Reform des Finanzsystems Nobelpreisträger Shiller fordert Girokonto für alle

Als Krisenprophet wurde Robert Shiller bekannt. Jetzt macht der diesjährige Wirtschaftsnobelpreisträger einen Verbesserungsvorschlag fürs Finanzsystem: Jeder Bürger solle das Anrecht auf ein Girokonto bekommen, Ziel sei eine "Renaissance der Sparkassenbewegung".

Nobelpreisträger Shiller: Hoffnung auf mehr Demokratie im Finanzsystem
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Nobelpreisträger Shiller: Hoffnung auf mehr Demokratie im Finanzsystem


Düsseldorf - Als Nobelpreisträger bekommt man besonderes Gehör - das gilt seit kurzem auch für Robert Shiller. Vor knapp zwei Wochen wurde er mit dem Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet, der gemeinhin als Wirtschaftsnobelpreis bekannt ist. Shiller hatte frühzeitig die jüngste Finanzkrise vorhergesagt, nun macht er in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" einen Vorschlag zur Verbesserung des Bankensystems: Jeder Bürger solle Anrecht auf ein Girokonto bekommen.

Shiller beruft sich auf eine Studie der US-Notenbank, laut der jede vierte US-amerikanische Familie aus dem unteren Einkommensfünftel kein Girokonto besitzt. "Ohne solche elementaren Bankdienstleistungen ist diesen Familien das Sparen praktisch verwehrt und damit auch der soziale Aufstieg, denn sie können nicht in geeigneter Form in ihre eigene Bildung oder die ihrer Kinder investieren", schreibt der Ökonom.

Die Krise sei nicht auf ein Versagen des traditionellen Geschäftsmodells der Banken zurückzuführen, so Shiller weiter. Vielmehr hätten Banken neue riskante Geschäftsmodelle wie die Bündelung und den Weiterverkauf großer Portfolios von Immobilienkrediten entwickelt. Durch eine Ausweitung des Kundenkreises der Banken könnte der Finanzsektor wieder demokratischer gemacht werden. Denkbar seien dabei explizite Anreize für Banken, auch Geringverdienern ein Konto anzubieten. Möglich sei aber auch, dass Konten automatisch eröffnet werden, wenn Bürger beispielsweise Steuerrückzahlungen oder Sozialleistungen erhalten.

"Eine 'gute' Gesellschaft braucht ein demokratisches Finanzsystem", schreibt Shiller. Er verweist darauf, dass es bereits vor fast 200 Jahren den Versuch gab, über Sparkassen großen Teilen der Bevölkerung Zugang zu Finanzdienstleistungen zu eröffnen. Dieses Ziel sei aber immer noch nicht erreicht. Man solle Menschen dazu ermuntern, Finanzdienstleistungen zu nutzen. "So könnte es zur Renaissance der Sparkassenbewegung des 19. Jahrhunderts kommen."

Die deutschen Sparkassen griffen Shillers Vorlage gerne auf: "Wir freuen uns, dass der Wert des Sparkassengedankens auch in den USA und gerade von Top-Ökonomen wieder erkannt wird", ließ Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon mitteilen. "Die deutschen Sparkassen sind gern bereit, die Renaissance des Sparkassengedankens durch ihr Know-How auch in anderen Ländern der Welt zu unterstützen."

dab



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saarpirat 25.10.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSAls Krisenprophet wurde Robert Shiller bekannt. Jetzt macht der Wirtschaftsnobelpreisträger 2013 einen Verbesserungsvorschlag fürs Finanzsystem: Jeder Bürger solle das Anrecht auf ein Girokonto bekommen, Ziel sei eine "Renaissance der Sparkassen-Bewegung". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wirtschaftsnobelpreistraeger-shiller-fordert-girokonto-fuer-alle-a-929924.html
So etwas sollte es schon lange geben. In der modernen Welt benötigt jeder ein Girokonto. Anders ist ein halbwegs normales Leben nicht mehr möglich.
mbraun09 25.10.2013
2. optional
Verstehe ich nicht. Zumindest bei uns hat bereits jeder das Recht auf ein Konto. Aber eben gerade ein Konto bei einer Sparkasse kostet Geld. Bei zu wenig Geldeingang kosten alle Konten Geld.
sebastian.teichert 25.10.2013
3. -.-
Das vorzuschlagen, was die Sparkassen bereits machen zeugt von ganz besonders viel wissen... -.- Kommen die Plagiatjäger bestimmt bald :)
wolfgangm71 25.10.2013
4. ob das so sinnvoll ist?
Auf einem Girokonto sparen? Da kann man das Geld doch besser unters Kopfkissen legen, dann kann es einem die Bank oder die Politik wenigstens beim nächsten Crash nicht wegnehmen. Und wers laengerfristig sparen will kauft lieber Edelmetall oder Bitcoins, Braucht beides keine Bank. Ein Konto sperren geht heutzutage so schnell, da würde ich auf keinen Fall einen Grossteil meines Vermögens parken.
felisconcolor 25.10.2013
5. warum NUR das Girokonto
Zitat von sysopREUTERSAls Krisenprophet wurde Robert Shiller bekannt. Jetzt macht der Wirtschaftsnobelpreisträger 2013 einen Verbesserungsvorschlag fürs Finanzsystem: Jeder Bürger solle das Anrecht auf ein Girokonto bekommen, Ziel sei eine "Renaissance der Sparkassen-Bewegung". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wirtschaftsnobelpreistraeger-shiller-fordert-girokonto-fuer-alle-a-929924.html
für alle? Jeder Mensch sollte ein Recht darauf haben sein Geld so verwalten zu dürfen wie er sie es möchte. (Das schliesst ein Girokonto automatisch mit ein) Sprich auch Miete Gas Wasser und so weiter auch bar bezahlen dürfen. Ebenso natürlich auch sein Gehalt bar zu bekommen. etc. pp. Das Girokonto für alle macht es nur denen leichter die bislang immer mit den fadenscheinigen Argumenten kamen, Bargeld würde nicht in ihren Verwaltungsapparat passen. Tja dann stimmt wohl etwas nicht mit diesem Apparat.
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