Bachelor-Affäre: Yahoo-Chef Thompson muss gehen

Ein falscher akademischer Titel in seinem Lebenslauf kostet Yahoo-Chef Scott Thompson den Job. Nach Angaben des Konzerns wird er seinen Posten abgeben. Wegen der Affäre stand der Manager bereits seit Tagen in der Kritik.

Yahoo-Chef Thompson: "Ich übernehme die volle Verantwortung" Zur Großansicht
DPA

Yahoo-Chef Thompson: "Ich übernehme die volle Verantwortung"

New York - Der wegen eines geschönten Lebenslaufs in die Kritik geratene Yahoo-Chef Scott Thompson stellt seinen Posten zur Verfügung. Wie der Konzern am Sonntag auf seiner Website bekannt gab, verlässt er das Unternehmen. Sein Nachfolger werde den Angaben zufolge bis auf weiteres der bisherige Leiter des globalen Mediengeschäfts, Ross Levinsohn.

Zuvor hatte bereits das Blog "All Things Digital" unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen berichtet, dass der Vorstand noch am Sonntag zusammenkommen solle, um den Rücktritt anzunehmen. Wenig später folgte die Bestätigung von Seiten des Unternehmens. Die "All Things Digital"-Autorin Kara Swisher hat Agenturberichten zufolge gute Verbindungen zu Yahoo. Auch in der Vergangenheit war sie mit ihren Informationen äußerst treffsicher.

Thompson steht seit Tagen unter Dauerfeuer eines Großaktionärs, weil in seinem offiziellen Lebenslauf ein Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften aufgeführt war, den er gar nicht besitzt. Der Manager hatte sich nach Bekanntwerden der Falschangabe bei seinen Mitarbeitern entschuldigt. "Ich übernehme dafür die volle Verantwortung", teilte er in der vergangenen Woche in einem Schreiben an seine Belegschaft mit.

Yahoo hatte jüngst bestätigt, dass Thompson - anders als bei der US-Börsenaufsicht SEC angegeben - keinen Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften habe. Das Unternehmen leitete eine Untersuchung ein, wie es zu der Fehlinformation kommen konnte, und versprach, die Aktionäre über die Ergebnisse zu unterrichten.

Nicht nur Yahoo verbreitete die falschen Informationen über Thompsons akademische Titel. Auch in Dokumenten seines früheren Arbeitgebers PayPal wurden sie genannt. Aufgedeckt hatte den Fehler der Manager des Hedgefonds Third Point, Daniel Loeb. Third Point hält 5,8 Prozent der Anteile an Yahoo. Loeb stritt mit Thompson um die Besetzung mehrerer Sitze im Verwaltungsrat, in den er selbst gerne einziehen möchte. Nach Angaben von Yahoo handelt es sich um einen unbeabsichtigten Fehler.

Thompsons Rückzug ist schon der zweite unrühmliche Abgang eines Yahoo-Chefs binnen weniger Monate. Er war erst zu Jahresbeginn angetreten. Seine Vorgängerin Carol Bartz war gefeuert worden, weil sie es nicht geschafft hatte, den Umsatzschwund zu stoppen.

Yahoo steht in scharfer Konkurrenz zu Google und Facebook im Geschäft mit Web-Werbung. Thompson konnte in dem schwierigen Markt erste Erfolge vorweisen. Umso stärker dürfte eine Hängepartie bei der Suche nach einem dauerhaften neuen Chef das Unternehmen nun treffen.

suc/dpa/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kein Rückgrat ...
stefanbodensee 13.05.2012
Unbeabsichtigter Fehler ? Wieso kann man nicht einfach mal sagen, dass man sich mit einem falschen Titel geschmückt hat - anstatt irgendwelche verschwurbelten Phrasen zu gebrauchen, bei denen eh jeder weiss, dass sie an den Haaren herbeigezogen sind. Echt armselig ...
2. Politiker des Bundestags
f.a.g. 13.05.2012
Zitat von sysopEin falscher akademischer Titel in seinem Lebenslauf könnte Yahoo-Chef Scott Thompson den Job kosten. Das Technologie-Blog "All Things Digital" berichtet, dass der Manager kurz vor dem Rücktritt steht. Yahoo-Chef Thompson in Titelaffäre vor Rücktritt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,832941,00.html)
lasst den Jungen doch nicht im Regen stehn ! Der Bube ist doch alleweil noch ministerabel z.B.: Verteidigung ,Kultus , und/oder evtl Europa-Abortgenordete (Nach einer halbwegs tauglichen Geschlechtsumwandlung u. Blondierung) oder eine Führungsrolle bei den Liberalen . Was dem einen ein Dr. ,dem andern ein Bachelor .
3. Frau Schawan
iketchup 13.05.2012
Plagiate tun sich schwer, oder? Heinz Ketchup
4.
TS_Alien 13.05.2012
Es wird immer peinlicher. Jetzt werden schon Bachelor-Abschlüsse gefälscht. Das ist ja noch nicht einmal ein Vordiplom (wenn man ehrlich ist). Schlimm, dass solche Menschen auch noch zurücktreten dürfen. Diese Menschen müssen fristlos entlassen und verklagt werden.
5. RIchtig so.
spon-facebook-10000329044 13.05.2012
Der Schaden der Thompson der Moral der Mitarbeiter versetzt hat, ist immens. Geknickt sind nach den Lay-offs eh schon alle. Das er nicht dazu steht, war abzusehen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Yahoo
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 17 Kommentare
Fotostrecke
15 Jahre Yahoo: Eine halbe Web-Ewigkeit

Politiker und Doktorarbeiten