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Wüstenstrom-Initiative: Industrie gründet Desertec-Unternehmen

Jetzt geht's los: Zwölf Konzerne aus der Energie- und Finanzbranche und eine gemeinnützige Stiftung haben in München die "Desertec Industrial Initiative" gegründet - eine GmbH, die gewaltige Solarstrom-Projekte in Nordafrika ermöglichen soll.

Solarkraftwerk der Solar Millennium AG: Wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz Zur Großansicht
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Solarkraftwerk der Solar Millennium AG: Wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz

München - Es ist die Crème de la crème der deutschen Wirtschaft, die an diesem Freitag in München zusammenkam: Deutsche Bank Chart zeigen, Siemens Chart zeigen, Münchener Rück Chart zeigen, E.on Chart zeigen, RWE Chart zeigen und weitere Konzerne haben die GmbH "Desertec Industrial Initiative" (DII) gegründet. Das Ziel des neuen Unternehmens ist extrem hoch gesteckt - es soll gigantische Mengen Solarstrom in der Sahara produzieren.

Insgesamt beteiligen sich zwölf Unternehmen und die Desertec-Stiftung an dem Projekt. Mit der Gründung der DII wurde nun eine Grundsatzvereinbarung aus dem Juli umgesetzt.

Die DII soll analysieren, wie Europa mit klimafreundlichem Solarstrom aus den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens versorgt werden kann. Langfristig sollen so 15 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. Erste Kraftwerke könnten bereits 2015 gebaut werden.

Die nötigen Investitionen für das Gesamtprojekt werden auf rund 400 Milliarden Euro bis 2050 geschätzt. Die jetzt gegründete DII soll die Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Aus einer Vision wird Wirklichkeit

Laut einer Mitteilung der Münchener Rück soll das Desertec-Projekt zügig verwirklicht werden. Langfristig sollen die Wüstenstromkraftwerke einen "erheblichen Anteil" des Strombedarfs in Nordafrika und bis zu 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Alle Gesellschafter seien sich einig, dass wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz nötig seien, sagte Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied des weltgrößten Rückversicherers der Munich Re.

"Vor dem Hintergrund des bedeutenden Uno-Klimagipfels in Kopenhagen zeigt unsere Industrie-Initiative, wie Geschäftspotentiale für Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen vereinbar sind." In der dänischen Hauptstadt soll im Dezember ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Klimaprotokoll beschlossen werden.

Geschäftsführer der DII wird der niederländische Energiemanager Paul van Son. Er arbeitete zuvor bei Unternehmen, die sich in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz einen Namen gemacht haben. "Wir sehen in der Desertec-Vision einen ganz entscheidenden Baustein für eine nachhaltige Energieversorgung in den MENA-Staaten (Naher Osten und Nordafrika) und Europa. Jetzt ist Zeit, aus dieser Vision Wirklichkeit werden zu lassen", sagte van Son.

Schwarz-Gelb unterstützt das Projekt

Die Planungsgesellschaft soll laut van Son zunächst wirtschaftliche, technische und gesetzliche Rahmenbedingungen zum Bau von Wüstenkraftwerken und grenzüberschreitenden Stromleitungen analysieren. Außerdem sollen mittels "früher Referenzprojekte" Erkenntnisse für den Ausbau des Projekts im großen Maßstab gesammelt werden. In drei Jahren soll dann ein fertiges Konzept mit möglichen Standorten und den benötigten Investitionssummen vorliegen.

Über die zwölf Gründungsgesellschafter hinaus werden weitere drei bis fünf Unternehmen aus verschiedenen Ländern vermutlich noch dieses Jahr als Gesellschafter oder Partner beitreten, hieß es.

Die neue schwarz-gelbe Koalition hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag für das Desertec-Projekt ausgesprochen. Kritiker sehen in dem groß angelegten Bau von solarthermischen Kraftwerken in der Sahara allerdings die Gefahr, dass der Aufbau einer eigenen, dezentralen Versorgung mit erneuerbaren Energien in Deutschland behindert wird. Außerdem wenden sie sich gegen eine mögliche Ausbeutung unterentwickelter Länder in Form eines "Solar-Kolonialismus".

wal/ddp/AP

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Forum - Atom oder Solar - wem gehört die Zukunft?
insgesamt 6758 Beiträge
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1.
Frank und gerne Frei 08.07.2009
Sinnvoll ist es, beides zu haben....
2.
AndyH 08.07.2009
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Es gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland hat die Braunkohle in Mengen wie Irak Öl. Es wäre hirnrissig jetzt eine Ideologie zu installieren, der dies entwertet. Solar und andere flächengebundene "regenerative" Energien sind vernachlässigbar, bis auf Wasser das ist aber ausgereizt.
3.
kdshp 08.07.2009
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Hallo, was für eine frage ! Natürlich sonnenstrom und das wird kommen zwar arbeiten die lobbys und politiker noch stark dagegen aber er wird kommen. Ich schaue auch schon was eine solarstromalange für mein haus kostet bzw. ich spare schon dafür und werde mir zu 100% eien holen. Hier hätte die regierung auch was machen sollen ähnlich wie diese abwrackprämie so eien art 100.000 dächer solar programm. man was hätten wir an energie gespart und auch an co2. Atomstrom war gestern !
4.
LumpY 08.07.2009
Zitat von AndyHEs gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland hat die Braunkohle in Mengen wie Irak Öl. Es wäre hirnrissig jetzt eine Ideologie zu installieren, der dies entwertet. Solar und andere flächengebundene "regenerative" Energien sind vernachlässigbar, bis auf Wasser das ist aber ausgereizt.
Sie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC? Die Braunkohle nicht entwerten!? hallo? das ist weder der Umwelt noch unseren Nachfahren gegenüber zu Verantworten auf solch eine Energiegewinnung zu setzten.
5.
AndyH 08.07.2009
Zitat von LumpYSie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC? Die Braunkohle nicht entwerten!? hallo? das ist weder der Umwelt noch unseren Nachfahren gegenüber zu Verantworten auf solch eine Energiegewinnung zu setzten.
Interessiert defacto keinem, ausser als Möglichkeit die Luft zu besteuern. Unser nachfahren wird nicht dadurch geholfen, dass wir das Land deindustrialisieren bis aussieht wie Michigan.
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Desertec: Strom aus der Wüste

Desertec - Das Wüstenstrom-Projekt
Die Idee
Mit dem Großprojekt Desertec will ein Konsortium aus Finanz-, Industrie- und Energiekonzernen Solarstrom aus der Wüste nach Europa bringen. Bis 2050 sollen so rund 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs umweltfreundlich mit Hilfe der Wüstensonne gedeckt werden. Die Kosten dafür werden auf rund 400 Milliarden Euro geschätzt. Gewonnen werden soll die Energie dabei durch Solarthermie.
Die Technik
Geplant sind Solarthermie-Anlagen. Bei dem Verfahren wird das Sonnenlicht mit Spiegeln gebündelt. Es erhitzt ein Spezialöl, das wiederum seine Wärme an Wasser abgibt und es zum Kochen bringt. Der Wasserdampf treibt dann Turbinen an, die Strom produzieren. Teile der Wärmeenergie des Tages können gespeichert werden, so dass auch in der Nacht noch Stromproduktion möglich ist. Neben der Solarthermie sind auch Windparks an den afrikanischen Küsten im Gespräch.
Der Transport
Der Strom soll durch ein neues Leitungsnetz über 3000 Kilometer nach Europa gebracht werden. Es dürfte nach Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt allein etwa 45 Milliarden Euro kosten. Für die Stromübertragung sollen Gleichstrom-Hochspannungsleitungen verwendet werden, die wesentlich geringere Leistungsverluste aufweisen als die beispielsweise in deutschen Überlandnetzen anzutreffenden Hochspannungsleitungen. Der an dem Projekt beteiligte Siemens-Konzern baut derzeit eine derartige Gleichstromleitung in China.
Die Unternehmen
Insgesamt zwölf Unternehmen wollen sich an der Gründung der Wüstenstrom-Initiative Desertec beteiligen. Die Grundsatzvereinbarung unterzeichnet haben die Münchener Rück, Siemens, die Deutsche Bank, RWE, E.on, MAN, die HSH Nordbank, ABB, ABENGOA Solar, Cevital, M+W Zander sowie SCHOTT Solar.

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