Fanartikel zur Fußball-WM Die Krachmacher-Firma

Zur WM in Südafrika verkauften sie Millionen Vuvuzelas, in diesem Sommer soll eine aufgepeppte Samba-Trommel den Erfolg bringen. Drei Unternehmer aus Monheim verfolgen ein riskantes Geschäftsmodell: Fanartikel für Fußballturniere.

Von Henning Jauernig

Henning Jauernig

Wenn sich die Regale von Supermärkten und Tankstellen mit allerlei schwarz-rot-goldenem Krimskrams füllen, wenn Bier, Chips und Wurst in Verpackungen in Deutschland-Farben gehüllt werden, wird es nicht nur für die Fußball-Nationalspieler langsam ernst. Für drei Geschäftsleute aus Monheim bei Düsseldorf etwa beginnt die wichtigste Zeit seit vier Jahren, seit der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Denn die drei haben einen Titel zu verteidigen.

Frank Urbas, Gerd Kehrberg und Dirk Zimmermann haben 2010 die Vuvuzela nach Deutschland gebracht. Mehr als fünf Millionen Exemplare der Tröte haben sie damals verkauft - so oft ging kein anderer Fanartikel über den Tresen. "Wir waren Fanartikel-Weltmeister", sagt Vertriebschef Urbas stolz. Und das, obwohl die gemeinsame Firma Brandivision da erst seit wenigen Monaten im hart umkämpften Markt mitmischte.

Zur bevorstehenden WM in Brasilien soll ihnen erneut ein Krachmacher-Accessoire aus Kunststoff Erfolg bescheren. Es heißt Combinho und vereint vier Instrumente: Trommel, Pfeife, Ratsche und Rassel. "Die Mini-Kapelle soll brasilianische Samba-Stimmung auf die Fanmeilen Deutschlands bringen", sagt Kehrberg, Marketingfachmann der Firma und früher Geschäftsführer beim damaligen Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen.

Für Brandivision selbst geht es allerdings um mehr als gute Stimmung. Sondern mehr oder weniger um die Existenz. Satte 90 Prozent des kompletten Jahresumsatzes soll die Combinho einbringen. Mehr als eine Million Exemplare hat die Firma in China fertigen lassen, verkauft werden sie ausschließlich von der Elektronik-Handelskette Mediamarkt - ein kalkulierter Kassenschlager.

Werbespot mit Dante

Im Gegensatz dazu war der enorme Verkaufserfolg der Vuvuzela vor vier Jahren noch eine Überraschung. "Die Vuvuzela war ein Selbstläufer, weil sie so polarisiert hat", sagt Urbas. Man habe die Tröte nicht aktiv vermarkten müssen, weil sie während der WM 2010 ohnehin ständig im Gespräch gewesen sei. "Wir hätten noch mehr Exemplare verkaufen können", sagt Urbas.

Spieler wie Patrice Evra und Lionel Messi hatten sich über das nervige Getröte in den Stadien beschwert. Der Chef des südafrikanischen WM-Komitees erwog zwischenzeitlich gar, die Vuvuzelas in den Stadien zu verbieten.

Weil diesmal mit weit weniger kostenloser Publizität zu rechnen ist, haben die drei Unternehmer für die Combinho eine großangelegte PR-Kampagne gestartet. Sie stielten die Kooperation mit Media-Markt ein und verpflichteten den brasilianischen Nationalspieler und Bayern-Star Dante für einen Werbespot (hier auf YouTube). Die Elektronik-Kette verkauft die Trommel für 9,90 Euro - damit ist sie deutlich teurer als die Vuvuzela.

So soll die weitaus geringere Stückzahl mehr als kompensiert werden. "Wir werden mehr Umsatz als 2010 machen", sagt Urbas. Damals waren es sieben Millionen Euro. Zur Steigerung sollen auch schwarz-rot-goldene sogenannte Autofinnen beitragen - Plastikleisten, die in die Motorhaube eingeklemmt werden können und die bereits bekannten Fähnchen und Rückspiegel-Überzieher ergänzen.

Spätestens seit der Heim-WM 2006 hat das Geschäft rund um die großen Fußballturniere in Deutschland riesige Dimensionen angenommen. "Die Fußball-Events sind für den Einzelhandel genauso wichtig wie das Weihnachts- oder Ostergeschäft", sagt Zimmermann. Das führe dazu, dass der Markt für Fanartikel gesättigt sei. Deshalb würden nur noch innovative Produkte Gewinne einfahren. "Schminke, Trikots und Fähnchen gibt es schon immer", sagt Zimmermann.

"Das hat König Fußball einfach nicht verdient"

Doch eine gute Idee allein reiche nicht, ergänzt Kehrberg. Viele hätten vor vier Jahren die Idee gehabt, Vuvuzelas zu verkaufen. "Doch wir waren die Einzigen, die den unternehmerischen Mut hatten, das professionell durchzuziehen", sagt Kehrberg. Er und Urbas hatten bereits 2009 eine Firma gegründet und von einem südafrikanischen Hersteller das Recht erworben, die Vuvuzela in der EU zu produzieren und zu verkaufen.

Dann stieß Industriedesigner Zimmermann hinzu. Er verpasste der Tröte einen Schalldämpfer und baute sie aus drei Einzelteilen auf, damit sie auseinanderfällt, wenn man sie als Schlagwaffe missbraucht. So durfte das Instrument mit offiziellem Segen mit zum Public Viewing. Brandivision ließ die Tröten in Bad Kreuznach fertigen und verkaufte sie mehrere Monate vor der WM an Großkunden: eine Tankstellenkette, ein Mobilfunkanbieter - und eine Brauerei. Gadgets für Bierfirmen wie Grillzangen oder Flaschenöffner sind auch die Hauptprodukte abseits der Fußballwelt.

Nicht alle Fußballfans sind über die Findigkeit der drei Unternehmer erfreut. Auf Twitter wird darüber geschimpft, dass die Combinho keine Fußballkultur verkörpere. Ein Vorwurf, den Brandivision-Mann Kehrberg nicht unbedingt entkräftet, wenn er die Plastiktrommel in schönstem Marketing-Sprech zum "Key Visual der WM" erklärt. "Das hat König Fußball einfach nicht verdient", twittert ein Fan. Ein anderer wünscht der Firma gar die Pleite.

Kehrberg und seine Partner beeindruckt das nicht. Sie planen bereits das nächste "Key Visual", für die Europameisterschaft in zwei Jahren in Frankreich. Spätestens 2022 ist dann besonderer Einfallsreichtum gefragt: Denn welcher Fanartikel symbolisiert die Fußballkultur Katars?

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
joetanner 30.05.2014
1. Tand
braucht kein Mensch, so einen konsumistischen Marketing-Schrott...
AxelSchudak 30.05.2014
2. die Fußballkultur...
Zitat von sysopDPAZur WM in Südafrika verkauften sie Millionen Vuvuzelas, in diesem Sommer soll eine aufgepeppte Samba-Trommel den Erfolg bringen. Drei Unternehmer aus Monheim verfolgen ein riskantes Geschäftsmodell: Fanartikel für Fußball-Turniere. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wm-2014-brasilien-samba-trommel-combinho-wird-vuvuzela-nachfolger-a-971159.html
Ein Briefumschlag?
Snoozel 30.05.2014
3. Umweltverschmutzung
Die Firma Produziert also zu 100% Müll, Zeug das direkt in die Tonne wandert. Reine Ressourcen und Energieverschwendung. Sowas sollte verboten werden. :p
Erda 30.05.2014
4.
Zitat von sysopDPAZur WM in Südafrika verkauften sie Millionen Vuvuzelas, in diesem Sommer soll eine aufgepeppte Samba-Trommel den Erfolg bringen. Drei Unternehmer aus Monheim verfolgen ein riskantes Geschäftsmodell: Fanartikel für Fußball-Turniere. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wm-2014-brasilien-samba-trommel-combinho-wird-vuvuzela-nachfolger-a-971159.html
Schrott für 9,90 Euro beim Media Markt, nun es hat sich schnell ausgetrommelt: Nach der Vorrunde!
NeZ 30.05.2014
5.
Klasse Erfolgsstory. Zum Vorposter: Wir brauchen keine Leute die sowas KAUFEN, darum geht's! Wenn die mit der Kohle des Proletariats reich werden, sind die Grattler, die solche Billigfanartikel kaufen, selber schuld.
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