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WM am Arbeitsplatz: "Das Büro ist kein Bolzplatz"

Darf ich im Büro Fußball gucken? Und was kann ich tun, wenn mich das dauernde Gerede über die WM nervt? Managementberater Rüdiger Klepsch erklärt, wie Sie zehn typische Situationen am Arbeitsplatz souverän meistern.

Fußballfan: Wenn Kollegen die Augen verdrehen, ist die Grenze erreicht Zur Großansicht
Corbis

Fußballfan: Wenn Kollegen die Augen verdrehen, ist die Grenze erreicht

Hamburg - Am Freitagmittag spielt Deutschland gegen Serbien. Anstoß ist 13.30 Uhr, Millionen Arbeitnehmer schmoren zu dieser Zeit noch im Büro. Aber wie überzeuge ich meinen Chef, dass er ausnahmsweise den Fernseher einschaltet? Und wie viel Fan-Folklore ist okay? Der Psychologe und Managementberater Rüdiger Klepsch gibt zehn Tipps, wie Beschäftigte sich während der Fußball-WM am besten verhalten.

1. Situation: In meinem Büro wird ständig über Fußball diskutiert und ich mache da auch gerne mit. Einigen Kollegen wird es aber schon zu viel. Wann ist die Nerv-Grenze erreicht?

Rüdiger Klepsch: Spätestens, wenn Kollegen die Augen verdrehen. Auch übermäßig viele Zigaretten- oder Kaffeepausen sind ein Zeichen, dass es zu viel wird. Das fällt auf und sorgt für schlechte Stimmung.

2. Situation: Deutschland hat Australien mit 4:0 abgefertigt. Ist es in Ordnung, den australischen Kollegen damit aufzuziehen?

Klepsch: Die Gefahr ist, dass der Kollege den Spott als Kränkung empfindet. Deshalb rate ich zu Mäßigung und Fingerspitzengefühl. Es gilt der kategorische Imperativ: Was du nicht willst, was man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu. Im Zweifel würde ich flapsige Sprüche lieber unterlassen.

3. Situation: Wie viel Fan-Folklore ist okay? Kann ich mit Trikot und Deutschlandschminke im Gesicht ins Büro gehen?

Klepsch: Das hängt davon ab, wo Sie arbeiten. Bei der Deutschen Bank sollten Sie vielleicht nicht gerade mit einem bemalten Gesicht auftauchen. Oder wie würden Sie es finden, wenn der Bankangestellte Sie in Fußball-Montur bedient?

4. Situation: Ich finde Fußball blöd, aber mein Chef redet über nichts anderes mehr. Darf ich ihm sagen, dass mich die WM kalt lässt?

Klepsch: Das kommt ganz auf den Chef an: Wenn er Menschen mit einer eigenen Meinung schätzt, dann wird das für ihn völlig okay sein. Wenn er sich allerdings für den Nabel der Welt hält oder hochempfindlich ist, gilt: Alles, was Sie sagen, sollte ehrlich sein - aber Sie müssen ja nicht alles sagen, was Sie denken.

5. Situation: Mein Chef schwärmt von den spielstarken Holländern, darf ich einen Scherz über die "Käsköppe" machen?

Klepsch: Auf keinen Fall! Sie sollten das Büro nicht mit dem Fußballplatz verwechseln. Es gibt Menschen, die so etwas sehr persönlich nehmen.

6. Situation: Darf ich einen Spieler öffentlich als "schwul" titulieren, weil er das Tor nicht trifft?

Klepsch: Auch da gilt: Das Büro ist kein Fußballplatz und keine Kneipe. Beleidigungen von Minderheiten sind tabu.

7. Situation: Ich lade die Kollegen zum gemeinsamen Public Viewing ein. Okay oder lieber nicht?

Klepsch: So lange es freiwillig ist, kann das eine teambildende Maßnahme sein. Wichtig ist aber, dass Kollegen absagen können, ohne sich schlecht zu fühlen.

8. Situation: Ich organisiere ein Tippspiel im Büro. Einsatz 100 Euro. Ein Kollege sieht einen Verstoß gegen das Glückspielgesetz - hat er Recht?

Klepsch: Wenn der Spaß im Vordergrund steht, reichen doch fünf Euro. 100 Euro scheinen mir zu viel zu sein, das wäre ja schon ein Nebenverdienst. Schon wegen möglicher Probleme, das Geld einzutreiben, würde ich davon abraten.

9. Situation: Freitag, 13.30 Uhr, Deutschland spielt das zweite Gruppenspiel. Darf ich den Fernseher im Büro anschalten?

Klepsch: Da muss man abwägen. Wie viele Kollegen wollen das Spiel sehen? Und wie viele fühlen sich eher genervt? Außerdem sollte man beachten, wie es um die Reputation des Chefs steht: Kann er es sich leisten, die Zügel auch mal schleifen zu lassen? Und dann ist da noch die Frage der Arbeitsbelastung: Wie stressig geht es im Büro zu und welche Ziele müssen erreicht werden? Wenn etwa Termine einzuhalten sind, wird es schwierig mit dem Spiel zur Mittagszeit. Wenn es aber relativ ruhig zugeht, kann man vereinbaren, die zwei Stunden später nachzuarbeiten. Von einem generellen, bürokratischen Verbot kann ich nur abraten, denn so ein Gemeinschaftserlebnis kann die Stimmung im Team enorm verbessern.

10. Situation: Wenn geguckt wird: Darf ich eine Kiste Bier in die Mitte stellen?

Klepsch: Nur wenn Deutschland im Endspiel steht.

Die Fragen stellte Christian Teevs

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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1. <->
silenced 17.06.2010
---Zitat von www.spiegel.de--- 9. Situation: Freitag, 13.30 Uhr, Deutschland spielt das zweite Gruppenspiel. Darf ich den Fernseher im Büro anschalten? ---Zitatende--- Büro mit Fernseher? Was sind das denn für Moden? Deutschland scheint wirklich ein großes Problem mit der Arbeitsmoral & Arbeitskultur zu haben.
2. interessant
o.o 17.06.2010
Arbeitsrechtlich völliger Blödsinn... solange der Arbeitsprozess nicht gestört wird, sind keinerlei Konsequenzen zu erwarten. Zudem sei gesagt, wer sich vorzeitig über etwas aufregt und Streit unter der Belegschaft entfacht, kann sich selbst schnell auf der Straße wiederfinden wenn das Betriebsklima dadurch erheblich beeinträchtigt wird.
3. Bier
wurmfortsatz 17.06.2010
---Zitat--- 10. Situation: Wenn geguckt wird: Darf ich eine Kiste Bier in die Mitte stellen? Klepsch: Nur wenn Deutschland im Endspiel steht. ---Zitatende--- In Bayern auch sonst!
4. Tor !
t.h.wolff 17.06.2010
Fußball im Büro, warum denn nicht ? Gibt es noch irgendjemanden, der sich für den Zugewinn von Kapitalgesellschaften interessiert, außer im quartalsweisen "persönlichen Zielsetzungsgespräch" ?
5. Nicht wirklich...
CobCom 17.06.2010
Zitat von silencedBüro mit Fernseher? Was sind das denn für Moden? Deutschland scheint wirklich ein großes Problem mit der Arbeitsmoral & Arbeitskultur zu haben.
Cheffe sagt, wir haben es uns verdient. Stream --> Beamer --> Leinwand. Hauen Sie halt rein, dann duerfen Sie auch ;-) Oder halt, falls moeglich, ueber Gleitzeit oder lange Mittagspause abdecken. Ich verstehe immer nicht,wo das in einem intakten Betrieb ein Problem sein sollte...
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Zur Person
Rüdiger Klepsch
Rüdiger Klepsch arbeitet seit 1990 als Managementberater (Dr. Klepsch & Partner). Er hilft Führungskräften und Mitarbeitern, ihre kommunikativen und sozialen Fertigkeiten zu verbessern. Zuvor war der studierte Psychologe als Psychotherapeut am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg tätig.

Die schlimmsten Chef-Sprüche (2)

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Weshalb Ihr Chef Sie feuern darf
Privates im Büro
Ich nehme meinen Hund mit ins Büro.

Ob das erlaubt ist, hängt vom Arbeitgeber ab. Er kann sich auf das Hausrecht berufen und es dem Mitarbeiter verbieten, den Hund mit ins Büro zu nehmen. Hält sich der Angestellte nicht an ein Verbot, kann das im Wiederholungsfall zur Abmahnung und dann auch zur Kündigung führen. "Hat der Chef aber jahrelang den Hund im Büro geduldet, kann er das nicht plötzlich ohne sachlichen Grund verbieten", sagt Volker Schneider, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Wuppertaler Kanzlei GKS.

Ich habe ein Glas mit einem Goldfisch auf meinen Schreibtisch stehen.

"Im Prinzip ist das kein Grund für eine Abmahnung oder gar Kündigung", sagt Rechtsanwalt Schneider. "Bei einem Goldfisch überwiegen wohl die Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers gegenüber dem Hausrecht des Arbeitgebers." Der Goldfisch sei vergleichbar mit persönlichen Gegenständen wie Fotos oder Blumen, die der Arbeitgeber auch nicht verbieten könne.

Ich habe ein Foto meiner Freundin im Bikini auf meinen Schreibtisch stehen.

Das ist ein grenzwertiger Fall. Normalerweise überwiegt bei Fotos das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers. Sind die Bilder jedoch anstößig, könnte das ein Grund für eine Abmahnung sein. Dasselbe gilt für Pin-ups: Sie müssen vom Arbeitgeber nicht geduldet werden. Selbst wenn sie sich zum Beispiel in einem Spind befinden.
Eine Zigarette zu viel
Ich rauche während der Arbeit.

Der Chef kann vom Mitarbeiter verlangen, sich während der Raucherpause auszustempeln. Wenn der Arbeitnehmer sich nicht daran hält, kann das zur Kündigung führen. Das geht aus einer Entscheidung des Arbeitsgerichts Duisburg hervor. Eine Arbeitnehmerin hatte trotz mehrfacher Abmahnung Zigarettenpausen im Raucherraum verbracht, ohne sich auszustempeln (Aktenzeichen: 3 Ca 1336/09).

Generell verbieten kann der Arbeitgeber das Rauchen aber nicht. "Das wäre eine Erziehung zu Gesundheit und würde zu sehr in die Persönlichkeitsrechte eingreifen", sagt der Wuppertaler Fachanwalt Volker Schneider. Der Chef könne zwar grundsätzlich verlangen, dass die Mitarbeiter zum Rauchen das Betriebsgelände verlassen. Ist das Gelände allerdings zu groß dafür, müsse der Arbeitnehmer an einer ungefährlichen Stelle eine Raucherecke einrichten. Schneider: "Der Chef darf nicht versuchen, seine Angestellten zu einer gesünderen Lebensweise zu erziehen."
Schummeln bei Schwangerschaft, Krankheiten und im Lebenslauf
Ich habe meine Schwangerschaft verschwiegen.

Grundsätzlich ist die Frage nach einer Schwangerschaft im Bewerbungsgespräch unzulässig. Wird trotzdem gefragt, darf gelogen werden. Der Chef darf also nicht kündigen, wenn die Arbeitnehmerin bei Vertragsunterzeichnung bereits schwanger war und das auch wusste. Einzige Ausnahme: Es geht um die Besetzung eines Arbeitsplatzes, an dem Schwangere nicht eingesetzt werden dürfen, etwa wenn geröntgt wird.

Ich habe eine schlimme Krankheit und meinem Arbeitgeber davon nichts erzählt.

Hier gilt Ähnliches wie bei einer Schwangerschaft. Wenn es Voraussetzung für den Arbeitsplatz ist, dass der Mitarbeiter nicht an bestimmten Krankheiten leidet, wäre das ein Grund, den Arbeitsvertrag anzufechten. Das heißt, er kann rückwirkend für ungültig erklärt werden. "Wenn die Krankheit keine Auswirkungen auf die Leistungen und auf den Arbeitsplatz hat, darf sie verschwiegen werden", sagt der Wuppertaler Fachanwalt Volker Schneider.

Ich habe in meinem Lebenslauf ein bisschen geschummelt.

Wenn der Aspekt, bei dem gelogen wurde, für den Arbeitgeber bei der Einstellung entscheidungsrelevant war, kann er innerhalb von 14 Tagen fristlos kündigen, nachdem er die Lüge festgestellt hat. Bei arglistiger Täuschung ist eine Anfechtung des Arbeitsvertrags auch noch innerhalb eines Jahres möglich. Die Frist beginnt erst, wenn der Arbeitgeber die Täuschung bemerkt hat.
Den Vorgesetzten beleidigen
Ich habe meinen Chef einen Idioten genannt.

Im Prinzip kann das zu einer fristlosen Kündigung führen. Allerdings ist es auch Abwägungssache und hängt von der Güte der Beleidigung ab. Wenn es wirklich mal rausgerutscht ist, dann kann der Chef den Mitarbeiter abmahnen. Bei der Verwendung schlimmer Schimpfworte ist auch eine fristlose Kündigung möglich.

Ich habe über meinen Chef gelästert.

Im engen Freundeskreis darf man das. Im Kollegenkreis kann Beleidigung, Verunglimpfung oder üble Nachrede ein Kündigungsgrund sein. So beurteilte das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main im Jahre 2001 die Kündigung einer Büglerin für gerechtfertigt. Die Frau hatte dem Juniorchef des Betriebs ein Verhältnis mit einer Kollegin unterstellt (Aktenzeichen 4 Ca 5471/00).
Eine Überstunde zu wenig
Ich habe mich geweigert, Überstunden zu machen.

Wenn im Vertrag nicht ausdrücklich vereinbart ist, dass der Arbeitnehmer Überstunden zu leisten hat, ist er grundsätzlich nicht dazu verpflichtet. Einzige Ausnahme: Es handelt sich um einen Notfall. Der kann bestehen, wenn plötzlich viele Mitarbeiter krankheitsbedingt fehlen oder der Betrieb sich in einer finanziellen Schieflage befindet und kurzfristig Aufträge erhalten hat, die sofort abgearbeitet werden müssen. Verweigert der Arbeitnehmer das Ableisten von Überstunden, obwohl der Vertrag das vorsieht, kann er fristlos gekündigt werden. Allerdings darf die Arbeitszeit auch mit Überstunden 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Sind es mehr, kann der Arbeitnehmer sich weigern, sie zu leisten.
Bleistiftklau und Privatbriefe im Büro
Ich habe einen Bleistift aus dem Büro stibitzt.

Auch die Mitnahme eines Bleistiftes ist Diebstahl und damit prinzipiell ein Kündigungsgrund. Hier hängt es aber auch davon ab, wie lange der Arbeitnehmer dem Betrieb angehört. Sind es zum Beispiel bereits 30 Jahre, reicht ein Bleistift nicht aus. Generell gibt es aber weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung eine Bagatellgrenze. So kann theoretisch auch ein Keks zur Kündigung führen, der aus dem Konferenzraum geklaut wurde.

Nicht immer kommen Arbeitgeber mit Bagatellkündigungen vor Gericht durch, wie eine Entscheidung des Hamburger Arbeitsgerichts zeigt (Aktenzeichen 27 Ca 262/98): Eine Arbeitnehmerin hatte aus dem Kühlschrank der Betriebskantine eine Dose Fanta entwendet. Das Gericht hielt eine fristlose Kündigung für überzogen und urteilte, der Arbeitgeber hätte zunächst abmahnen müssen.

Ich habe einen privaten Brief durch die Frankiermaschine der Firma geschickt.

Selbst bei geringen Portobeträgen kann das eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Das zeigt das Urteil des hessischen Landesarbeitsgerichts in Frankfurt am Main von 2007. Ein Kundenberater eines Versicherungsmaklers hatte mehrere private Briefe über die Poststelle seines Arbeitgebers verschickt. Der Portobetrag belief sich auf weniger als fünf Euro. Dennoch war die Kündigung rechtmäßig. Der Mitarbeiter habe mit seinem Verhalten in erheblicher Weise das Vertrauen des Arbeitgebers verletzt, so die Richter (Aktenzeichen 22 Ca 966/06).
Mailen und Telefonieren - nicht dienstlich
Ich telefoniere ab und zu kurz privat.

Der Chef kann generell untersagen, dass privat telefoniert wird. In der Regel muss er jedoch erst eine Abmahnung aussprechen, bevor er kündigen kann. Um dem privat telefonierenden Mitarbeiter auf die Schliche zu kommen, darf er - sofern ein Verdacht auf Missbrauch vorliegt - die angerufenen Personen identifizieren. Heimlich die Telefongespräche mitanhören darf der Arbeitgeber jedoch grundsätzlich nicht.

Ich lese während der Arbeitszeit meine privaten E-Mails und surfe im Netz.

Ist im Arbeitsvertrag ein generelles Verbot der privaten Internetnutzung festgehalten, kann ein Verstoß zu einer Abmahnung oder Kündigung führen. Hat der Arbeitgeber nicht ausdrücklich die Privatnutzung des Internets verboten, verletzt der Arbeitnehmer seine vertraglichen Pflichten, wenn er das Web in erheblichem zeitlichen Umfang nutzt. Besonders die Nutzung von Seiten mit pornografischem Inhalt kann eine fristlose Kündigung rechtfertigen.


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