Warnung an EZB Wirtschaftsweiser fordert Abkehr von lockerer Geldpolitik

"Die EZB läuft Gefahr, die geldpolitische Wende zu spät einzuleiten": Der Ökonom Volker Wieland prangert die lockere Geldpolitik der EZB an - sie führe zu unerwünschten Entwicklungen.

Volker Wieland
imago/ Jens Jeske

Volker Wieland


Der Wirtschaftsweise Volker Wieland hat die Europäische Zentralbank vor einem zu langsamen Kurswechsel ihrer lockeren Geldpolitik gewarnt. "Die EZB läuft Gefahr, die geldpolitische Wende zu spät einzuleiten", schrieb Wieland in einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag".

"Das heißt, die Inflation könnte schneller steigen, es könnten noch mehr riskante Kredite vergeben, unproduktive Investitionen getätigt und Ressourcen falsch eingesetzt werden." Risiken für die Finanzstabilität würden damit weiter zunehmen.

Wieland forderte die EZB zu einer Abkehr von ihrer aktuellen Politik auf. "Die EZB könnte die Zinsen früher anheben. Außerdem müsste sie dringend erklären, wann und wie schnell sie ihre Bilanz reduziert. Sie sollte nicht auf so viel Staatsanleihen sitzen bleiben, sondern Bestände abbauen."

Das bisherige Vorhaben der EZB, ab Jahresende zwar keine zusätzlichen Staatsanleihen mehr aufzukaufen, Altbestände aber vorerst weiter zu halten und auslaufende Papiere zu ersetzen, sei gefährlich. "Hohe Staatsanleihenbestände schaffen Begehrlichkeiten, Staatsfinanzen zulasten der Notenbankbilanz zu sanieren."

dop/Reuters

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Seite 1
brasshead 11.11.2018
1.
---Zitat von Wieland--- Die EZB könnte die Zinsen früher anheben. Außerdem müsste sie dringend erklären, wann und wie schnell sie ihre Bilanz reduziert. Sie sollte nicht auf so viel Staatsanleihen sitzen bleiben, sondern Bestände abbauen. ---Zitatende--- Die EZB sollte also nicht auf den Staatsanleihen sitzen bleiben. Aus welchem rationalen Grund? Welche konkreten negativen Auswirkungen hat es, wenn die EZB Staatsanleihen hält? ---Zitat von Wieland--- Das bisherige Vorhaben der EZB, ab Jahresende zwar keine zusätzlichen Staatsanleihen mehr aufzukaufen, Altbestände aber vorerst weiter zu halten und auslaufende Papiere zu ersetzen, sei gefährlich. Hohe Staatsanleihenbestände schaffen Begehrlichkeiten, Staatsfinanzen zulasten der Notenbankbilanz zu sanieren. ---Zitatende--- Zulasten der EZB? Die EZB hat das Währungsmonopol und kann sich per Definition leisten, was sie will und solange sie es will. Aus welchem rationalen Grund kann man da von "Lasten" sprechen? Aus welchem rationalen Grund sind "Begehrlichkeiten, Staatsfinanzen zulasten der Notenbankbilanz zu sanieren" negativ zu bewerten? Aus welchem rationalen Grund ist eine "Sanierung der Staatsfinanzen" zulasten der Bürger zu bevorzugen?
willibaldus 11.11.2018
2.
In der Tat ist es eine Kunst, den richtigen Zeitpunkt für die Zinswende zu finden. Wenn die Anleihenkäufe demnächst eingestellt werden und an der Inflationsfront keine Reaktion zu sehen ist bis nach dem Brexit, dann sehe ich auf jeden Fall eine Möglichkeit im Sommer mit dem Ersten Zinsschritt zu beginnen. Dann zu den Anleihen. Das Volumen an ausgegebenen Anleihen ist begrenzt und auch beinahe ausgeschöpft. In einer neuen Krise kann das dann nicht wiederholt werden. Das sehe ich wie bei den Staatsschulden. In der Not kann und muss man sie ausweiten, das ist der Vorteil des Fiat Systems. Im nächsten Aufschwung sollte man sie wieder abbauen, um für die kommende Rezession wieder einen Pfeil im Köcher zu haben. Das gleiche gilt für die Anleihen. Die Amerikaner machen es bereits vor und bauen ihre Anleihen wieder ab. Neue Anleihen werden am MArkt verkauft und mit dem Erlös die auslaufende Anleihe im Tresor der Fed abgelöst. Damit wird die vorher ausgestreute Liquidität wieder eingesammelt.
tom2strong 11.11.2018
3. @brasshead
Sie sprechen mir aus der Seele. Wieso werden solche argumentativ verkürzten Statements von Wirtschaftsweisen einfach so hingenommen?
brasshead 11.11.2018
4.
Zitat von willibaldusIn der Tat ist es eine Kunst, den richtigen Zeitpunkt für die Zinswende zu finden. Wenn die Anleihenkäufe demnächst eingestellt werden und an der Inflationsfront keine Reaktion zu sehen ist bis nach dem Brexit, dann sehe ich auf jeden Fall eine Möglichkeit im Sommer mit dem Ersten Zinsschritt zu beginnen. Dann zu den Anleihen. Das Volumen an ausgegebenen Anleihen ist begrenzt und auch beinahe ausgeschöpft. In einer neuen Krise kann das dann nicht wiederholt werden. Das sehe ich wie bei den Staatsschulden. In der Not kann und muss man sie ausweiten, das ist der Vorteil des Fiat Systems. Im nächsten Aufschwung sollte man sie wieder abbauen, um für die kommende Rezession wieder einen Pfeil im Köcher zu haben. Das gleiche gilt für die Anleihen. Die Amerikaner machen es bereits vor und bauen ihre Anleihen wieder ab. Neue Anleihen werden am MArkt verkauft und mit dem Erlös die auslaufende Anleihe im Tresor der Fed abgelöst. Damit wird die vorher ausgestreute Liquidität wieder eingesammelt.
Noch so eine völlig unbegründete Aussage. Welchem konkreten Limit unterliegt die Anleihenausgabe? Ist es ein Natürliches? Ist es ein Rechtliches? Ist es ein Politisches? Ist es ein Logisches? Eine Zentralbank (= der Staat) kann völlig kostenlos beliebige Mengen an Geld oder Anleihen erzeugen. Wann und warum könnte ihr "Köcher" irgendwann leer sein?
yvowald@freenet.de 11.11.2018
5. Risko Staatsbankrott
Wieland verdrängt offenbar die Gefahr, die eine Umkehr der Niedrigzinspolitik bedeutet. Dann könnten Staaten wie Griechenland, Portugal oder auch Spanien in neue Schwierigkeiten geraten mit der Folge eines Staatsbankrotts.
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