Mayers Sparplan Angst vor Job-Abbau bei Yahoo

Yahoo steckt in der Krise - wenn die einst als Retterin gefeierte Chefin Marissa Mayer jetzt Zahlen vorlegt, muss sie auch einen Sparplan präsentieren. 15 Prozent der Stellen könnten wegfallen.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer:  Keine Lösung für die lange Krise in Sicht
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Yahoo-Chefin Marissa Mayer: Keine Lösung für die lange Krise in Sicht


Der angeschlagene Internetkonzern Yahoo steht offenbar vor einem drastischen Job-Abbau.

Vorstandschefin Marissa Mayer dürfte nach Vorlage der Quartalszahlen am Dienstagabend deutscher Zeit ankündigen, dass 15 Prozent der Arbeitsplätze gestrichen und mehrere Geschäftsbereiche geschlossen werden, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Zuletzt habe der Konzern etwa 10.700 Mitarbeiter gehabt. Eine Stellungnahme von Yahoo gab es zunächst nicht.

Yahoo steckt in der Krise, weil das einst beliebte Online-Portal den Anschluss an Konkurrenten wie die Alphabet-Tochter Google und Facebook verloren hat. Mayer war vor rund drei Jahren angetreten, um das Internet-Urgestein wieder auf Kurs zu bringen - hat aber bisher keinen Erfolg. Investoren werden zunehmend unruhig. Auch andere US-Medien, wie die "New York Post" und der Tech-Blog "Recode", hatten bereits über einen geplanten Stellenabbau berichtet.

Zum Amtsantritt als Yahoo-Chefin wurde die erfolgreiche Google-Managerin Marissa Mayer als Retterin gefeiert. Rund dreieinhalb Jahre später hat sich die Stimmung gedreht: Die Aktie verlor innerhalb eines Jahres ein Drittel an Wert, Top-Manager gehen, Anleger sind verärgert über den Zickzackkurs beim Verkauf der milliardenschweren restlichen Beteiligung an der chinesischen Handelsplattform Alibaba. Ein aggressiver Finanzinvestor fordert bereits lautstark Mayers Ablösung.

Konkurrenten hängen Yahoo ab

Die 40-Jährige gab rund drei Milliarden Dollar für Zukäufe aus, lautet ein Kritikpunkt. Rund eine Milliarde kostete die Übernahme der Blog-Plattform Tumblr, um mehr jüngere Nutzer ins Yahoo-Universum zu holen. Aber das Geschäft ist nicht gewachsen, und Yahoo wird bei seiner wichtigsten Geldquelle, der Online-Werbung, von Facebook und Google abgehängt.

Die Zahlen sind deutlich: Im dritten Quartal 2015 machte Yahoo Chart zeigen einen Umsatz von 1,22 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal 2012, zu Mayers Amtsantritt, waren es ebenfalls rund 1,2 Milliarden. Bei Facebook Chart zeigen sprang der Quartalsumsatz in dieser Zeit von 1,3 auf 4,5 Milliarden Dollar, bei Google Chart zeigen stieg er von 14 auf fast 19 Milliarden Dollar.

Yahoo tut sich auch unter Mayers Regie schwer mit der zentralen Frage, an der schon mehrere ihrer Vorgänger scheiterten: Wie lässt sich die Reichweite von mehreren Hundert Millionen Nutzern in ein profitables Geschäft wandeln? Zu Mayers Antwort gehörte ein Ausbau des Mediengeschäfts mit Investitionen in Themen-Websites und Video-Inhalte. So ließ sie die im TV abgesetzte Serie "Community" online wieder aufleben, bei der sie auf eine eingefleischte Fangemeinde hoffte - aber die Video-Offensive brachte einen Verlust von 40 Millionen Dollar ein.

Investieren, behalten, aufgeben

Jetzt will Mayer offenbar an allen Enden sparen. Nach Informationen der Tech-Journalistin Kara Swisher beim Silicon-Valley-Blog "Recode", die seit Jahren bestens über die Geschehnisse bei Yahoo informiert ist, analysiert Mayer gerade das Geschäft des Konzerns. Ihre Liste habe drei Rubriken: Investieren, beibehalten, aufgeben. Sie wolle mehr Geld in die Suche auf mobilen Geräten stecken, gut laufende Websites wie Yahoo Finance weiter betreiben und dafür mehrere internationale Dienste und mehrere Medienangebote abschalten.

Die größte Frage bleibt, was mit der verbliebenen Alibaba-Beteiligung passieren soll. Sie kostet an der Börse ungefähr genauso viel wie ganz Yahoo. Die Anleger sehen im Kerngeschäft des Konzerns also kaum noch einen Wert. Der ursprüngliche Plan war, den Alibaba Chart zeigen-Anteil von 15 Prozent abzustoßen und den Erlös an die Aktionäre auszuschütten.

Doch auch kurz vor dem geplanten Abschluss der Transaktion Anfang 2016 blieb unklar, ob sie steuerfrei umgesetzt werden kann. Der aktuelle Plan seit Anfang Dezember ist, statt des Alibaba-Anteils nun das bisherige Internet-Kerngeschäft in eine neue Firma auszulagern. Dabei könnten zwei börsennotierte Unternehmen entstehen. Gehören würde die neue Firma den bisherigen Yahoo-Anteilseignern.

nck/dpa-afxp

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
hanfiey 02.02.2016
1. Planlos
Die Alibaba Beteiligung ist das einzige was noch Wert hat, der Rest kostet nur. Wer nur noch mit Ask-Bar und ähnlichem Blödsinn daher kommt ist Planlos. Jetzt würde ich mich an die Entwicklung von vernünftigen Diensten und Anwendungen machen die für Benutzer auch interessant sind. Suchen im Internet kann Google besser und nur auf Werbung setzen ist auch kein Plan.
Irene56 02.02.2016
2. Marissa Mayer?
War das nicht die Super-Mami und Powerfrau, die allen Frauen erzählt hat, wie leicht man Familie und Job unter einen Hut bringen kann? Die Marissa, die neben ihren Office eine Kinderstube für ihr Baby hatte? Na, so gut war die Idee wohl nicht, aber egal, andere, nämlich die Menschen, die bald entlassen werden, bezahlen letztendlich den Preis für all solche Experimente. Weiter so.
beatrock63 02.02.2016
3. Ans Telefon geht da schon lange keiner meht
Wer schon mal Probleme mit Yahoo hatte, weiß wovon ich rede. Wer so mit seinen Kunden kommuniziert, soll untergehen.
ptb29 02.02.2016
4. Irgendwann wird jeder Manager feststellen,
dass er soviel eingespart hat, dass jetzt keiner mehr da ist, der die Arbeit macht. Das ist Kapitalismus, nachzulesen bei K. Marx.
utfcmac 02.02.2016
5.
Und wieder zeigt sich, wie extrem überbezahlt solche "Führungspersönlichkeiten" sind. Wenn der Laden in 3-4 Jahren zumacht, braucht sie bis ans Lebensende eh nie wieder "arbeiten".
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