Sparkurs Yahoo zieht sich komplett aus China zurück

Yahoo schließt seine Niederlassung in Peking: Damit zieht sich der angeschlagene US-Internetkonzern komplett aus dem chinesischen Markt zurück. Mit dem Schritt streicht das Unternehmen rund 200 bis 300 Jobs.

Ex-Yahoo-Mitarbeiter (am 19. März in Peking): Suche nach einem neuen Job
DPA

Ex-Yahoo-Mitarbeiter (am 19. März in Peking): Suche nach einem neuen Job


San Francisco/Peking - Der Druck auf Yahoo wächst. Dem US-Internetkonzern machen schwache Zahlen zu schaffen, Investoren drängen das Unternehmen, seine Ausgaben zu reduzieren. Jetzt treibt Yahoo seinen Sparkurs weiter voran und schließt die Niederlassung in Peking.

"Rund 350 Jobs" sollen dabei eingespart werden, sagte ein Sprecher laut BBC, die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet von etwa 200 bis 300 Stellen, die betroffen sind. Das Yahoo-Büro in Peking, die einzige Niederlassung des Unternehmens in China, war verantwortlich für Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Die Aufgaben der chinesischen Niederlassung sollen nun in anderen Büros zusammengeführt werden, teilte Yahoo mit.

Mit der Auflösung der Niederlassung in Peking zieht sich Yahoo nun komplett aus China zurück. Bloomberg-Analysten bewerten den Schritt von Yahoo-Chefin Marissa Mayer eher als Teil ihrer Bemühungen, Kosten zu minimieren, denn als geografische Strategie.

Das Unternehmen arbeitet bereits seit Jahren daran, seine China-Geschäfte zunehmend an die größte chinesische Internet-Handelsplattform Alibaba abzugeben. Im Frühjahr 2012 verkaufte Yahoo einen 20-prozentigen Anteil an Alibaba, Käufer der Aktien war das asiatische Unternehmen selbst.

Im Januar 2015 hatte Yahoo zuletzt eine steuereffiziente Lösung präsentiert, die den Wert der Alibaba-Investition für die Aktionäre maximiert: Der Konzern gliederte auch seinen restlichen milliardenschweren Anteil an dem chinesischen Onlinehändler aus.

Yahoos chinesisches Image-Desaster

Die Aktivitäten von Yahoo China wurden von einer Reihe schwerer Probleme überschattet. Im Jahr 2005 wurden Vorwürfe laut, der Konzern habe durch Weitergabe von Daten die Verhaftung eines Journalisten ermöglicht. Die Anschuldigungen wuchsen sich für das Unternehmen zum Image-Desaster aus. 2007 wurde Yahoo China wegen Raubkopien verurteilt: Die International Federation for the Phonographic Industry (IFPI) klagte erfolgreich gegen den Suchmaschinenbetreiber. Yahoo China wurde vorgeworfen, auf Websites mit illegalen Kopien von Musik zu verlinken.

Im Herbst 2013 wurde ein wegen des Yahoo-Verrats verurteilter Journalist schließlich vorzeitig aus der Haft entlassen. Der Konzern hatte seine E-Mails einst an die chinesische Regierung weitergegeben. Daraufhin war der Regimekritiker 2005 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden.

bos/AP

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