Bausparen Wüstenrot kündigt 15.000 Kunden die Verträge

Sie haben sich "überspart": Weil bei 15.000 Kunden die Zinsen aufs Guthaben angeblich zu hoch sind, hat die Bausparkasse Wüstenrot ihnen gekündigt. Das Unternehmen bezeichnet das Vorgehen als üblich, Verbraucherschützer sehen das anders.

Hausbau in Schwerin: "Bausparen ist Zwecksparen"
DPA

Hausbau in Schwerin: "Bausparen ist Zwecksparen"


Stuttgart - Rund 26 Millionen Deutsche besitzen Bausparverträge, die damit eines der beliebtesten Anlageprodukte überhaupt sind. Doch 15.000 Kunden der Bausparkasse Wüstenrot können nun nicht mehr weitersparen. Ihnen wurde der Vertrag gekündigt. Der Grund: Der Wüstenrot sind die Zinsen auf die Guthaben zu hoch.

Das Unternehmen bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" und bezeichnete ihr Vorgehen als "branchenüblich". Die zweitgrößte Bausparkasse beruft sich auf einen Passus in seinen Allgemeinen Bausparbedingungen, wonach es Verträge kündigen kann, sobald Guthaben und Bonuszinsen die Bausparsumme übersteigen. Die 15.000 betroffenen Kunden hätten offensichtlich ihren Vertrag "überspart", teilte die Bausparkasse mit. Der Verband der Privaten Bausparkassen wies darauf hin, dass Ombudsleute seit Anfang 2008 in vielen Fällen genau so entschieden hätten. "Denn Bausparen ist Zwecksparen", sagte der Sprecher.

Bei Verbraucherschützern stößt das Vorgehen auf Kritik. "Man hat den Kunden den Vertrag als Sparprodukt mit attraktivem Guthabenzins verkauft und sollte jetzt nicht im Kleingedruckten nach Ausflüchten suchen", sagte Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, den "Stuttgarter Nachrichten".

Die Bausparkassen sind von zwei Seiten unter Druck geraten. Sie müssen einerseits hohe Zinsen für die Guthaben aus alten Verträgen zahlen, können dies aber nicht durch die hohen Darlehenszinsen aus dieser Zeit ausgleichen, weil Kunden auf diese teuren Kredite verzichten und stattdessen zu günstigeren Hypothekendarlehen greifen.

Insgesamt beträgt der Anteil der Hochzinstarife am gesamten Segment Bausparen bei Wüstenrot eigenen Angaben zufolge rund 20 Prozent. Der Wüstenrot-Bausparkasse entstehe dadurch eine jährliche Ergebnisbelastung von hundert Millionen Euro, erklärte ein Sprecher.

mia/dpa



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insgesamt 41 Beiträge
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source77 13.09.2013
1. Nee, is klar!
Ich kann es kaum fassen, dass dieses Vorgehen rechtmässig ist. Das "Kleingedruckte" gewinnt. Der Vorgang erinnert mich an das Torwandschiessen bei einem E-Markt. Ich bin fassungslos...!
4qfghei3pers 13.09.2013
2. Natürlich
Natürlich ist diese Handlungsweise rechtmäßig, wenn auch vielleicht problematisch für den Sparer. Das Grundübel sind nicht die Guthabenzinsen auf Bausparguthaben, sondern die viel zu niedrigen Zinsen der EZB. Wenn die Banken sich selber Geld für 0% leihen können, kann doch keiner auf Sparguthaben z.B. 3% bezahlen. Die EZB ist das Verderbnis unserer Zeit, denn auch Pensionsfonds, Rentenfonds, Anleger usw. wollen zumindest eine kleine Rendite erwirtschaften. Das geht aber nicht bei so billigem Geld. Gleichzeit wird unser Sparguthaben durch Inflation entwertet, bringt aber selber keine Zinsen. Die Südländer sind die eigentlichen Nutznießer, während die gut wirtschaftenden Länder draufzahlen.
nick-the-greek 13.09.2013
3. Vertraglich geregelt..
Wenn ich vertraglich 20.000 € ausmache, und dieser Betrag als Bausparguthaben erreicht ist, dann sollte man sich nicht wundern weshalb einem gelündigt wird. Wenn ich eine Festgeldanlage für eine Laufzeit von 10 Jahren beantrage, dann beschwer ich mich doch net, dass ich nach dem 10 Jahr nicht dieselben Konditionen erhalte bzw. die Festgeldanlage aufgelöst werden... Alle Verträge sind geregelt, wenn die Bedingungen erfüllt sind, muss man sich nicht wundern wenn einer der Vertragspartner "aussteigt". Bsp. 2-järhiger Mobilfunktvertrag.. da komm ich auch anch 2 Jahren raus -> vertraglich geregelt....
hörstdu 13.09.2013
4. es gibt...
keine sicheren geldanlagen mehr!
rentmaus 13.09.2013
5. Die armen Bank-Institute
Zitat von 4qfghei3persNatürlich ist diese Handlungsweise rechtmäßig, wenn auch vielleicht problematisch für den Sparer. Das Grundübel sind nicht die Guthabenzinsen auf Bausparguthaben, sondern die viel zu niedrigen Zinsen der EZB. Wenn die Banken sich selber Geld für 0% leihen können, kann doch keiner auf Sparguthaben z.B. 3% bezahlen. Die EZB ist das Verderbnis unserer Zeit, denn auch Pensionsfonds, Rentenfonds, Anleger usw. wollen zumindest eine kleine Rendite erwirtschaften. Das geht aber nicht bei so billigem Geld. Gleichzeit wird unser Sparguthaben durch Inflation entwertet, bringt aber selber keine Zinsen. Die Südländer sind die eigentlichen Nutznießer, während die gut wirtschaftenden Länder draufzahlen.
Warum sollten sie das nicht können? Sie knöpfen ihren Kunden bei einem Überziehungs-Kredit immerhin durchschnittlich 12% Zinsen ab, bei 0,00% für den eigenen Kredit bei der EZB ist das doch ein ziemlich guter Reibach oder ...
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