Verschuldeter Windpark-Entwickler Windreich meldet Insolvenz an

"Ich habe alles gegeben": So kommentiert Willi Balz seinen Insolvenzantrag und den Abgang als Chef von Windreich. Justiz und Anleger befürchten schon länger, dass der Windparkfirma die Pleite droht - was Balz noch vor kurzem bestritt.

Ex-Windreich-Chef Balz: Investoren wollten den Managementwechsel
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Ex-Windreich-Chef Balz: Investoren wollten den Managementwechsel


Wolfschlugen - Angesichts von Schulden in dreistelliger Millionenhöhe hat der Windparkbetreiber Windreich Insolvenz angemeldet und damit die seit langem gehegten Befürchtungen von Anlegern bestätigt. Er habe das Verfahren in Eigenregie nach dem neuen Insolvenzrecht beantragt, sagte Unternehmenschef Willi Balz im baden-württembergischen Wolfschlugen. Die 1999 gegründete Firma entwickelt, baut, finanziert und vertreibt Windkraftanlagen an Land und auf offener See. Vor allem vor der deutschen Ostsee- und Nordseeküste hat sie sich Flächen für Windparks gesichert, die ersten Projekte laufen schon.

Balz habe sich mit sofortiger Wirkung aus der Geschäftsführung zurückgezogen, teilte Windreich auf seiner Internetseite mit. Die Leitung habe der bisherige Berater Werner Heer übernommen. Das Amtsgericht Esslingen habe Balz' Antrag bereits genehmigt, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalter-Kanzlei Schultze und Braun. Der Anwalt Holger Blümle solle nun die Sanierung von Windreich begleiten.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") hatte ein Windreich-Gläubiger mit Millionenforderungen bereits vor Tagen einen Insolvenzantrag gestellt. Das zuständige Amtsgericht habe das Verfahren aber zunächst nicht eröffnet, weil Balz offensichtlich glaubhaft machen konnte, dass die Zahlungsschwierigkeiten nur vorübergehender Natur seien.

"Ich trage es mit Anstand, ich habe alles gegeben", wurde Balz von "Handelsblatt Online" zitiert. Sanierer Heer sagte: "In den Gesprächen mit unseren Investoren wurde deutlich, dass ein Managementwechsel Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Fortsetzung unserer Gespräche ist."

Die Lage bei Windreich beschäftigt bereits seit einiger Zeit Behörden und Gerichte. Bis Ende 2012 hatte das Unternehmen gut 300 Millionen Euro Schulden angehäuft und war wegen Abschreibungen auf eine Beteiligung in die roten Zahlen gerutscht. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt seit März gegen frühere und amtierende Vorstände - unter anderem wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, den Balz ausdrücklich zurückwies.

Balz hatte auf einen Befreiungsschlag durch den Verkauf eines Teils des Offshore-Windparks MEG I vor der Insel Borkum für 120 Millionen Euro gehofft. Noch Ende August schickte er einen Brief an die Anleihegläubiger mit der Überschrift: "Das Blatt wendet sich zum Guten - technisch, politisch und wirtschaftlich."

Mit den Mitteln aus dem Verkauf wollte Balz einen 70-Millionen-Euro-Kredit an die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin zurückzahlen. Zeichner der Windreich-Anleihen haben inzwischen vor dem Landgericht Regensburg eine Klage gegen Sarasin eingereicht, weil sie sich schlecht über die Geschäftsaussichten bei Windreich informiert fühlten.

Beim neuen Insolvenzverfahren in Eigenregie ist das betroffene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter zu überlassen. Das Verfahren kann drei Monate lang aufrechterhalten werden. Wird die Sanierung nicht erreicht, droht endgültig die Insolvenz. Die Projektgesellschaft für MEG I solle aus dem Verfahren herausgehalten werden, sagte der neue Windreich-Chef Heer.

dab/Reuters /dpa

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kraus.roland 09.09.2013
1. Menetekel
Opfer der halbdurchdachten und schlecht orchestrierten "Energiewende"???
de_miranda 09.09.2013
2. Jetzt
Jetzt geht die Pleitewelle der Windmüller los nach dem PV-Ende. Die Argogasbetreiber sind auch auf Kurzarbeit. Zukunftsbranche? Pustekuchen.
bertram.huber 09.09.2013
3. Wer Wind säht ...
... wird Sturm ernten. Na "Herr Willi Balz"? War wohl nicht genug Wind in Deutschland um die megasubventionierten Schlagschattengeneratoren "wirtschaftlich" zu betreiben. Was hier passiert ist, ist der Anfang vom Ende einer sinnlosen Technik um die sogenannte "Energiewende" herbeizureden.
ash26e 09.09.2013
4. Es wird halt immer offensichtlicher
daß mit Hirnfürzen kein Staat zu machen ist!
sf60 09.09.2013
5. Ist das...
Zitat von bertram.huber... wird Sturm ernten. Na "Herr Willi Balz"? War wohl nicht genug Wind in Deutschland um die megasubventionierten Schlagschattengeneratoren "wirtschaftlich" zu betreiben. Was hier passiert ist, ist der Anfang vom Ende einer sinnlosen Technik um die sogenannte "Energiewende" herbeizureden.
...Ihr ernst? Was ist denn bitteschön die Alternative? Kohle? Atomkraft etwa? Es ist eine Frage der Zeit, bis eines der maroden AKWs, die es zu genüge um uns herum gibt, havariert. Mal sehen, ob Sie dann immer noch so schlau daher schwadronieren. Und was die Wirtschaftlichkeit angeht: Kohle und Atom wurden in den letzten Jahrzehnten in diesem Land dermaßen subventioniert, da reden wir bei den bisher gezahlten EEG-Umlagen von Peanuts! Das Problem ist: Die Regierung und leider auch die Oppositionsparteien haben kein schlüssiges Konzept für die Energiewende und manche Politiker, die in den Aufsichtsräten der großen Energiekonzerne sitzen und von diesen bezahlt werden, wollen schlicht und ergreifend keine Änderung hin zur dezentralen Energieversorgung.
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