Aus für Windparkfinanzierer Prokon meldet Insolvenz an

Ende mit Schrecken: Der Windparkbetreiber Prokon hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen zeigt sich dennoch kampfeslustig - und glaubt fest daran, die "Schwierigkeiten zu überstehen".

Windräder in Bayern: Aus für den Windparkfinanzierer Prokon
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Windräder in Bayern: Aus für den Windparkfinanzierer Prokon


Hamburg - Jetzt also doch: Der Windparkbetreiber Prokon hat mitgeteilt, dass er beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet hat. Das Gericht bestellte am Mittwoch den Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin zum Insolvenzverwalter für die Prokon Regenerative Energien GmbH. Das Ziel des vorläufigen Insolvenzverfahrens sei "die Sicherung und der Erhalt des Unternehmensvermögens", sagte Penzlin. Der Geschäftsbetrieb von Prokon werde zunächst "in vollem Umfang fortgeführt".

Löhne und Gehälter können laut Penzlin bis einschließlich April 2014 über Insolvenzgeld vorfinanziert werden. Rückzahlungen von Genussscheinkapital oder Zinsen seien derzeit nicht möglich. Forderungen könnten erst angemeldet werden, wenn das Insolvenzverfahren später eröffnet werden sollte.

"Wir sind nach wie vor operativ gut aufgestellt und sind zuversichtlich, dass wir die aktuellen Schwierigkeiten überstehen werden", schreibt Prokon in einer auf der Internetseite veröffentlichten Mitteilung an die "lieben Genussrechtsinhaber". Der Antrag müsse zunächst auf seine Zulässigkeit geprüft werden, was einige Monate in Anspruch nehmen werde.

Ein seinen Anlegern gestelltes Ultimatum des Unternehmens, ihr Geld nicht abzuziehen, war am Montag ohne Erfolg abgelaufen. Prokon hatte vor allem bei Kleinanlegern 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten eingesammelt, 95 Prozent von ihnen hätten eine Erklärung abgeben müssen, nach der sie ihre Genussrechte zunächst behalten und nicht kündigen würden. Ihr Geld dürfte mit der Insolvenz jetzt weitgehend verloren sein.

Zum Ultimatum hatten lediglich 52 Prozent die von Prokon erhoffte Treueerklärung abgegeben. Das Unternehmen ist fast vollständig durch Genusskapital finanziert. Nachdem es in eine Liquiditätsklemme geraten ist, kann es gegenwärtig weder die Zinsen auf die Genussrechte noch gekündigte Papiere auszahlen. Vor zwei Wochen hatte der Windparkfinanzierer seine Anleger überraschend vor einer drohenden Insolvenz Ende Januar gewarnt, sollten sie ihr Kapital abziehen.

Sieg vor Gericht

Vor Gericht hatte Firmengründer Carsten Rodbertus am Mittwoch noch einen Sieg errungen: Das Landgericht Itzehoe wies den Antrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf Erlass einer einstweiligen Verfügung ab. Verbraucherschützer hatten Rodbertus vorgeworfen, die Anleger mit dem Schreiben erpresst zu haben. Das Gericht fand daran allerdings nichts auszusetzen. Es sei zulässig, den Anlegern "mit deutlichen Worten vor Augen zu führen, dass das plötzliche Abziehen von Genussrechtskapital in größerem Umfang drastische, ja existenzbedrohende Folgen für die Gesellschaft haben kann, an der alle Genussrechtsinhaber beteiligt sind".

Rodbertus hatte Prokon 1995 gegründet. Das Unternehmen im schleswig-holsteinischen Itzehoe mit insgesamt 1300 Mitarbeitern ist ein wichtiger Finanzierer von Windparks, investiert aber auch in Bioenergie. Es hatte mit einer festen Verzinsung von sechs Prozent geworben und vielfach bis zu acht Prozent Zinsen ausgezahlt. Das Unternehmen kann nach eigenen Angaben derzeit keinerlei Rück- oder Zinszahlungen leisten.

nck/aar/AFP/dpa

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insgesamt 128 Beiträge
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Marvel Master 22.01.2014
1. > 8%...
Hallo, dieses POsting ist für jetzt und für die Zukunft. Wenn Ihnen jemand > 8% verspricht, können Sie fast immer davon ausgehen, dass es so endet wie in diesem Fall. Sonst wären ja schliesslich alle reich. Es funktioniert einfach nicht. Die Gier sorgt nur dafür, dass solche Projekte immer wieder beim Menschen GEhör finden. VG Marvel
mercadante 22.01.2014
2. VOrsicht , lassen wir uns nicht nur von Geld und Zahlen
führen . Die Regierung hat zwischen 2008 und 2011 etwa 74 Milliarden Steuergelder für die Rettung von Banken und Sparkassen eingesetzt , es wäre zu erwarten dass auch jetzt intervenieren würde , könnte man die "Anleger retten " und das Unternehmer kann weiter atmen .
joha80 22.01.2014
3. Abwarten
"Ihr Geld dürfte mit der Insolvenz jetzt weitgehend verloren sein." Mal abwarten. Schließlich ist Prokon kein Geldverleiher ohne Substanz, sondern im Besitz von echten Sachwerten, allen voran Windparks, und wahrscheinlich auch wertvoller Patente für moderne Windkraftanlagen. Nach derzeitigen Webseitenstand müssen rund 100 Millionen Euro an Genussrechtsinhaber gezahlt werden, die diese kündigen wollen. Bei einem Gesamtwert von über einer Milliarde sehe ich da Spielraum für den Insolvenzverwalter.
ariovist1966 22.01.2014
4. Geschmäckle
Zitat von sysopDPAEnde mit Schrecken: Der Windparkbetreiber Prokon hat Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Itzehoe bestellte nach eigenen Angaben einen Insolvenzverwalter für die Prokon Regenerative Energien GmbH. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/windparkfinanzierer-prokon-meldet-insolvenz-an-a-945019.html
hat die ganze Sache schon. Erst die Ankündigung des Antrages und davor die mehr oder weniger intensive Bearbeitung der Genussrechtsinhaber, nicht zu kündigen oder auf die Rückzahlung zunächst befristet zu verzichten. Hoffentlich prüft die Staatsanwaltschaft genau, wann erstmalig ein Insolvenzeröffnungsgrund vorlag und ob der Insolvenzantrag noch rechtzeitig kam.
pitterw 22.01.2014
5. Kein Mitleid...
Zitat von sysopDPAEnde mit Schrecken: Der Windparkbetreiber Prokon hat Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Itzehoe bestellte nach eigenen Angaben einen Insolvenzverwalter für die Prokon Regenerative Energien GmbH. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/windparkfinanzierer-prokon-meldet-insolvenz-an-a-945019.html
...mit Anlegern, die aus reiner Geldgier auf 8% Renditeversprechen hereingefallen sind, obwohl doch spätestens seit der Lehman-Pleite 2008 auch der Dümmste wissen muß, daß solche Renditen unseriös sind. Als Beispiel für die Schutz- und Unterstützungswürdigkeit wird dann die sprichwörtliche „Alte Oma“ aus der Schublade geholt – Oma hätte ihr Geld besser in ihre Rentenversicherung gezahlt, dann hätte sie weinigsten noch was davon. Ganz offen, ich empfinde eine tiefe Schadenfreude für jeden, der hier sein Geld verloren hat. (Das Geld ist ja volkswirtschaftlich nicht weg, es hat jetzt nur ein Anderer!). Und dann kommen so Argumente wie „Das Geld wurde in langfristige Sachwerte investiert“, sebst der unvermeidliche Holzhammer „1.300 Arbeitsplätze“ wird herangezogen. Verschwiegen wird dabei, dass diese Sachwerte ja nur etwas “Wert“ sind, solange der Verbraucher mit überhöhten Strompreisen geschröpft wird und diese Dinger davon selbst dann bezahlt werden, wenn sie nur dastehen und gar keinen Strom liefern. Verschwiegen wird, das es sich bei den Arbeitsplätzen nicht etwa um Ingenieure , Schlosser und Elektriker handelt, die Windkraftwerke bauen, sondern eher um „Drücker und Klinkenputzer“ auf der täglichen Suche nach neuen Dummen. Und die Oma, die jetzt ihr mühsam Erspartes verloren hat? Die lassen wir keineswegs im Regen stehen, die bekommt ja auf jeden Fall Hartz IV.
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