Trotz drohenden Handelskriegs Wirtschaftsexperten rechnen mit Wachstum von bis zu 2,6 Prozent

In Deutschland herrscht nach Ansicht von Experten Hochkonjunktur. Für das laufende Jahr sagen sie ein Wachstum von bis zu 2,6 Prozent voraus. Doch sie warnen auch vor Risiken.

Containerschiff im Hamburger Hafen
DPA

Containerschiff im Hamburger Hafen


Der weltweite Aufschwung treibt die deutsche Konjunktur auch in diesem Jahr wieder kräftig an. Zu dieser Einschätzung kommen die sogenannten Wirtschaftsweisen sowie verschiedene Konjunkturforschungsinstitute. Das Beratergremium der Bundesregierung und die Institute erwarten einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,3 Prozent bis 2,6 in diesem Jahr. Grund seien die gut laufenden Exporte. Damit sehen Ökonomen die Entwicklung noch positiver als bei ihrer Prognose im vergangenen Herbst.

Offiziell ist das Gremium der fünf Wirtschaftsweisen als Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bekannt. Als Hauptgrund für die Korrektur nach oben nannten die Experten das verbesserte außenwirtschaftliche Umfeld. "Die Weltwirtschaft erlebt derzeit die erste synchrone Expansionsphase seit Ausbruch der Finanzkrise vor rund zehn Jahren", hieß es. Deutschland befinde sich in einer Hochkonjunkturphase. Für 2019 sagte der Sachverständigenrat ein Plus von 1,8 Prozent voraus.

Zugleich warnten die Ökonomen vor wachsenden Risiken, insbesondere durch die angekündigten Zölle auf Stahl und Aluminium durch US-Präsident Donald Trump. "Die positiven Wachstumsaussichten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung zuletzt zugenommen haben", hieß es. Für die Fortsetzung des globalen Aufschwungs sei ein reibungslos funktionierender Welthandel von zentraler Bedeutung, argumentierten die Experten. "Eine Spirale aus protektionistischen Maßnahmen hätte deutliche negative Auswirkungen auf die globale und die deutsche Wirtschaft."

Forscher warnen vor Fachkräftemangel

Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen. Durch den jahrelangen Boom stoße die Binnenkonjunktur allmählich an ihre Grenzen, erklärten die Wirtschaftsweisen. "Die Knappheit an Arbeitskräften dürfte die Wachstumsdynamik zunehmend bremsen", schreiben sie. Die Zahl der Beschäftigten dürfte bis 2019 um rund 1,1 Millionen steigen, die der Arbeitslosen um etwa eine Viertelmillion auf 2,275 Millionen abnehmen.

Wegen steigender Steuer- und Beitragseinnahmen rechnen die Professoren mit milliardenschweren Überschüssen im Staatshaushalt. Der Schuldenberg dürfte dadurch im kommenden Jahr erstmals wieder die in den EU-Verträgen vorgesehene Höchstgrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes unterschreiten.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde 1963 eingerichtet, um die Politik zu beraten. Vorsitzender ist seit 2013 der Ökonom Christoph Schmidt. Dem Gremium gehören außerdem Peter Bofinger, Lars Feld, Isabel Schnabel und Volker Wieland an.

Für die Eurozone erhöhten die Wirtschaftsweisen ihre Prognose ebenfalls. Für das laufende Jahr rechnen sie hier mit einem Wachstum von 2,3 Prozent (zuvor 2,1 Prozent). Im kommenden Jahr soll das Wachstum im gemeinsamen Währungsraum bei 1,9 Prozent liegen.

Forschungsinstitute sagen noch höheres Wachstum voraus

Auch das Münchner Ifo-Institut veröffentlichte seine Konjunkturprognose. Diese fällt noch höher aus als die der Wirtschaftsweisen. Die Forscher gehen für 2018 sogar von einem Plus beim BIP von 2,6 Prozent aus. Für das Jahr 2019 erwartet das Ifo-Institut ein Wachstum von 2,1 Prozent.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung prognostiziert für 2018 ebenfalls eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,4 Prozent im Jahresdurchschnitt. Für 2019 erwarten die Konjunkturforscher ein Wachstum um 2,2 Prozent.

Zudem erhöhte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Mittwoch seine Wachstumsprognose für das nächste Jahr um 0,1 Punkte auf 2,3 Prozent. Für das laufende Jahr ließen die Kieler Wirtschaftsforscher ihre Vorhersage von 2,5 Prozent Wachstum unverändert.

IfW rechnet mit Lohn- und Gehältersteigerungen um fünf Prozent

Sowohl die Binnen- wie auch die Außenwirtschaft blieben treibende Kräfte des Wachstums, heißt es in der Prognose des IfW. Angesichts der sich weiter verbessernden Lage am Arbeitsmarkt und der geplanten Abgabensenkungen und zusätzlichen Leistungen werde der private Konsum im kommenden Jahr um beachtliche 2,2 Prozent wachsen, dem höchsten Wert seit 1999.

Das IfW sagte auch höhere Beschäftigtenzahlen und deutliche Lohn- sowie Gehaltssteigerungen voraus. Das Institut rechnet mit einem Zuwachs von fünf Prozent in diesem und 4,7 Prozent im nächsten Jahr. Ähnliche Zuwächse habe es zuletzt 1992 gegeben.

mmq/dpa/Reuters



insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hmmmm4711 21.03.2018
1. Jedes Jahr das gleiche
bitte bitte lieber spon zeigen sie mir eine Statistik der letzten 30 Jahre in der die Prognose der „wirtschaftsweisen“ zutreffend waren!!! Jedes Jahr kann ich nur mit dem kopf schütteln und die Treffsicherheit der Aussagen dieser Damen und Herren ist gleich 0!
Antisozialist 21.03.2018
2.
Zitat von hmmmm4711bitte bitte lieber spon zeigen sie mir eine Statistik der letzten 30 Jahre in der die Prognose der „wirtschaftsweisen“ zutreffend waren!!! Jedes Jahr kann ich nur mit dem kopf schütteln und die Treffsicherheit der Aussagen dieser Damen und Herren ist gleich 0!
Können Sie das Wetter in diesem Jahr korrekt vohersagen? Da gibt es so viele Variablen, die sie eben nicht mathemathisch vorhersagen können, so etwa, ob in China ein Sack Reis umfällt, der dann dazu führt, dass in D am 21.5. eben nicht die Sonne scheint, sondern es regnet. Sie können sich unter gewissen Bedingungen Voraussagen treffen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreffen, mehr nicht. Da aber keiner in die Zukunft schauen kann, ist man auf Prognosen angewiesen, die durch Sonderereignisse natürlich kontakarriert werden können. In der Regel stimmen die Prognosen ja auch, wenn man die Richtung als Massstab nimmt. In den letzen Jahren wurde in D Wirtschaftswachstum vehergesagt und diesen hatte wir auch. Wo ist also ihr Problem??
Antisozialist 21.03.2018
3.
Zitat von hmmmm4711bitte bitte lieber spon zeigen sie mir eine Statistik der letzten 30 Jahre in der die Prognose der „wirtschaftsweisen“ zutreffend waren!!! Jedes Jahr kann ich nur mit dem kopf schütteln und die Treffsicherheit der Aussagen dieser Damen und Herren ist gleich 0!
Sie brauchen den Kopf nicht zu schütteln, man weiss, dass Sie davon keine Ahnung haben. Oder können Sie die Lottozahlen am nächsten Samstag vorhersagen? Der Trend und die grundsätzlichen Aussagen stimmten in D für die letzten Jahre immer.
Rooo 21.03.2018
4. Unwichtig. Es zählt nur pro Kopf, bzw. die Produktivität.
Unwichtig. Es zählt nur pro Kopf, bzw. die Produktivität. Lässt man Millionen Menschen ins Land, die versorgt werden müssen, so steigt auch der Output der Wirtschaft. Deshalb ist aber der durchschnittliche Deutsche nicht wohlhabender geworden. Von mir aus kann sich das BIP halbieren, wenn die Bevölkerung um 60% zurückgeht. Wohlstand ist, was jeder einzelne im Schnitt mehr in der Tasche hat.
mapcollect 21.03.2018
5. Leider nicht nachhaltig
Denn die gutlaufenden Exporte haben wir vor allem einem schwachen Euro und Zurückhaltung bei den Löhnen zu verdanken. Bei der Reallohnentwicklung der letzten 20 Jahre ist Deutschland Schlusslicht unter den Industrienationen, d.h. der einfache Arbeitnehmer profitiert kaum von dem Wirtschaftswachstum. Die Produktivitätsfortschritte sind eher zurückgegangen, in wichtigen Zukunfts- und Schlüsseltechnologien spielt Deutschland keine große Rolle. Die Überschüsse fliessen zu einem großen Teil als Kredite und Investitionen ins Ausland. In Anbetracht der überschuldeten Situation in Europa sind diese Gelder stark ausfallgefährdet (Beispiel Target II Forderungen der Bundesbank). Es wäre besser gewesen, diese in Forschung und Bildung und digitale Infrastruktur zu Investieren. Die niedrigen Löhne in Deutschland sind auch ein Grund, warum wir einen Mangel an hochqualifizierten Fachkräften haben. Dazu kommt eine falsche Einwanderungspolitik, die selbst qualifizierten Zuwanderern die Einreise sehr schwer macht. Vollkommen ungebildete Zuwanderer können allerdings relativ einfach mittels Schleusern ins Land gelangen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.