Hohes Ausfallrisiko Lieferungen nach Russland kaum versicherbar

Die aufgrund der westlichen Sanktionen und des Ölpreisverfalls kriselnde russische Wirtschaft bereitet deutschen Unternehmen Schwierigkeiten. Deutsche Mittelständler erhalten für Lieferungen nach Russland kaum noch Kreditversicherungen - das Ausfallrisiko ist zu hoch.

Moskau im Winter: Kreditversicherer meiden Russland
REUTERS

Moskau im Winter: Kreditversicherer meiden Russland


Düsseldorf - Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland erhalten für ihre Lieferungen nach Russland offenbar kaum noch Kreditversicherungen. Vielen der Versicherungen, die einspringen wenn ein Kunde seine Rechnung nicht bezahlt, ist das Ausfallrisiko in Russland einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge zu groß geworden. Thomas Krings, Risikovorstand des weltgrößten Kreditversicherers Euler Hermes, sagte der Zeitung: "Wir bewerten Russland sehr vorsichtig und mit erheblichem Risiko." Bislang hatte der Konzern lediglich von einem "mittleren Risiko" gesprochen.

Auch die genossenschaftliche R+V-Versicherung meidet demnach Russland. "Beim russischen Markt sind wir angesichts möglicher Risiken, die nur schwer abzuschätzen sind, aktuell sehr zurückhaltend", sagte Rudolf Servatius, Bereichsleiter Banken und Kredit dem Bericht zufolge. Der niederländische Kreditversicherer Atradius äußerte sich ebenfalls skeptisch. "Russische Unternehmen fragen bereits vermehrt nach längeren Zahlungszielen", sagte eine Sprecherin der Zeitung.

Euler Hermes erwartet demzufolge, dass die Zahl der Firmenpleiten in Russland 2015 um zehn Prozent steigen wird. Russlands Wirtschaft leidet wegen der Wirtschaftssanktionen des Westens unter dem Verfall des Rubels. Die russische Währung hat in den vergangenen sechs Monaten gegenüber dem Euro um fast 40 Prozent an Wert verloren. Für deutsche Unternehmen, die nach Russland exportieren, ist das ein wachsendes Problem: Wegen des Kaufkraftverlustes können sich viele Russen die Produkte aus Deutschland immer weniger leisten.

nck

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insgesamt 18 Beiträge
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sebastian.teichert 09.01.2015
1. Und das Problem?
Ist natürlich blöd. Aber es ist durchaus üblich in Länder oder Regionen, die unsicher sind, nur gegen Vorkasse zu verschicken. Das ist jetzt aber auch nicht erst seit gestern so! Da muss man doch nichts versichern?
TontonTombi 09.01.2015
2. im Grunde kein Problem
im Grunde ist das kein Problem, wenn die Kundschaft per L/C bezahlt (oder noch besser: Vorkasse). Aha, hier wird der Knackpunkt sein: sie haben dazu kein Geld. Na, dann ist das natürlich risikobehaftet, an "mittellose" Firmen mit Zahlungsziel zu liefern. Vielleicht sollte die russische Zentralbank dann halt mal aufraffen, und günstigere Konditionen einrÄumen (nachdem sie ja erst die Zinsen hochgeknallt haben). Die haben ja (angeblich) ein paar hundert Milliarden in der Reserve. Wenn diese allerdings auch ihren eigenen Geschäftsleuten & Banken nicht trauen sollten, ja warum sollten dann europäische Lieferanten & Kreditversicherer weniger vorsichtig sein? Keine Angst Leute, Geschäfte laufen Euch dadurch nicht weg. Wenn diese Probleme haben, europäische Lieferanten zu bedienen, dann werden aussereuropäische Lieferanten sicherlich auch nicht zuverlässiger bezahlt.
NAL 09.01.2015
3. Na ja, die deutschen Firmen leiden nicht
sie sind bestimmt happy, das sie eingrosses Absatzland verloren haben und ihre Arbeiter keine Arbeit mehr haben. Diese einseitige Betrachtungsweise ist nur noch traurig. Die Euro-Schwäche kommt sicher auch von der gut gehenden Wirtschaftslage und dem niedrigen Erdöl Preis. Letztendlich werde die "Verbraucher" den Preis für die be… Politik zahlen.
n.nixdorff 09.01.2015
4. Das ist doch logisch.
Wenn ein potentieller Gläubiger als unseriös eingestuft wird, leiht man ihm kein Geld und er muss Waren die er kaufen will, sofort bezahlen. Versuchen Sie doch mal, wenn Sie arbeitslos sind, ein Haus zu kaufen und mit Fremdmitteln zu finanzieren oder auch nur einen Kleinkredit aufzunehmen. Sie werden keinen Erfolg haben. Das mit Russland sollte uns aber nicht weiter beunruhigen. Erstens ist Russland als Kunde für die deutsche Industrie relativ bedeutungslos und zweitens wird die Lage sich bessern, wenn Putins Ukraine-Abenteuer von ihm oder anderen beendet wird.
ghanima23 09.01.2015
5.
In anderen Worten, die Sanktionen und ihre Folgen erreichen langsam die heimische Wirtschaft.
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