Liberalisierung WTO einigt sich auf globales Freihandelsabkommen

Der Pakt soll den weltweiten Handel stärken und Armut bekämpfen: 159 Staaten haben sich bei der Welthandelskonferenz in Bali auf ein neues Abkommen geeinigt. Die WTO hofft durch die Liberalisierung auf 20 Millionen neue Arbeitsplätze weltweit.


Nusa Dua - Die 159 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO) haben sich auf eine Liberalisierung des Welthandels geeinigt. Das Abkommen, das am Samstag bei einer Ministerkonferenz auf der indonesischen Insel Bali getroffen wurde, sei ein "wichtiger Schritt", sagte WTO-Generalsekretär Roberto Azevêdo.

"Erstmals in ihrer Geschichte kann die WTO ihre Versprechen halten", sagte der Brasilianer anschließend mit Tränen in den Augen über seine seit 1995 bestehende Organisation. "Dieses Mal kam die gesamte Mitgliedschaft zusammen. Wir haben die 'Welt' wieder in die Welthandelsorganisation gebracht." Azevêdo hatte das Amt an der WTO-Spitze erst im September übernommen.

Die erzielte Einigung im sogenannten Bali-Paket umfasst Handelserleichterungen und Zollabsprachen, deren Auswirkungen auf den Welthandel Experten mit bis zu einer Billion Dollar (etwa 730 Milliarden Euro) beziffern. Außerdem könne ein solcher Schritt weltweit zur Schaffung von rund 20 Millionen neuen Arbeitsplätzen beitragen.

Indien drohte mit Scheitern des Abkommens

Von der Entfernung von Handelsschranken und von den weltweit verbindlichen Rahmenbestimmungen für den Handel sollen nicht nur die Industriestaaten, sondern auch die armen Entwicklungsländer profitieren. Für letztere wurden überdies Unterstützungsmaßnahmen beschlossen.

Die Konferenz auf Bali galt als möglicherweise letzte Chance, die seit zwölf Jahren stagnierende Doha-Runde zur umfänglichen Liberalisierung des Welthandels wiederzubeleben. Der Liberalisierungsprozess krankt seit langem an Differenzen zwischen den reichen Industriestaaten und ärmeren Ländern.

Das Bali-Paket wurde zunächst von Kuba, Bolivien, Venezuela und Nicaragua noch abgelehnt. Nach Angaben von WTO-Sprecher Keith Rockwell waren die vier lateinamerikanischen Staaten unzufrieden, weil eine Passage zum US-Embargo gegen Kuba aus dem Entwurf entfernt worden sei. Nach den Regeln der WTO müssen neue Verträge einstimmig oder zumindest ohne Gegenstimmen angenommen werden.

Auch Indien hatte lange gezögert, ein Abschlussdokument zu unterzeichnen. Neu-Delhi hatte eine Sondergenehmigung für sein subventioniertes Volksernährungsprogramm gefordert und war nicht von seiner harten Linie abgewichen. Die Verhandlungen, die eigentlich am Freitag enden sollten, wurden daraufhin um einen Tag verlängert und bis zu der Einigung fortgesetzt. Schließlich billigte der indische Handelsminister Anand Sharma einen Kompromissvorschlag.

syd/AFP/Reuters/dpa

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ketzer2000 07.12.2013
1. Wo sollen die Arbeitsplätze herkommen?
Zitat von sysopREUTERSDas Abkommen soll den weltweiten Handel stärken und Armut bekämpfen: 159 Staaten haben sich bei der Welthandelskonferenz in Bali auf ein neues Abkommen geeinigt. Die WTO hofft durch die Liberalisierung auf 20 Millionen neue Arbeitsplätze weltweit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wto-einigt-sich-in-bali-auf-abkommen-zur-liberalisierung-a-937726.html
Mir ist nicht klar, wo die Arbeitsplätze herkommen sollen. Was soll produziert und konsumiert werden? Und, wer sind die Gewinner und Verlierer? Bisher hat der Freihandel nur den entwickelten Ländern genutzt. Mit der Produtkivität der Industrieländer können wir die Welt mit Waren überschwemmen. Das schließt selbstverständlich auch die Agrarprodukte ein.
RocknRolli 07.12.2013
2. Bazillionen
Bleibt nur zu hoffen, dass für die Prognose der monetären Effekte nicht der Ramsauer zuständig war.
fuenfringe 07.12.2013
3. In echt?
Zitat von sysopREUTERSDas Abkommen soll den weltweiten Handel stärken und Armut bekämpfen: 159 Staaten haben sich bei der Welthandelskonferenz in Bali auf ein neues Abkommen geeinigt. Die WTO hofft durch die Liberalisierung auf 20 Millionen neue Arbeitsplätze weltweit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wto-einigt-sich-in-bali-auf-abkommen-zur-liberalisierung-a-937726.html
20 Millionen Arbeitsplätze weltweit? Dann sinkt ja eventuell die Arbeitslosigkeit weltweit um 0,2%. Da sind dann Kinder in Afrika und Asien dabei und Leute, die sich wegen der Arbeitsbedingungen in China aus dem Fenster stürzen. Ja, da hätte ich anstelle dieses WTO-Präsidenten auch Tränen in den Augen. Und wieviele Milliarden generieren diese paar Arbeitsplätze? Wo fließt das Geld hin? Sicher nicht in Schulen in armen Ländern. Die WTO ist nicht bekannt dafür, eine soziale Einrichtung zu sein.
wohlmein 07.12.2013
4. Was bedeutet das in Bezug auf EU und Afrika ?
Zitat von sysopREUTERSDas Abkommen soll den weltweiten Handel stärken und Armut bekämpfen: 159 Staaten haben sich bei der Welthandelskonferenz in Bali auf ein neues Abkommen geeinigt. Die WTO hofft durch die Liberalisierung auf 20 Millionen neue Arbeitsplätze weltweit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wto-einigt-sich-in-bali-auf-abkommen-zur-liberalisierung-a-937726.html
Bedeutet das u.a., daß die EU die einheimischen Manufakturen auf dem südlichen Kontinent *-soweit sie noch nicht ((versehentlich!!)) abgemurkst wurden -* ab sofort aufleben läßt - und sie nicht weiterhin mit Tonnen von Hähnchenflügeln, die hierzulande niemand ißt, überschüttet ? *Und daß die Altkleidersammlungen* unsere alten Jeans und T-Shirts nicht mehr auf den afrikanischen Markt schmeißt ? (Wir sehen sie dann ja wieder an den vergifteten Kinden auf den Elektroschrott-Müllhalden..) *Und übrigens, was ist mit unserem Elektroschrott ?* Wird der jetzt -e c h t- nicht mehr da runter geschippert ? *A propos "schippern": Die INDUSTRIELLE RAUBFISCHEREI an den Küstengewässern rund um Afrika _ist ab sofort VERGANGENHEIT ??_*, so daß die einheimischen Fischer ihre Netze in einigen Jahren wieder zu 1/4 gefüllt bekommen - und damit auch die Mägen ihrer Familien ?? Und das Freihandelsabkommen mit den Usah ist auch obsolet, was -dorten- Arbeitsplätze schafft (und "irgendwo "anders" vielleicht vernichtet) ? *ODER HEISST DAS NUR, daß MONSANTO und die entsprechenden DEUTSCHEN FIRMEN jetzt ihren Mist sogar am Nordpol verkaufen können ??*
Vox libertatis 07.12.2013
5. Gut für Entwicklungsländer, schlecht für korrupte Systeme
Konsumenten und Kleinunternehmer in Entwicklungsländern werden mittelfristig von diesem Abkommen profitieren. Dass Zollbeamte Waren wochenlang festhalten und erst gegen Bakschisch freigeben, wird nun schwieriger werden. Auch die Schritte für einen zollfreien Marktzugang der ärmsten Länder("DFQF market access") sind wichtig. Was im Verhandlungsprozess gelitten hat, ist Indiens Glaubwürdigkeit als selbst ernannter Anwalt der Armen. Im übrigen eine grosse Verhandlungsleistung von WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo – was Pascal Lamy in acht Jahren nicht schaffte, hat er in zehn Wochen vollbracht: der Doha-Runde wieder Leben einzuhauchen.
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