Jukos-Zerschlagung Russland zu 50 Milliarden Dollar Schadensersatz verurteilt

Das Urteil ist eine schwere Niederlage für die russische Regierung: Ein internationales Gericht in Den Haag hat zugunsten der Ex-Eigner des zerschlagenen Ölkonzerns Jukos entschieden - und spricht ihnen rund 50 Milliarden Dollar zu.

Jukos-Mitarbeiter (Ende 2004): Mehrzahl der Konzern-Anteile ging an Rosneft
REUTERS

Jukos-Mitarbeiter (Ende 2004): Mehrzahl der Konzern-Anteile ging an Rosneft


Hamburg/Den Haag - Die ehemaligen Eigentümer von Jukos sind überzeugt, dass Russland den einst größten Ölkonzern des Landes in den Ruin getrieben hat. Jetzt hat ein Schiedsgericht in Den Haag zu ihren Gunsten entschieden und den russischen Staat verurteilt, den früheren Besitzern des einst größten Ölkonzerns des Landes rund 50 Milliarden Dollar Schadensersatz zu zahlen.

Mit dem Urteil wird den Aktionären des einst größten russischen Ölkonzerns ungefähr die Hälfte der von ihnen geforderten Summe zugesprochen. Die Anleger hatten zuletzt rund hundert Milliarden Dollar gefordert. Sie werfen Russland vor, den einst von dem Regierungskritiker Michail Chodorkowski kontrollierten Konzern ohne angemessene Entschädigung enteignet zu haben.

In der Urteilsbegründung heißt es, der primäre Grund für die Zerschlagung von Jukos sei nicht das Eintreiben von Steuern gewesen, sondern den Konzern in den Bankrott zu treiben.

Nach Angaben der Kläger hat Russland nun bis zum 15. Januar 2015 oder 180 Tage lang Zeit, mit der Zahlung der Schadensersatzsumme zu beginnen. Den Angaben zufolge kann nach dem Schiedsgerichtsspruch russisches Vermögen gepfändet werden.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte laut Nachrichtenagentur Reuters vor der Urteilsbekanntgabe angekündigt, Russland könne in Berufung gehen, falls der Gerichtsentscheid zugunsten der Ex-Jukos-Eigner ausfalle. Laut einem Bericht der russischen Wirtschaftszeitung "Kommersant" hatte die russische Seite kritisiert, selbst nicht in dem Verfahren angehört worden zu sein.

Der Prozess hat nicht zuletzt wegen der angespannten Beziehungen zwischen dem Westen und Russland im Zuge des Ukraine-Konflikts an Brisanz gewonnen. In Erwartung des Urteils hatten russische Aktien am Montag nachgegeben. Die Papiere des nunmehr größten russischen Ölproduzenten Rosneft verloren 1,2 Prozent. Die meisten ehemaligen Jukos-Anteile gingen per Auktion an Rosneft.

Der Rechtsstreit schwelt seit fast zehn Jahren. Im März 2010 hatten die Ex-Eigentümer des Unternehmens die Regierung in Moskau zunächst auf Schadensersatz in Höhe von 74 Milliarden Euro verklagt.

bos/Reuters/dpa



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