Nach Aktienturbulenzen Wirecard steht vor Sammelklagen in den USA

Dreimal innerhalb einer Woche haben die Aktien von Wirecard nach kritischen Berichten der "Financial Times" drastisch an Wert verloren. Die Gerüchte bescheren dem Unternehmen in den USA nun rechtlichen Ärger.

Firmensitz von Wirecard in Aschheim
REUTERS

Firmensitz von Wirecard in Aschheim


Der Zahlungsdienstleister Wirecard muss nach Kursturbulenzen und Berichten über mögliche Bilanzierungsverstöße in den USA mit Gerichtsprozessen rechnen: Mehrere US-Kanzleien haben in den vergangenen Tagen von Kursverlusten betroffene Anleger dazu aufgerufen, sich Sammelklagen anzuschließen. Die ersten Sammelklagen wegen angeblicher Verstöße gegen Wertpapiergesetze wurden bereits eingereicht.

Unter den Anwaltsfirmen, die Wirecard ins Visier nehmen, ist auch die bekannte US-Kanzlei Hagens Berman, die schon etlichen anderen Konzernen wie etwa Volkswagen in der Dieselaffäre zu schaffen machte. "Wir konzentrieren uns auf Verluste von Investoren, das Ausmaß, in dem die Unternehmensführung an Luftbuchungen beteiligt gewesen sein könnte, und die Frage, ob Anleger womöglich in die Irre geführt wurden", sagte Hagens-Berman-Partner Reed Kathrein.

Ein Sprecher von Wirecard sagte der Nachrichtenagentur dpa dazu: "Da die Vorwürfe keine Grundlage haben, gibt es auch keine Grundlage für potenzielle Klagen in dieser Angelegenheit." Zumindest nicht, soweit sich die Vorwürfe gegen Wirecard richten sollten. Den Vorgang sehe man entspannt.

Berichte der "Financial Times" über Vorwürfe wegen angeblicher Kontomanipulationen und Dokumentenfälschungen gegen einen Wirecard-Mitarbeiter in Singapur hatten die Aktie zuletzt wiederholt kräftig unter Druck gesetzt: Innerhalb einer Woche brach sie dreimal jeweils um bis zu 25 Prozent ein; ein viertes Mal stürzte sie ab, nachdem die Polizei das Büro in Singapur durchsucht hatte.

Wirecard gibt an, die Vorwürfe bereits seit Längerem intern sowie extern zu untersuchen, dabei habe es bisher keine Feststellung eines Fehlverhaltens gegeben. Das Unternehmen hat die Berichte der "Financial Times" stets zurückgewiesen und will rechtliche Schritte gegen die Zeitung einleiten.

In Singapur untersuchen die Behörden den Fall. In Deutschland prüfen die Finanzaufsicht Bafin und die Staatsanwaltschaft München, ob es sich um Marktmanipulation, also eine gezielte Attacke von Spekulanten, handeln könnte. Gegen Verantwortliche von Wirecard ermittelt die Staatsanwaltschaft aufgrund eines nicht ausreichenden Anfangsverdachts nicht.

kko/dpa



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