Berlin - Rüdiger Grube ist stets freundlich, hat hier noch ein nettes Wort für einen Mitarbeiter und dort noch eine Anekdote parat. Für viele Bahn-Beobachter ist dies angesichts seines Haudrauf-Vorgängers Hartmut Mehdorn bereits ein Fortschritt. Nur: Die Qualität der Dienstleistung hat sich auch unter Grube nicht wirklich verbessert - siehe kaputte Klimaanlagen im Sommer und permanente Verspätungen und Zugausfälle im Winter.
Nun hat Grube immerhin Defizite seines Unternehmens im Schneechaos der vergangenen Wochen eingeräumt. Obwohl sich das Unternehmen "deutlich besser als im Vorjahr auf den Winter vorbereitet" habe, gebe es angesichts der Probleme im Zusammenhang mit der Witterung "nichts schönzureden", sagte Grube der "Bild am Sonntag". Die Bahn müsse besser werden. Grube kündigte "milliardenschwere Investitionen in eine neue IC- und ICE-Flotte" an.
Vor einem Sondertreffen der Landesverkehrsminister am Montag bat Grube indes um Objektivität bei der Bewertung der Zugverspätungen und Zugausfälle in den zurückliegenden Wochen. "Bei allen Herausforderungen erbitte ich Fairness in der Beurteilung der Lage. Der vergangene Dezember war der härteste Wintermonat seit über vier Jahrzehnten", so Grube. "Unsere Mitarbeiter haben unter ungewöhnlich schwierigen Bedingungen einen tollen Job gemacht."
Ramsauer: "Winter taugt nicht als Ausrede"
Am Montag kommen die Verkehrsminister der Länder zu einer Sonderkonferenz zusammen, um die Qualitätsprobleme der Bahn im Winter zu erörtern. Die Länder fordern höhere Investitionen des Staatsunternehmens. Der Bund solle dafür auf eine Gewinnausschüttung der Bahn in Höhe von 500 Millionen Euro pro Jahr verzichten.
In der Vorlage, die der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Harry Voigtsberger (SPD) bei einer Sondersitzung der Länderkollegen mit Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Montag einbringen will, heißt es nach SPIEGEL-Informationen: Statt an den Staat zu fließen, solle das Geld künftig "in den Bereichen der Infrastruktur, der Fahrzeuge, der Werkstätten und des Personals" investiert werden.
Eine Aufstockung der Finanzreserven für diese Zwecke trüge "erheblich" dazu bei, "Zugverspätungen und -ausfällen vorzubeugen". Die "Qualitätsmängel" seien bei den extremen Witterungsbedingungen der vergangenen Wochen erneut "über das normale Maß weit hinausgegangen" und "systemimmanenter Art".
Die Bundesregierung weist die Forderung der Länder jedoch zurück. Das Geld sei im Sparpaket und im Bundeshaushalt 2011 fest eingeplant und Teil der mittelfristigen Finanzplanung, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. "Daran wird nicht gerüttelt."
Verkehrsminister Ramsauer drohte den Bahn-Verantwortlichen mit Konsequenzen für ein mögliches Fehlverhalten im Winterchaos und mahnte - ungeachtet der Dividende - mehr Investitionen an. Wie Grube nutzte er für die Breitseite die "Bild am Sonntag": "Wenn sich herausstellt, dass es vermeidbares Chaos gab, muss es Konsequenzen geben. Als Ausrede taugt der Winter in Deutschland nicht - und auch nicht die Fehler der Vergangenheit."
böl/Reuters/dpa
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