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IW-Umfrage: Wirtschaft setzt auf Konsumlust der Deutschen

Supermarktkasse: Einzelhandel hofft auf das Weihnachtsgeschäft Zur Großansicht
DPA

Supermarktkasse: Einzelhandel hofft auf das Weihnachtsgeschäft

Deutsche Unternehmen blicken mit einiger Sorge auf die globale Wirtschaft - und setzen ihre Hoffnung deshalb auf den Inlandskonsum. In Europa steht die Bundesrepublik gut da, in Frankreich dämpfen die Anschläge die Konjunktur.

Die Adventszeit naht. Die Geschäfte füllen sich, die Portemonnaies sitzen lockerer als zu anderen Jahreszeiten. Aber auch generell setzt die Wirtschaft in Deutschland auf den Inlandskonsum: Die Kauflust der Deutschen werde das Wachstum im kommenden Jahr tragen, teilt das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln mit.

Allerdings werde das deutsche Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr leicht nachlassen. Nach einem Plus um etwa 1,75 Prozent in diesem Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt noch um 1,5 Prozent zulegen, prognostiziert das IW.

Gleichzeitig fordern die Konjunkturforscher die Regierung auf, den Arbeitsmarkt flexibler zu gestalten: "Wenn die Politik Zeitarbeit und Werkverträge wie geplant einschränkt, können Unternehmen kaum auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren. Dann bleiben positive Beschäftigungseffekte aus", mahnte IW-Direktor Michael Hüther. Dass wachsende Unsicherheiten am Arbeitsmarkt die Konsumlaune in Deutschland auch dämpfen könnten, thematisiert die Mitteilung hingegen nicht.

Arbeitgeber wehren sich gegen das neue geplante Gesetz für Leiharbeit. Insgesamt seien die deutschen Firmen in Sachen Beschäftigung aber "noch recht zuversichtlich", sagen die Forscher am IW. Rund 28 Prozent wollen demnach 2016 neue Mitarbeiter einstellen, 17 Prozent werden dagegen Personal abbauen.

Insgesamt blicken die Unternehmen dem Institut zufolge aber nur verhalten optimistisch auf das Jahr 2016. Gründe dafür seien vor allem die Schwäche der Weltkonjunktur und der Schwellenländer wie China, Brasilien und Russland, schreibt das IW. Aber auch die unklaren Folgen des Flüchtlingszustroms verunsichern die Firmen in Deutschland, geht aus einer IW-Umfrage unter 3000 Unternehmen hervor.

Das IW appellierte an die Politik, für Flüchtlinge und Investitionen keine neue Schulden zu machen. "Diese Mehrkosten müssen aus den aktuellen Steuermehreinnahmen gestemmt werden und indem an anderer Stelle gespart wird", sagte IW-Direktor Hüther. Das sei ohne Probleme möglich.

Eurowirtschaft trotzt Anschlägen - nur Frankreich schwächelt

Während Deutschland im europäischen Vergleich positiv dasteht, muss Frankreich nach den Pariser Anschlägen einen Konjunkturdämpfer befürchten. Der Ausblick für die Eurozone insgesamt bleibt stabil . Der Einkaufsmanagerindex für die französischen Dienstleister gab im November um überraschend deutliche 1,4 auf 51,3 Punkte nach, teilte das Institut Markit in einer Unternehmensumfrage mit.

"Der Hauptgrund dafür sind die Anschläge", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Er geht aber nicht davon aus, dass die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone nun vor einem Abschwung steht - zumal Werte über 50 Wachstum signalisieren.

Die Konjunkturerholung in der Eurozone gewann ungeachtet der Anschläge und der mauen Weltkonjunktur sogar an Kraft: Der gemeinsame Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister kletterte überraschend auf den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren. Er legte um 0,5 auf 54,4 Zähler zu.

Die positiven Ergebnisse gehen neben der Belebung in langjährigen Krisenstaaten wie Italien und Spanien auch auf die deutsche Wirtschaft zurück. Hierzulande kletterte der Einkaufmanagerindex für Industrie und private Dienstleister um 0,7 auf 54,9 Punkte. "Das Wirtschaftswachstum hat sich in Deutschland weiter beschleunigt", sagte ein Markit-Mitarbeiter. Die Manager wurden vom 12. bis 20. November befragt, wobei die meisten Antworten nach den Pariser Anschlägen vom 13. November eingingen.

bos/Reuters

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insgesamt 11 Beiträge
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1.
marthaimschnee 23.11.2015
Daß diese Kauflust von der Lust der Unternehmer zu angemessenen Löhnen getragen werden muß, darüber reden wir lieber nicht. Stattdessen im gleichen Atemzug die ungehinderte Fortführung der Ausplünderung von Leiharbeitern fordern.
2. Kauflust ohne Geld
specialsymbol 23.11.2015
Oh, Lust haben bestimmt einige das eine oder andere zu kaufen. Eine neue Waschmaschine? Dafür muss der durchschnittliche Deutsche 20 Monate sparen (60€ Sparquote). Oder er geht zweimal mit dem Partner ins Kino, dann sind es 21 Monate.
3. Konsumlaune und Kaufkraft
thequickeningishappening 23.11.2015
sind zwei Paar Schuhe. Aber die Einkaufsmanager kommen zu dem Schluss, dass Zeitvertraege und Leiharbeit die Konsumlaune anheizen. Meine persoenlische Meinung ist nach wie vor: wir gehen beim Konsum in die Deflation.
4. Konsumlaune
Joe_Average 23.11.2015
Die Konsumlaune sorgt hauptsächlich dafür, dass Peter Zwegat nicht arbeitslos wird.
5. Spaniens Wirtschaft im Aufwind
adolfo1 23.11.2015
ist ja Wahnsinn, nur über die Schattenseiten wird nicht gesprochen, nämlich dass dort von ca. 5 Mio. Arbeitslosen ca. 3,7 Mio. keinerlei Unterstützung vom Staat erhalten, weil sie für ca. 3 Mio. ausgelaufen ist (Hartz4 gibt es nicht) und für ca. 700 Tsd keinerlei Unterstützung behalt wurde, weil sie nie gearbeitet haben (Quelle: El Pais). PS: die neu geschaffenen Arbeitsstellen sind lt. dortiger Presse in der Mehrzahl prekäre Jobs.
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