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Wirtschaftskrise: Welthandel erleidet Rekordeinbruch

Der weltweite Handel ist im Jahr 2009 so stark eingebrochen wie seit 1945 nicht mehr. Laut WTO ging der Austausch von Waren und Dienstleistungen um zwölf Prozent zurück.

Hamburger Hafen: Weltweiter Handel brach im vergangenen Jahr um zwölf Prozent ein Zur Großansicht
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Hamburger Hafen: Weltweiter Handel brach im vergangenen Jahr um zwölf Prozent ein

Brüssel/Wiesbaden - Der Welthandel ist im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen. Gegenüber dem Vorjahr sei der Austausch von Waren und Dienstleistungen um zwölf Prozent zurückgegangen, sagte der Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO), Pascal Lamy, am Mittwoch in Brüssel. Damit verzeichnet der weltweite Handel einen Rückgang wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr.

Anfang Dezember hatte die in Genf beheimatete WTO noch mit einem Einbruch von zehn Prozent gerechnet. Der Rückgang ist demnach vor allem eine Folge der wirtschaftlichen Krise in den Industrieländern. Die Situation macht den Abschluss der sogenannten Doha-Runde zur Liberalisierung des weltweiten Handels in Lamys Augen noch dringlicher. Es sei "wirtschaftlich zwingend", die Verhandlungen in diesem Jahr abzuschließen, sagte Lamy.

In der Doha-Runde geht es um den Abbau von Handelsschranken wie Zöllen oder Einfuhrkontingenten, aber auch um Fragen wie die des geistigen Eigentums. Die 2001 begonnenen Verhandlungen stocken seit Jahren. Strittig ist zum Beispiel, wie weit Entwicklungsländer ihre Märkte für Waren aus den Industriestaaten öffnen und sie damit deren Konkurrenz aussetzen sollen.

Dax rutscht ab - Rezession noch nicht überwunden

Am Aktienmarkt drückten die unsicheren Konjunkturperspektiven die Stimmung. Der deutsche Aktienindex rutschte ins Minus, erholte sich aber wieder. Seit Wochenbeginn hat der Leitindex rund 2,5 Prozent nachgegeben. "Zum Jahreswechsel wurde groß gefeiert, dass die Rezession überwunden ist, jetzt stellen wir fest, dass die Erholung tatsächlich holprig ist", sagte Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg.

"Der schwache Ifo-Index und das US-Verbrauchervertrauen gestern haben durchaus einen Schock ausgelöst", sagte ein Händler. "Es ist unglaublich schwer, Anleger zum Einstieg zu motivieren, wenn der Markt derart schnell einknickt." Dazu kämen laut Aktienanalyst Köhler die Sorgen um die wirtschaftliche Lage in Griechenland.

Am Mittwochvormittag hatte das Statistische Bundesamt außerdem bekannt gegeben, dass Deutschland im Krisenjahr 2009 tiefer in die roten Zahlen gerutscht ist, als bisher angenommen. Das Staatsdefizit habe im vergangenen Jahr 79,3 Milliarden Euro betragen, teilte die Behörde mit. Die gesamtstaatliche Neuverschuldung kletterte damit auf 3,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Deutschlands Defizit größer als erwartet

Damit überschritt Deutschland erstmals seit 2005 wieder die Maastricht-Grenze, die ein Defizit von maximal drei Prozent des BIP erlaubt. Schon von 2002 bis 2005 hatte Deutschland diese Hürde gerissen. Im Juni 2007 stellte Brüssel das Defizitverfahren gegen Deutschland ein. 2008 hatte Deutschland einen ausgeglichenen Haushalt. Die drastische Verschlechterung der öffentlichen Finanzen im Vergleich zu 2008 ist nach Angaben der Bundesbank zu knapp 50 Prozent auf die Konjunkturentwicklung zurückzuführen.

Im Januar waren die Statistiker für das Jahr 2009 zunächst von einem Fehlbetrag von 77,2 Milliarden Euro und einer Defizitquote von 3,2 Prozent ausgegangen. Ökonomen hatten mit einem deutlich negativen Ergebnis gerechnet, da neben den Konjunkturprogrammen auch die Kurzarbeit und die infolge der Wirtschaftskrise sinkenden Steuereinnahmen die öffentlichen Haushalte belasteten.

lgr/AFP/Reuters/dpa-AFX

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
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1. Ja! Und?
BardinoNino 24.02.2010
Zitat von sysopDer weltweite Handel ist im Jahr 2009 so stark eingebrochen wie seit 1945 nicht mehr. Laut WTO ging der Austausch von Waren und Dienstleistungen um 12 Prozent zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,680012,00.html
Wer ist denn nun überrascht?
2. Binnenmarkt und Arbeitsmarkt
Stefanie Bach, 24.02.2010
Zitat von sysopDer weltweite Handel ist im Jahr 2009 so stark eingebrochen wie seit 1945 nicht mehr. Laut WTO ging der Austausch von Waren und Dienstleistungen um 12 Prozent zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,680012,00.html
Die erste und wichtigste Konsequenz für die deutsch Politik müsste nun sein, den Binnenmarkt und den Arbeitsmarkt in Ordnung zu bringen. CDU und FDP scheinen vor dieser Herausforderung zu versagen. Soziales Konjunkturprogramm statt Not und Realitätsverlust (http://www.plantor.de/2009/soziales-konjunkturprogramm-statt-not-und-realitatsverlust/)
3. Der Spiegel nervt
llothar 24.02.2010
Immer diese aufpuschenden Meldungen darüber das Banken die sich jetzt dank geänderter Bilanzregeln irgendwelche Gewinnzahlen ausdenken können auch wirklich Gewinne machen, Meldungen das die weichen Indikatoren (IFO Index und Verbrauchervertrauen - glauben, hoffen und vermuten) doch anziehen. Alls das wird bejubelt. Und dann kommen solche hundsgemeinen Fakten aus der Realität. Denn wer sich auf ordentlich informierenden Webseiten aufhält der weiss das die Krise immer noch im vollen Gang ist und eine Auflösung des Euro, der EU und der USA in Greifbarer Nähe steht. Und noch nicht einmal hat der Spiegel eine ökonomische Auswertung gegeben was für ein Scenario uns erwartet wenn Peak-Oil doch kommt? Ne die Jubelhamburger drücken sich darum und lullen den Bürger lieber weiter ein.
4. Welthandel und Ökologie
Sackaboner 24.02.2010
Zitat von sysopDer weltweite Handel ist im Jahr 2009 so stark eingebrochen wie seit 1945 nicht mehr. Laut WTO ging der Austausch von Waren und Dienstleistungen um 12 Prozent zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,680012,00.html
Das bedeutet eine Atempause für die Natur, für die Rohstoffressourcen, für die von Menschen gemachten Zerstörungen weltweit. Der Welthandel kann ruhig noch weiter zurückgeschraubt werden. Die Menschen sollen wieder vernünftige Güter produzieren, auch Textilien und Elektronik, die haltbar ist, in unseren Landen. Und Modelleisenbahnen aus Göppingen!
5. wer soll denn auch noch nachfragen...
benny.lindström 24.02.2010
... wenn keiner mehr kohle hat um etwas zu kaufen ausser 'denen da oben' die aber massenmäßig leider zu wenig sind?
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Die Maastricht-Kriterien
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Die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion ist nach dem Vertrag von Maastricht an fünf Kriterien geknüpft. Sie sollen sicherstellen, dass die Euro-Länder sich wirtschaftlich so angenähert haben, dass sie reif für eine gemeinsame Währung sind:

1. Die Neuverschuldung soll nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen.

2. Für die Staatsverschuldung gilt ein Richtwert von 60 Prozent des BIP, den die Länder einhalten oder dem sie sich annähern sollen.

3. Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten Länder liegen.

4. Die langfristigen Zinssätze dürfen nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Länder liegen.

5. Die Währung muß sich mindestens zwei Jahre spannungsfrei und ohne Abwertung im Europäischen Währungssystem bewegt haben.


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