Wirtschaftsprognose Industrieländer erholen sich überraschend schnell

Das tiefste Konjunkturtal der Nachkriegsgeschichte scheint durchschritten: Die OECD hebt ihre Wachstumsprognosen deutlich an, auch für Deutschland. Doch der Aufschwung bringt keine neuen Arbeitsplätze, sagt die Organisation - und warnt vor den Risiken der europäischen Schuldenkrise.


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OECD-Prognose: Industrieländer erholen sich überraschend schnell
Paris/Berlin - Die Wirtschaft in den Industrieländern erholt sich schneller als erwartet von der schweren Rezession. So lautet zumindest die Einschätzung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). "Die tendenzielle Wachstumsdynamik ist intakt", sagt die OECD in ihrem Ausblick.

Die Wirtschaftsleistung in den 31 OECD-Staaten steigt nach Vorhersage der Experten in diesem Jahr saison- und preisbereinigt um 2,7 Prozent und legt 2011 um 2,8 Prozent zu. Damit ist die OECD optimistischer als noch im vergangenen November, als lediglich ein Plus von 1,9 Prozent in diesem Jahr für möglich gehalten wurde.

Trotz der schweren Schuldenkrise in Europa traut die OECD dank anziehender Exporte auch der deutschen Wirtschaft Wachstum zu. Das Bruttoinlandsprodukt werde demnach in diesem Jahr mit 1,9 Prozent stärker zulegen, als im November vorhergesagt, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten World Economic Outlook. 2011 werde es sogar ein Plus von 2,1 Prozent geben.

Deutschlands Exporte sollen wieder kräftig zulegen

"Das Wachstum wird ab dem zweiten Quartal kräftig an Schwung gewinnen, wenn sich der Welthandel weiter verbessert und die Unternehmen ihre Investitionsausgaben nach und nach erhöhen", schreiben die Experten der OECD.

Getrieben wird die Entwicklung in diesem Jahr laut OECD vor allem "von den Exporten und öffentlichen Investitionen aus den Konjunkturprogrammen". Mit einem Exportplus von zehn Prozent werde Deutschland in diesem Jahr Weltmarktanteile zurückgewinnen, die im Krisenjahr 2009 verlorengingen. 2011 dürften die Ausfuhren mit 8,8 Prozent ebenfalls stark zunehmen.

Im Vergleich zu Asien und Nordamerika ist der Aufschwung in Deutschland und dem Euro-Raum jedoch noch relativ lahm. Zu den Spitzenreitern beim Wachstum dürften die USA gehören, wo das Bruttoinlandsprodukt jeweils um 3,2 Prozent zulege. Auch Japans Wirtschaft erhole sich rasch von dem tiefen Einbruch von 2009: Hier sagen die OECD-Experten ein Wachstum von drei Prozent für das laufende und ein Plus von zwei Prozent für das nächste Jahr voraus.

Die Euro-Zone kommt dagegen mit einem Wachstum von 1,2 Prozent 2010 und 1,8 Prozent 2011 schleppender aus der Krise. Für den gesamten OECD-Raum summiert sich das auf 2,7 Prozent Wachstum in diesem und 2,8 Prozent im folgenden Jahr. Zugpferd bleibt China, das nicht Mitglied in der OECD ist, mit 11,1 Prozent Wachstum in 2010.

Arbeitslosenquote in Deutschland steigt trotzdem

Der private Konsum werde dagegen in diesem Jahr um 1,4 Prozent schrumpfen und 2011 nur um 0,7 Prozent zunehmen. Zugleich steigen angesichts der Schuldenkrise in Europa und der Überhitzung in einigen Schwellenländern die Risiken, teilte die OECD mit. Ein "großes Risiko" sieht die Organisation am Markt für Staatsanleihen. Die Instabilität habe sich vom Euro-Raum auf andere Teile der Welt ausgeweitet. Die Verschuldung führe über höhere Risikoprämien zu höherer Schuldenlast, während das Wachstum gebremst werde. Das könne auch die Konjunktur in anderen Ländern ausbremsen.

Um die ausufernde Staatsverschuldung wieder in den Griff zu bekommen, sei eine Zusammenarbeit auf internationaler Ebene nötig. Viele OECD-Länder müssten jetzt die Unterstützung eines noch immer brüchigen Aufschwungs mit einer nachhaltigeren Haushaltspolitik in Einklang bringen. "Dies ist ein entscheidender Moment für die Weltwirtschaft", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria.

Die Arbeitslosigkeit dürfte in den OECD-Ländern ihren Höhepunkt mit derzeit 8,5 Prozent erreicht haben, schrieben die Experten weiter. Durch den massiven Einsatz der Kurzarbeit sei ein stärkerer Anstieg der Arbeitslosenzahlen verhindert worden.

Allerdings soll die Arbeitslosigkeit in Deutschland um 0,2 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent steigen und 2011 sogar acht Prozent erreichen. Die Organisation empfiehlt der Bundesregierung, den Aufschwung nicht mit Steuererhöhungen abzuwürgen. "Bei der Auswahl der Optionen für die Konsolidierung der kommenden Zeit sollten Ausgabenkürzungen und ein Abbau von Steuervergünstigungen Vorrang vor Steuererhöhungen eingeräumt werden", hieß es.

lgr/Reuters/dpa



Forum - Konjunktur-Schub oder Rezessions-Rückschlag?
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Seite 1
BeckerC1972, 12.01.2010
1.
Zitat von sysopDie Signale für einen baldigen Konjunktur-Schub mehren sich: Die Auftragseinbrüche im Maschinenbau gehen merklich zurück, die Regierung dürfte ihre Wachstumsprognose anheben. Haben wir das Schlimmste überstanden - oder droht ein neuer Rückschlag?
Sprachlich mal wieder völlig entglitten? "Die Einbrüche gehen zurück"? Was soll ich mir denn darunter vorstellen? Wenn Auftragseinbrüche zurück gehen, heisst es dann, die Aufträge sind wieder ganz normal? Oder ist der "Auftragseinbruch" nun die Normalität? Echt ein Fall für den Zwiebelfisch. Schauen wir uns jetzt die Konjunktur im Tagesrythmus an und stellen dann fest "Heute keine Auftragseinbruch, morgen wieder einer?". Gefühlt gab es im SPIEGEL in den letzten 3 Wochen jeden Tag eine andere Aussage zur Konjunktur. Trends lassen sich aber erst dann festmachen, wenn man mal eine Weile geschaut hat. Sind die SPIEGEL-Leute wirklich diesem Zwang unterlegen, jeden Tag IRGENDEINE Art von Schlagzeile produzieren zu müssen?
meslier 12.01.2010
2.
Zitat von sysopDie Signale für einen baldigen Konjunktur-Schub mehren sich: Die Auftragseinbrüche im Maschinenbau gehen merklich zurück, die Regierung dürfte ihre Wachstumsprognose anheben. Haben wir das Schlimmste überstanden - oder droht ein neuer Rückschlag?
Ich schreibe seit zehn Monaten, dass es aufwärts geht. Geglaubt haben es mir die wenigsten. Wer doch, hat an der Börse ein Vermögen verdient.
tristar73, 12.01.2010
3. abrakadabra....
Ich kann Ihnen leider nicht mit Vorraussagen dienen. Meine Glaskugel ist grad in Reparatur, nachdem sie bei der Vorhersage der vorigen Finanzkrise den Geist aufgegeben hat. Aber wozu haben wir unsere Experten?!
darkwingduck, 12.01.2010
4.
Zitat von sysopDie Signale für einen baldigen Konjunktur-Schub mehren sich: Die Auftragseinbrüche im Maschinenbau gehen merklich zurück, die Regierung dürfte ihre Wachstumsprognose anheben. Haben wir das Schlimmste überstanden - oder droht ein neuer Rückschlag?
Ach welch Wunder... Da gibt es Querelen bei den Schwarz/Gelben.... Das Murkel gerät unter Feuer... Und schon wird gemeldet, die Konjunktur werde bald kräftig durchstarten. Ein Schelm, der böses dabei denkt
paul sartre 12.01.2010
5.
Zitat von sysopDie Signale für einen baldigen Konjunktur-Schub mehren sich: Die Auftragseinbrüche im Maschinenbau gehen merklich zurück, die Regierung dürfte ihre Wachstumsprognose anheben. Haben wir das Schlimmste überstanden - oder droht ein neuer Rückschlag?
Einen nennenswerten Rückschlag wird es nicht geben. Wie seit März vergangenen Jahres wird es zwei drei weitere goldene Jahre geben. Eine Chance, die jeder nutzen sollte.
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