Krise des Internet-Konzerns Yahoo streicht bis zu 1700 Stellen

Nun ist es offiziell: Yahoo plant wegen anhaltend schlechter Zahlen einen massiven Konzernumbau. Laut Chefin Mayer sollen bis Jahresende 15 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen. Zudem werde der Verkauf von Firmenanteilen geprüft.

Firmenchefin Mayer (Archivbild 2014): "Yahoo hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht"
REUTERS

Firmenchefin Mayer (Archivbild 2014): "Yahoo hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht"


Schon bevor Yahoo am Dienstagabend seine offiziellen Quartalszahlen präsentierte, war die Angst vor einem Jobabbau groß. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, 15 Prozent der etwa 10.700 Stellen sollten womöglich gestrichen werden. Nun gibt es Gewissheit.

Nach US-Börsenschluss teilte Yahoo Chart zeigen mit, wie es auf die anhaltende Krise reagieren will: Der "aggressive Strategieplan" sieht unter anderem vor, dass etwa 15 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen. Schon im ersten Quartal solle mit dem Konzernumbau begonnen werden, heißt es in der Mitteilung. Bis Ende 2016 werde das Unternehmen dann noch etwa 9000 Mitarbeiter und 1000 externe Angestellte haben. Damit wäre die Belegschaft 42 Prozent kleiner als noch im Jahr 2012.

Der Stellenabbau geht mit der Schließung der Yahoo-Büros in Madrid, Mailand, Dubai, Buenos Aires und Mexiko-Stadt einher. Insgesamt will das Unternehmen bis Ende des Jahres 400 Millionen Dollar sparen. "Yahoo hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und wird alles dafür tun, damit der Prozess mit Rücksichtnahme, Transparenz und Mitgefühl vonstattengeht."

Erwogen wird den Angaben zufolge zudem der Verkauf von Firmenanteilen. Es hieß, Yahoo wolle Bereiche loswerden, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Das könnten etwa einige Patente und Immobilien sein. Dies solle bis Jahresende eine bis drei Milliarden Dollar einbringen.

Verlust von 4,43 Milliarden Dollar

Nötig geworden war dies nicht zuletzt durch die weiterhin schlechten Zahlen. Laut Yahoo-Mitteilung stieg der Umsatz im vierten Quartal 2015 im Jahresvergleich um gerade einmal 1,6 Prozent auf gut 1,27 Milliarden Dollar, das sind umgerechnet etwa 1,16 Milliarden Euro. Wegen einer gewaltigen Abschreibung gab es den Angaben zufolge einen Verlust von 4,43 Milliarden Dollar nach einem Minus von 166,3 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Die Aktie gab nachbörslich um mehr als ein Prozent nach, nachdem die Prognose für das laufende Quartal niedriger als erwartet ausgefallen war.

In der Kritik steht vor allem Firmenchefin Marissa Mayer. Die ehemalige Google-Managerin war bei ihrem Amtsantritt im Sommer 2012 als Retterin gefeiert worden. Inzwischen hat sich die Stimmung gedreht: Die Aktie verlor innerhalb eines Jahres ein Drittel an Wert, Top-Manager gehen, Anleger sind verärgert über den Zickzackkurs beim Verkauf der milliardenschweren restlichen Beteiligung an der chinesischen Handelsplattform Alibaba. Ein aggressiver Finanzinvestor fordert bereits lautstark Mayers Ablösung. Mehr Hintergründe zur Kritik an Mayer und der Krise bei Yahoo lesen Sie hier.

aar/dpa/AP/AFP

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