Dieselskandal Ex-Audi-Manager Hatz wird aus der U-Haft entlassen

Im Abgasskandal bei Audi ermitteln die Behörden unter anderem wegen Betrugs gegen Ex-Manager Hatz. Anders als der beurlaubte Konzernchef Stadler kommt der Motorenexperte jetzt unter Auflagen frei.

Wolfgang Hatz
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Wolfgang Hatz


Der beurlaubte Audi-Chef Rupert Stadler muss wegen möglicher Straftaten im Zuge der Abgasaffäre laut Staatsanwaltschaft weiter in Untersuchungshaft bleiben. Der frühere Audi-Manager Wolfgang Hatz kommt dagegen vorerst wieder auf freien Fuß.

Der Haftbefehl werde gegen eine Kaution von drei Millionen Euro und ein Kontaktverbot mit anderen Verfahrensbeteiligten außer Vollzug gesetzt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München unter Berufung auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts. Hatz dürfe demnach also keinen Kontakt zu anderen Zeugen oder Beschuldigten im VW-Abgasskandal aufnehmen - etwa zum ehemaligen Konzernchef Martin Winterkorn.

Hatz' Anwalt, Peter Gauweiler, sagte, sein Mandant habe auch seinen Ausweis abgeben müssen. Er darf Deutschland nicht verlassen. Der 59-jährige Motorenexperte war von 2001 bis 2009 Leiter der Aggregate-Entwicklung bei der Volkswagen-Tochter Audi Chart zeigen. Bis zum Bekanntwerden des Dieselskandals bei VW war er Vorstand beim Autobauer Porsche, dort wurde er dann beurlaubt.

Hatz bestreitet Vorwürfe

Hatz war seit Ende September wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Dagegen legte er erfolglos Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht ein. Die Strafverfolger ermitteln unter anderem wegen Betrugsverdachts beim Verkauf von Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung auf dem europäischen Markt gegen Hatz.

Gauweiler sagte, sein Mandant habe die Vorwürfe stets bestritten. "Es ist aus einer Reihe von Gründen dringend geboten gewesen, dass das Oberlandesgericht den Haftbefehl nun außer Vollzug setzt."

Audi-Chef Stadler dagegen soll laut Staatsanwaltschaft kommende Woche weiter in U-Haft vernommen werden. Die Ermittler haben nach SPIEGEL-Informationen viel potenziell belastendes Material gesammelt.

Zuvor will sich laut Audi das Kraftfahrt-Bundesamt in Ingolstadt ein Bild über die Aufklärung der Abgasaffäre machen. Am Mittwoch wolle sich die Behörde "über den aktuellen Stand der Aufklärungsarbeit in der Dieselkrise informieren", teilte das Unternehmen mit.

Bei dem eintägigen Termin gehe es außer um Software-Überarbeitungen vor allem um neue Prozesse, die für eine Gesamtbetriebserlaubnis erforderlich seien. Das KBA wolle etwa wissen, ob und wie das neue internationale Prüfverfahren für die Abgas- und Verbrauchswerte (WLTP) umgesetzt werde.

"Wir wissen, dass wir viel Vertrauen zurückgewinnen müssen", teilte Einkaufsvorstand Bernd Martens, Leiter der internen Taskforce mit, die die Dieselkrise aufarbeiten soll. Audi hatte angekündigt, die interne Aufarbeitung des Dieselskandals bis Jahresmitte abschließen zu wollen.

apr/Reuters/AFP



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