der Finanzkrise rutschte sie in die Stagnation, heißt es in der Studie: Zwischen 2009 und 2011 stieg die neu installierte Leistung nur noch um 3,9 Prozent jährlich und das auch nur, weil vor allem in Asien zugebaut wurde.

Chinesische Windkraftanlagenhersteller gehörten 2011 in puncto neu installierte Windkraftkapazität zu den Wachstums-Champions, bei einigen europäischen Firmen schrumpfte die Kapazität dagegen. Die Chinesen würden sich nicht wie bisher ausschließlich in ihrem Heimatmarkt bewegen, heißt es in der Studie weiter, sondern den Boom in Asien nutzen und internationale Konkurrenten übernehmen. Weil ihre Anlagen ähnlich gut, dafür aber günstiger sind, wird der Druck auf die etablierten Anbieter immer stärker.

Überkapazitäten und Preisdruck

Hinzu kommt: Der starke Boom seit 2005 hat dazu geführt, dass die Branche große Überkapazitäten von bis zu 40 Prozent aufgebaut hat, heißt es weiter, was zu einem enormen Preisdruck führe - die Margen der Firmen seien nur noch extrem gering. Weil Wachstum durch neue Aufträge kaum noch möglich sei, blieben nur Übernahmen als "Erfolgsrezept der Zukunft".

Deutlich mehr als zehn Prozent Marktanteil müssten die Firmen haben, um im weltweiten Wettbewerb mithalten zu können - derzeit liegt nur der dänische Marktführer Vestas mit 12,7 Prozent über dieser Marke. Oliver Wyman rechnet in der Studie damit, dass die klassischen großen Kraftwerks- und Anlagenbauer sich in den Markt einkaufen werden, um im Offshore-Geschäft mitzumischen, das immer noch als Boommarkt gilt.

Der Offshore-Markt bietet zwar hohe prozentuale Wachstumsraten, macht aber heute erst drei Prozent der neu installierten Leistung aus. In absoluten Gigawatt-Zahlen bleibt der Zubau im Onshore-Bereich bis 2020 jedoch größer und wird dann noch über 80 Prozent des Gesamtmarkts ausmachen.

Fest steht: Wer zu klein ist um andere Firmen zu übernehmen, muss sich dringend einen Partner suchen: "Die Zeit drängt, der Markt wird jetzt verteilt", heißt es in der Studie.

nck/ssu

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Seite 1
stefanbodensee 12.04.2012
1. wussten wirs nicht schon vorher ?
Jetzt kommt genau das, was Kritiker bereits seit längerem prophezeit haben: stark subventionierte Branchen wie Solar- und Windkraft schwimmen nur solange im Hype mit, bis der Subventionstropf langsam aber sicher dicht gemacht wird. Von der Zeche, die bisher der Stromkunde zahlt, weil hochsubventionierter Stroms durch das Strom-Oligopol kostenmäßig auf ihn umgelegt wird, spreche ich lieber erst gar nicht.
sukowsky, 12.04.2012
2. Die Deutschen fangen schlau an
Zitat von sysopAPDie deutsche Solarbranche ist schon stark angeschlagen, jetzt geraten auch die Hersteller von Windkraftanlagen zusehends unter Druck. Chinesische Konkurrenten holen auf. Jetzt geht es darum, durch Übernahmen oder Partnerschaften schnell zu wachsen - oder unterzugehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827143,00.html
Und da haben wir es wieder die Deutschen fangen schlau an und da ist jemand der es dann viel billiger nachahmt. Also auf wieder zu neuen Ufern in anderen Dingen der Technik nur so kann chinesische Wirtschaft uns wenig anhaben.
Olaf 12.04.2012
3.
Zitat von sysopAPDie deutsche Solarbranche ist schon stark angeschlagen, jetzt geraten auch die Hersteller von Windkraftanlagen zusehends unter Druck. Chinesische Konkurrenten holen auf. Jetzt geht es darum, durch Übernahmen oder Partnerschaften schnell zu wachsen - oder unterzugehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827143,00.html
Natürlich, weder Solarzellen noch Windkraft sind Hightech. Also stehen wir da im Wettbewerb mit Billiglohnländern und den können wir nicht gewinnen, es sei denn wir lassen uns auf eine Lohnspirale nach unten ein. Nur Highechprodukte, die eben nicht einfach in China kopiert werden können, ermöglichen noch eine hohe Gewinnspanne und gute Löhne. Deshalb ist Deutschland ja auch Produktionsstandort von hochwertigen, teuren Autos. Aber auch da wird ja heftig dran gesägt. Erst wenn die letzte Fabrik geschlossen, die letzte Industrie vertrieben und die letzte Produktion unrentabel geworden ist, werdet ihr merken, dass der Staat gar kein Geld hat.
rurei 12.04.2012
4. China
Zitat von sysopAPDie deutsche Solarbranche ist schon stark angeschlagen, jetzt geraten auch die Hersteller von Windkraftanlagen zusehends unter Druck. Chinesische Konkurrenten holen auf. Jetzt geht es darum, durch Übernahmen oder Partnerschaften schnell zu wachsen - oder unterzugehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827143,00.html
China wird auch den Wind dominieren: 1) Seltene Erden, hier Neodym: 97% Produktion in China: für stärkste Magnete für maximalen Wirkungsgrad der Stromerzeugung. China Rare Earth Permanent Magnet ! Produkte: Neodym-Eisen-Bor-Magnet (NdFeB) Ohne Neodym keine Starkmagneten - Serie "Industriemetalle - Achilles-Ferse der | Aktuell | dradio.de (http://www.dradio.de/aktuell/1250397/) für: Neodym - Das Klima-Metall und das chinesische Monopoly (http://www.politikforen.net/showthread.php?88911-Neodym-Das-Klima-Metall-und-das-chinesische-Monopoly) 2) Chinesische Windkraft: Goldwind Global (http://www.goldwindglobal.com/web/index.do) Goldwind Global (http://www.goldwindglobal.com/web/news.do) Es gibt auch die ohne Permanentmagneten, die sind aber nicht so wartungsarm ... und China hat sie auch. kein weiterer Kommentar nötig ... bis auf: Es gibt keine wesentliche Branche, wo national subventionierte Technologien Firmen zu global Playern gemacht haben (kleine Ausnahme vielleicht Luft- und Raumfahrt, wobei bei letzterer gerade mit SpaceX (http://www.spacex.com/) einiges geradegebogen wird). Die national subventionierten waren ganz einfach nicht fit für den Weltmarkt ... wo sollen sie's auch herhaben.
tobiash 12.04.2012
5. Nein, dass wussetn wir noch nicht....
Zitat von stefanbodenseeJetzt kommt genau das, was Kritiker bereits seit längerem prophezeit haben: stark subventionierte Branchen wie Solar- und Windkraft schwimmen nur solange im Hype mit, bis der Subventionstropf langsam aber sicher dicht gemacht wird. Von der Zeche, die bisher der Stromkunde zahlt, weil hochsubventionierter Stroms durch das Strom-Oligopol kostenmäßig auf ihn umgelegt wird, spreche ich lieber erst gar nicht.
denn zum einen wird der Subventionstopf nicht dicht gemacht und zum anderen ist - zumindest der Windstrom - nicht hochsubventioniert. Wenn wir die AKW durch den Staat versichern und den Müll unseren Kindern und Enkeln hinterlassen, sind eben auch dies Subventionen, die leider nur nicht bilanziert werden (weil die zugehörigen Kosten erst sehr viel später entstehen). Wer nach Fukushima noch immer meint, die Kosten für Windenergie seien zu hoch, hat aber auch rein gar nichts daraus gelernt. Würden die wirklichen Kosten für den Atomstrom bezahlt werden, wäre die Windenergie längst wettbewerbsfähig. Die Atomkonzerne dürfen aber noch immer die Versicherungsprämien auf den Staat abwälzen (weil sonst nicht finanzierbar) und den Müll in unsichere Endlager kippen (wobei das Risiko wie z.B. in der Asse dann wiederum der Steuerzahler trägt). Dass der Stromkunde die Zeche zahlt ist nur gerecht, den schließlich benötigt er den Strom auch. Und die kinder und Enkel für den Strom beazhlen zu lassen, ist und bleibt ungerecht. Der einzige Vorteil ist, dass diejenigen, die die Zeche am Ende zahlen sich nicht wirklich wehren können, weil sie nicht wählen dürfen oder - noch besser - noch gar nicht geboren sind!
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