Affäre bei Internetkonzern Yahoo-Chef schmückt sich mit falschem Titel

Yahoo-Chef Scott Thompson hat seinen Lebenslauf frisiert und sich einen Abschluss in Computerwissenschaften verpasst. Diese Qualifikation habe der Manager gar nicht, räumte der Konzern nun ein. Ein Großaktionär hat den Schwindel aufgedeckt - ausgerechnet mit Hilfe von Google.

Yahoo-Chef Scott Thompson: Ärger wegen falschem Titel
REUTERS/PayPal

Yahoo-Chef Scott Thompson: Ärger wegen falschem Titel


New York - Geklaute und kopierte Passagen in Doktorarbeiten haben einige deutsche Politiker in Bedrängnis gebracht. Nun gibt es auch in den USA einen prominenten Fall, in dem es um einen falschen Titel geht. Der Internetkonzern Yahoo hat eingeräumt, dass Angaben über die Qualifikationen seines neuen Chefs Scott Thompson gegenüber der Börsenaufsicht (SEC) falsch waren.

Die Firma hatte angegeben, der Manager habe einen Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften. Nun erklärte Yahoo gegenüber dem Blog "All Things Digital", dies sei eine falsche Information. Thompsons Qualifikationen seien übertrieben dargestellt worden. Das Unternehmen machte einen "unbeabsichtigten Fehler" dafür verantwortlich.

US-Medien berichteten aber, dass der falsche Titel schon vor Jahren zu Thompsons Zeit bei der Handelsplattform Ebay Chart zeigen in seinen offiziellen Lebensläufen auftauchte. Yahoo Chart zeigen führt auch einen Abschluss von Thompson in Buchhaltung auf - und versicherte, diesen Titel habe er wirklich.

Der Manager ist erst seit vier Monaten Chef des Internetkonzerns und soll das kriselnde Unternehmen wieder auf Kurs bringen. Die Affäre bringt den Konzernchef auch bei den Anlegern in Erklärungsnot. Von dort kam auch der Hinweis auf den falschen Titel. Großaktionär Daniel Loeb hatte den Fehler entdeckt. Der New Yorker Hedgefonds-Manager liegt mit Thompson über die Besetzung mehrerer Sitze im Verwaltungsrat im Streit. Loeb will in das Gremium einziehen und den Kurs des Unternehmens mitbestimmen. Seine Finanzfirma Third Point hält 5,8 Prozent an Yahoo.

Schwindel per Google-Suche aufgedeckt

In einem recht süffisant formulierten Brief hielt Loeb dem Yahoo-Chef vor, dieser habe 1979 seinen Abschluss am Stonehill College gemacht. Doch erst vier Jahre später habe das College überhaupt angefangen, Titel in Computerwissenschaften zu vergeben. Eine einfache Google-Suche habe gereicht, um den Widerspruch festzustellen.

Loeb warf Yahoo einen Verstoß gegen den Ethikcode vor und forderte eine unabhängige Untersuchung des Falls. Ob sich die Aktionäre und Aufseher mit Yahoos bisheriger knapper Erklärung zufrieden geben, ist fraglich. Denn der falsche Titel tauchte auch in Börsenmitteilungen zu Thompsons Berufung an die Konzernspitze auf. Aktionärsklagen sind nicht auszuschließen.

Der Yahoo-Verwaltungsrat werde sich mit dem Thema befassen, erklärte das Unternehmen. Insider sagten "All Things Digital", mehrere Mitglieder des Verwaltungsrats seien tief besorgt. Die Angelegenheit sei in vieler Hinsicht ein Problem, insbesondere mit Blick auf das Vertrauen der Anleger.

Offiziell stärkte Yahoo Thompson den Rücken. Der falsche Titel ändere nichts an der Tatsache, dass er ein hochqualifizierter Manager sei, hieß es.

Auch eine Verwaltungsrätin ist unter Druck

Thompson kam Anfang des Jahres als großer Hoffnungsträger zu dem schwächelnden Internetunternehmen. Yahoo lebt von Online-Werbeeinnahmen. In diesem Geschäft sind Konkurrenten wie Google Chart zeigen und zuletzt auch das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook immer stärker geworden. Thompson, der zuvor die Ebay-Bezahltochter PayPal führte, leitete einen strikten Sparkurs mit drastischem Stellenabbau ein. Vor seinem Antritt war Yahoo monatelang führungslos. Das Unternehmen sorgte zuletzt mit der schmutzigen Trennung von seiner vorherigen Chefin Carol Bartz für Schlagzeilen.

Die Titel-Affäre um Thompson könnte auch Yahoo-Verwaltungsrätin Patti Hart in Bedrängnis bringen. Sie war für die Chefsuche zuständig. Loeb warf Hart in seinem Brief vor, auch sie habe bei ihrem Titel übertrieben und ihren eigenen Abschluss in Betriebswirtschaft für einen in Ökonomie und Marketing ausgegeben. Yahoo erklärte dazu, Hart habe tatsächlich einen Betriebswirtschafts-Abschluss, aber mit einer Spezialisierung auf Ökonomie und Marketing.

mmq/dpa/dapd



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
lifetekker 04.05.2012
1. Informatik
Computer Science wird im allgemeinen mit Informatik übersetzt. Eine einfache Google-Suche hätte da gereicht...
Niamey 04.05.2012
2. Affäre? Wo, und wer mit wem?
Zitat von sysopREUTERS/PayPalYahoo-Chef Scott Thompson hat seinen Lebenslauf frisiert und sich einen Abschluss in Computerwissenschaften verpasst. Diese Qualifikation habe der Manager gar nicht, räumte der Konzern nun ein. Ein Großaktionär hat den Schwindel aufgedeckt - ausgerechnet mit Hilfe von Google. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,831258,00.html
Alles eben doch sehr virtuell in dieser digitalen Welt. Und dann alle immer gleich Manager! In Hong Kong ist jede Klofrau Manager.....
paix 04.05.2012
3. hm
Nette Vorbilder, irgendwie scheinen alle Manager und Politiker nur noch zu lügen und zu betrügen und das soll dann auch noch unsere Elite sein ?!
Guadalajara 04.05.2012
4. Lektorat...
...gibt es bei Spiegel Online ja nicht mehr, wenn der Praktikant die Agenturmeldungen einstellt. Es hätte dem weltgewandten Abiturienten doch aber auffallen sollen, dass Genitiv (wie von ihm vermieden) und Dativ (wie von ihm irrtümlich verwendet) durch alleinigen Gebrauch des Akkusativ ersetzt wurde, bis der Nominativ auch diesen ablösen kann. Richtigerweise muss die Bildunterschrift demnach: "Ärger wegen falschen Titel". Vielen Dank.
_bla 04.05.2012
5. Informatik nicht Computerwissenschaften
Zitat von sysopREUTERS/PayPalYahoo-Chef Scott Thompson hat seinen Lebenslauf frisiert und sich einen Abschluss in Computerwissenschaften verpasst. Diese Qualifikation habe der Manager gar nicht, räumte der Konzern nun ein. Ein Großaktionär hat den Schwindel aufgedeckt - ausgerechnet mit Hilfe von Google. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,831258,00.html
Etwas mehr Sorgfalt bei der Übersetzung von Nachrichten wäre schon angebracht. "Computer sciences" heißt Informatik oder als äußerst unüblicher Begriff auch noch Computerwissenschaft. Computerwissenschaften ist aber schlicht Unfug.
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