Neue Pläne: Yahoo-Chefin legt sich mit Aktionären an

Die neue Yahoo-Chefin Marissa Mayer setzt erste eigene Akzente und nimmt die Strategie ihrer Vorgänger auseinander. Die Erlöse aus einem milliardenschweren Verkauf will sie offenbar in das Unternehmen stecken und nicht an Aktionäre auszahlen. Diese reagierten verärgert.

Frischer Wind bei Yahoo: Marissa Mayer räumt auf Fotos
REUTERS

Sunnyvale - Sie gilt als Hoffnungsträgerin bei Yahoo und drückt bei den Sanierungsarbeiten bei dem angeschlagenen Internetkonzern aufs Tempo. Nur drei Wochen nach ihrem Amtsantritt hat Vorstandschefin Marissa Mayer zahlreiche Entscheidungen ihrer Vorgänger in Frage gestellt.

Ihre Umtriebigkeit kommt bei den Aktionären aber nicht durchgehend gut an. Denn die Yahoo-Chefin will, dass auch die Anleger ihren Teil zur neuen Strategie beitragen. Die Aktionäre sollen nämlich auf Geld verzichten, das die alte Führungsriege ihnen bereits versprochen hatte: Die Milliarden aus dem Verkauf von Anteilen am chinesischen Internetunternehmen Alibaba sollten an die Anleger ausgeschüttet werden.

Der Schwenk von Mayer wurde an der Börse zunächst nicht honoriert. Die Aktie fiel nachbörslich um vier Prozent. Yahoo erklärte in einer Börsenmitteilung, dass sich Mayer zusammen mit dem Verwaltungsrat die Wachstums- und Übernahmestrategie des Unternehmens anschaue. Auch der Restrukturierungsplan sowie die anvisierte Kapitalzuteilung und der Kassenbestand würden überprüft. Ziel sei es, langfristig Wert für die Anteilseigner zu schaffen. Im Klartext heißt das: Mayer will Yahoo auf Vordermann bringen und damit den Aktienkurs steigern.

Langfristig sollte das auch den Aktionären nutzen - doch kurzfristig müssen sie auf Geld verzichten. Der Alibaba-Verkauf soll mindestens 6,3 Milliarden Dollar in bar einbringen. Fast alles, was nach Steuern noch übrigbleibt, war eigentlich den Aktionären versprochen worden. Der Abschluss des Verkaufs wird gegen November erwartet.

Yahoo hat viel aufzuholen

Die Ankündigungen von Yahoo Chart zeigen zeigen, dass Mayer offenbar die Kasse füllen möchte, um den Rivalen Google Chart zeigen und Facebook Chart zeigen Konkurrenz zu machen. Dazu braucht Yahoo dringend Innovationen, die wiederum Geld kosten.

Auch bei der Personalstrategie hinkt der Konzern hinterher. Google und Facebook haben eingestellt, bei Yahoo dagegen sollen 2000 von 14.000 Jobs abgebaut werden. Das alte Management hatte einen Sparkurs verordnet, weil die Werbeanzeigen und der Verkauf von bevorzugten Platzierungen in der Trefferliste von Yahoo weniger Geld einbringen.

Mayer wechselte erst Mitte Juli von Google zu Yahoo. Die 37-Jährige ist eine der bekanntesten Frauen in der Technologieszene. Sie leitete bei Google die Internetsuche und später die Kartendienste. Mayers Berufung hatte für Aufsehen gesorgt. Yahoo-Übergangschef Ross Levinsohn galt zunächst als Favorit für den Chefposten. Er hat inzwischen die Konsequenzen gezogen und verlässt die Internetfirma.

mmq/dpa-AFX

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insgesamt 4 Beiträge
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1.
BlakesWort 10.08.2012
Da sieht man es mal wieder. Intelligente Anleger gibt es kaum noch. Überall muss der schnelle Profit her. Yahoo hat langfristig nur eine Überlebenschance, wenn sie ihr Marktmodell radikal ändern und dazu brauchen sie Geld. Wer das nicht einsieht, sollte sein Geld besser gleich abziehen, anstatt über Jahre diesen scheintoten Riesen auszupressen.
2.
Sleeper_in_Metropolis 10.08.2012
Was macht eigentlich Yahoo heutzutage ? Außer das die vor gefühlten hundert Jahren mal eine recht bekannte Internet-Suchmaschine hatten fällt mir zu dem Laden absolut nichts ein.
3. optional
Uexkuell 10.08.2012
Die Anleger sollten auf Frau Mayer hören und ihr das Vertrauen schenken. Yahoo braucht diese Finanzspritze, um den nächsten Innovationsschritt zu machen. Dass man einen Konzern nicht gleich abschreiben sollte, wenn es einmal nicht läuft, ist in der Vergangenheit immer wieder gezeigt worden (Man denke an die kurzzeitige Renaissance von Puma-Produkten). Auch Nokia beweist das gerade mit dem neuen Pureview-Handy. So eine Vorstandsvorsitzende würde auch manchem europäischen Konzern weiterhelfen. Eine Frauenquote braucht man dafür nicht, sondern nur eine gute Beobachtungsgabe, um Talente zu sichten. Ich bin mir sicher, dass Mayer Yahoo wieder auf Kurs bringen wird.
4. Email
Falsche Küste 10.08.2012
Email macht Yahoo ganz gut. Gefaellt mir besser als Googles Loesung, da uebersichtlicher.
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