Yandex: Suchmaschine schafft größten Internet-Börsengang seit Google

Erst LinkedIn, nun Yandex: Der russische Suchmaschinenbetreiber nimmt an der Wall Street mehr als eine Milliarde Dollar ein. Es ist der größte Internet-Börsengang seit dem Google-Debüt vor sieben Jahren.

Yandex-Zentrale in Moskau: Rekordeinnahmen an der Börse Zur Großansicht
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Yandex-Zentrale in Moskau: Rekordeinnahmen an der Börse

New York - Die russische Internetfirma Yandex hat bei ihrem Börsengang in den USA 1,3 Milliarden Dollar eingenommen. Es handelt sich um das größte Debüt in der Branche seit Google im Jahr 2004 an die Börse gegangen war. Insidern zufolge verkauften Yandex und seine Teilhaber 52,2 Millionen Aktien zu einem Preis von 25 Dollar - und übertrafen damit alle Erwartungen. Ursprünglich waren 20 bis 22 Dollar angepeilt.

Yandex betreibt die erfolgreichste Suchmaschine in Russland. Der Anteil bei den Suchanfragen liegt bei 65 Prozent. Investoren wollen von dem wachsenden Markt profitieren. Der Handel mit den Yandex-Papieren soll am Dienstag an der Nasdaq beginnen.

Der Börsengang wurde durch das Debüt von LinkedIn befeuert. Das Karrierenetzwerk hatte seinen Wert am ersten Handelstag an der New Yorker Börse mehr als verdoppelt. Zwischenzeitlich lag der Preis für eine Aktie bei mehr als 120 Dollar, was einem Firmenwert von zwölf Milliarden Dollar entspricht. Das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien war auf einen Schlag mehr Wert als die Lufthansa.

Und die Anleger haben offenbar großen Appetit auf die neuen Stars der IT-Branche. "LinkedIn war ihre erste Chance. Und es scheint, dass sie jeder nutzen wollte", sagt Bill Buhr von der Beratungsfirma Morningstar. Dabei habe LinkedIn auch stellvertretend von den Erwartungen der Börsianer an Twitter und Facebook profitiert, die bislang noch nicht auf den Aktienmärkten präsent sind.

Angst vor neuer Dotcom-Blase

Manche Experten fühlen sich schon an die Festtagsstimmung des Dotcom-Booms erinnert, die nach der Jahrtausendwende in einem spektakulären Crash endete. Der für IT-Werte gegründete Neue Markt erreichte im März 2000 seinen Höchststand - danach wurden dort mehr als 200 Milliarden Euro Kapital vernichtet.

Technologie-Analyst Arun George von Altium Securities warnte Anleger vor einem Einstieg in Aktien sozialer Netzwerke. "Ich denke, sie werden massiv überbewertet sein", sagte er dem TV-Sender CNBC. Doch vor allem Facebook hat es den Investoren angetan, nicht zuletzt seit das Finanzinstitut Goldman Sachs zu Jahresbeginn 450 Millionen Dollar in das Unternehmen steckte. Einige Experten bewerten Facebook, das Google als meistbesuchte Website in den USA verdrängte und nach eigenen Angaben weltweit mehr als 600 Millionen Nutzer hat, bereits mit 70 Milliarden Dollar.

Richard Holway von der Beratungsfirma TechMarketView hält es nicht für ausgeschlossen, dass Facebook die hohen Erwartungen erfüllen kann. "Wie bei der Dotcom-Blase wird es eine kleine Zahl von Firmen geben, die es schaffen", erklärt er. "Aber für jeden Erfolg wird es 99 oder 999 Fehlschläge geben."

Als negatives Beispiel gilt in der Branche MySpace, einst die Avantgarde der sozialen Netzwerke. Medienmogul Rupert Murdoch erwarb die Seite vor sechs Jahren für 580 Millionen Dollar. Jetzt steht MySpace wieder zum Verkauf. Murdochs Mediengruppe News Corporation rechnet dem "Wall Street Journal" zufolge mit kaum mehr als 100 Millionen Dollar - für ein Online-Netzwerk, dem Mitglieder in Scharen davonlaufen.

ssu/AFP/Reuters

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